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Ben Roethlisberger holte mit den Pittsburgh Steelers zweimal den Super Bowl © getty

Ben Roethlisberger steht unter Vergewaltigungs-Verdacht, doch Beweise fehlen. Der Liga-Boss hat Druck, hart durchzugreifen.

Von Martin Hoffmann

München ? Ben Roethlisberger hat es kürzlich zum Comic-Helden gebracht.

Wobei das wohl doch nicht das richtige Wort ist, wenn man in "South Park" auftaucht. Denn wenn ein Promi in der politisch unkorrekten Kult-Serie auftritt, ist der Grund dafür meist kein angenehmer.

So auch nicht beim Star-Quarterback der Pittsburgh Steelers, der in der Folge "Sexual Healing" als Mitglied einer Therapiegruppe prominenter Sexbesessener erschien ? von Ex-Präsident Bill Clinton bis Late-Night-Talker David Letterman.

Wie es der Zufall wollte, ist kurz vor der Ausstrahlung der Episode eine weitere pikante Affäre um "Big Ben" ans Licht gekommen ? wegen der ihm nun eine Sperre ins Haus steht.

"Irgendwie vergewaltigt"

Im Mittelpunkt der Angelegenheit steht eine junge Studentin, die dem 28-Jährigen einen sexuellen Übergriff vorwirft.

Die damals 20-Jährige traf bei einer nächtlichen Clubtour in Milledgeville, Georgia auf den Sportstar.

Wie aus Polizeiakten hervorgeht, warf sie Roethlisberger vor, sie mit Alkohol "abgefüllt" zu haben und dann auf einer Clubtoilette gegen ihren Willen Sex mit ihr gehabt hätte.

Sie sei "irgendwie vergewaltigt" worden, hatte sie den Ärzten in einem örtlichen Krankenhaus erklärt, in dem sie sich nach dem angeblichen Vorfall behandeln ließ.

Keine Anklage, aber Vorwurf bleibt im Raum

Roethlisberger, der erklärt hat, dass alles, was zwischen ihm und der jungen Frau passiert ist, einvernehmlich gewesen wäre, ist wegen des Vorwurfs nicht angeklagt worden.

Der zuständige Bezirksstaatsanwalt Fred Bright erklärte am 12. April, nicht genügend Beweise hierfür zu haben.

Dazu teilte Roehtlisbergers mutmaßliches Opfer mit, dass sie ihre Anschuldigung vor der Justiz nicht aufrechterhalten würde.

Die junge Frau erklärte, dass sie wegen des öffentlichen Interesses einen Prozess mit Blick auf ihre Privatsphäre nicht aushalten würde ? beharrte aber darauf, dass sie bei ihrer Darstellung des Vorfalls bleiben würde.

Goodell deutet Sperre an

Im strafrechtlichen Sinne ist Roethlisberger damit aus dem Schneider, dafür wird ihn die Liga aller Voraussicht nach bestrafen.

Die NFL hat in ihrem Regelwerk einen Verhaltenskodex, der Strafen für private Vergehen, die dem Ruf der Liga schaden, vorsieht. Und NFL-Commissioner Roger Goodell hat nun klargestellt, dass der auch zur Anwendung kommen wird. 201072(DIASHOW: Die Bilder vom Super Bowl)

"Man muss keines Verbrechens verurteilt oder angeklagt sein, wenn es darum geht, dass man den Verhaltenskodex verletzt hat", verdeutlichte Goodell in einer US-Radioshow.

Unbefristete Verbannung möglich

Die Steelers erwarten laut Medienberichten eine Sperre von vier Spielen. Möglich ist allerdings auch wie im Fall von Michael Vick eine zunächst unbefristete Sperre, deren Länge sich nach Roethlisbergers Verhalten richtet.

Goodell steht unter großem öffentlichen Druck, Roethlisberger zu bestrafen. Er ist für seine harten Strafen gegen schwarze Spieler wie Vick oder Adam "Pacman" Jones von einigen des Rassismus geziehen worden.

Sein Umgang mit der Affäre Roethlisberger wird auch deshalb besonders kritisch verfolgt.

Sponsor stoppt Zusammenarbeit

Durch den Medienwirbel ist der Schaden für Roethlisberger und die Steelers allerdings schon vor Goodells Entschluss groß.

Die Firma PLB Sports, die mit Roethlisbergers Gesicht für das Trockenfleisch "Big Ben's Beef Jerky" warb, hat auch schon die Zusammenarbeit mit dem Quarterback gestoppt.

Nicht die erste Affäre

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Sex-Affäre das Image von "Big Ben" ramponiert.

Schon 2008 hatte ihm eine 31-jährige Frau einen sexuellen Übergriff in einem Hotelzimmer vorgeworfen.

Auch damals gab es allerdings keine Anklage ? und im Nachhinein wurde die Glaubwürdigkeit des angeblichen Opfers durch eine Mitarbeiterin erschüttert, die eidesstattlich versicherte, dass ihre Kollegin den Anschein erweckt hatte, einvernehmlich mit Roethlisberger geschlafen zu haben.

Demonstrative Reue

Trotzdem weiß Roethlisberger, dass er mittlerweile ein desaströses Bild nach außen abgibt.

Es gab daher auch schon die für solche Fälle typische öffentliche Reue-Erklärung. "Big Ben" hielt fest, dass ihm die Angelegenheit "ehrlich leid tue" und "viel Arbeit" nötig sei, um sein Verhältnis zu Team, Liga, Fans und Öffentlichkeit zu reparieren.

Der Spott der "South-Park"-Macher ist da gerade sein geringstes Problem.

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