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Zehn Spieler verschiedener Teams sollen positiv auf Dopingpräparate getestet worden sein © getty

Es sollte ein großes Spektakel werden, doch das NFL-Gastspiel im Londoner Wembleystadion wegen der Dopingfälle unter.

Aus London berichtet Rainer Nachtwey

London - Cheerleader der Chargers füllen ganze Seiten der Tageszeitungen in London. Reggie Bush und LaDainian Tomlinson grüßen von Plakaten.

Doch bereits hier ist eines klar: Das Plakat gehört der Vergangenheit an.

Nicht nur, dass Bush, der Running Back der New Orleans Saints, im Londoner Wembleystadion gegen die San Diego Chargers (18 Uhr LIVESCORES) nicht auflaufen wird, weil er verletzt ist. Das Gastspiel der NFL in der englischen Hauptstadt rückt in den Hintergrund.

Fernseh-Sender lassen Bombe platzen

Denn 48 Stunden vor Kickoff ließen die beiden Fernsehsender "Fox 31-Denver" und "ESPN" eine Bombe platzen: Zehn Spieler verschiedener Mannschaften sind angeblich positiv auf Dopingpräparate getestet worden.

Wie die "New Orleans Times-Picayune" berichtet, befinden sich darunter auch die drei Saints-Spieler Deuce McAllister, Charles Grant und Will Smith von den Saints. Das Trio soll ein Diuretikum, ein Mittel zum Gewichtsverlust, zu sich genommen haben, das den Gebrauch von Steroiden verschleiert.

"Wir werden uns zu diesem Bericht nicht äußern", sagt NFL-Sprecher Greg Aiello und lässt Medien und Fans im Dunkeln. Auch der Pressevertreter Greg Bensel wies darauf hin, dass man sich zu diesem Thema nichts Preis geben werde: "Das ist Sache der Liga."

Sonne über London

Dabei hätte alles perfekt werden können. Nachdem letztes Jahr das Spielfeld aufgrund sintflutartiger Regengüsse in einen Acker verwandelt wurde und zwischen den New York Giants und den Miami Dolphins mehr Turnovers als Touchdowns zustande kamen, soll am Sonntag die Sonne über London lachen.

Und mit den Saints und den Chargers stehen sich zwei offensivstarke und defensivschwache Teams gegenüber. Dies verspricht viele Punkte und spektakuläre Spielzüge.

Die Quarterbacks Drew Brees auf Seiten der Saints und Philip Rivers von den "Bolts" unterstreichen dies in den Statistiken. Bei geworfenen Yards führt Brees mit 2224 die Liga an, Rivers folgt nur drei Plätze dahinter mit 1697 auf Rang vier.

Nicht ganz freiwilliger Abschied

Für Brees ist es zudem eine besondere Partie: Der 29-Jährige trifft erstmals seit seinem nicht ganz freiwilligen Abschied vor drei Jahren auf seinen Ex-Klub.

Dem Spielmacher war nach fünf erfolglosen Jahren vor der Saison 2006 von der Klubführung mitgeteilt worden, dass man mit 2004-Draftpick Rivers planen werde und sein Vertrag nicht verlängert wird.

"Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es ein Spiel wie jedes andere für mich ist", gibt er zu. "Aber ich werde dadurch nicht keine zusätzliche Last auf meine Schultern laden."

Klubführung hatte andere Pläne

Aufgrund des Vierjahres-Zyklus ist es nun soweit, dass Brees nun erstmals auf seinen Ex-Klub und Freund LaDainian Tomlinson, Running Back der "Bolts", trifft. Beide wurden 2001 im Draft von den Chargers gezogen und führten den Klub vom letzten auf den ersten Platz der AFC West.

"Wir kannten uns schon seit der High School", erinnert sich Tomlinson. "Als wir damals zusammen gedraftet wurden, dachten wir, dass wir für immer zusammenspielen würden. Aber die Klubführung hat nicht immer die gleichen Pläne wie man selbst."

Doch nicht nur allein für den Saints-Quarterback, auch für seinen Nachfolger bei den Chargers Rivers ist es etwas Besonderes, gegen seinen ehemaligen Lehrer anzutreten.

"Ich habe von Drew unheimlich viel gelernt"

"Wir hatten ein gutes Verhältnis", sagt Rivers. "Ich habe von Drew unheimlich viel gelernt. Routine zu entwickeln, die entscheidenden Dinge in den entscheidenden Momenten zu machen, all das."

Nicht nur die persönlichen Beziehungen, sondern auch die Tabellenkonstellation sorgt für große Spannung. Beide sind mit drei Siegen bei vier Niederlagen enttäuschend in die Saison gestartet. Vor der freien 9. Spieltag am kommenden Wochenende ist die Partie für beide Teams richtungweisend. Bei einer weiteren Niederlage rücken die Playoffs immer weiter in die Ferne.

Der Geist von Wembley

Zudem beschwören die Spieler den "Geist von Wembley" herauf. Denn nach Ansicht von Tomlinson war das Spiel in London der Schlüssel für den Meisterschaftsgewinn der Giants. "Ich denke wirklich, dass es daran lag", sagt LT. "Sie fuhren nach London und schon veränderte sich ihre Saison."

Dies können die Saints, egal, ob sie gewinnen oder verlieren, auch behaupten. Denn, wenn sich die Anschuldigungen der beiden Fernsehsender als wahr herausstellen, werden die drei Leistungsträger McAllsiter, Grant und Smith die nächsten vier Spiele gesperrt werden.

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