vergrößernverkleinern
Reggie Bush feiert mit den Fans den Super-Bowl-Triumph im Februar gegen Indianapolis © getty

Reggie Bush gibt die Heisman-Trophäe zurück. Dahinter steckt eine Affäre, die ein grelles Schlaglicht auf den Sport wirft.

Von Martin Hoffmann

München - Es ist ein einmaliger Schritt, der die US-Sportwelt bis ins Mark erschüttert.

Reggie Bush, der Running Back des Super-Bowl-Gewinners New Orleans Saints, hat die Heisman Trophy zurückgegeben, die prestigeträchtigste Auszeichnung für College-Sportler. (DATENCENTER: Der NFL-Spielplan)

Vorausgegangen war ein Skandal über unerlaubte Vergünstigungen für Bush während seiner Zeit auf der University of Southern California.

Mit der Rückgabe der 2005 gewonnen Trophäe kam der 25-Jährige einer drohenden Aberkennung des Preises zuvor.

"Es bricht mir das Herz"

"Es bricht mir das Herz. Ich gebe die Trophäe zurück, obwohl ich aus meiner Sicht nichts falsch gemacht habe", wird Bush in einer Pressemitteilung der Saints zitiert.

Hinter dem Schritt steckt ein Skandal, der ein Schlaglicht darauf wirft, wie Kommerz und Geschäftssinn den US-Sport schon im Nachwuchsbereich durchdrungen haben.

Bush wird vorgeworfen, dass er und seine Familie zu seiner Collegezeit unschickliche Begünstigungen von Spieleragenten erhalten haben - was gemäß den Regeln der Collegesport-Vereinigung NCAA verboten ist.

Mike Ornstein - der später Bushs Agent wurde - und die Firma New Era Sports and Entertainment sollen ihn mit diversen geldwerten Vorteilen angefüttert haben.

Vier Jahre lange Untersuchungen

Flugreisen zu Spielen, Wohn- und Hotelkosten, Limousinenfahrten, ein Chevrolet: Alles wurde Bush und seinem Anhang offenbar finanziert, um ihn für seine spätere Profikarriere als Klienten anzuwerben - selbst die Kosten dafür, Bushs Mutter für die Heisman-Trophy-Verleihung zurechtzumachen.

Der im Werben um Bush erfolglose Lloyd Lake von New Era Sports versuchte später 290.000 Dollar für seine Dienstleistungen von Bush zurückzuklagen.

Die Vorwürfe tauchten bereits 2006 in den Medien auf, aber erst vier Jahre später schloss die NCAA die Untersuchungen ab. (285446Bilder: Der 1. NFL-Spieltag)

Drakonische Strafen für die USC

Sie belegte Bushs Ex-Universität mit drakonischen Strafen, weil sie die unerwünschten Einflüsse nicht Bush und anderen Athleten ferngehalten habe - um den Basketballer OJ Mayo gibt es eine ähnliche Affäre.

Den Trojans wurden 14 Siege unter Bushs Beteiligung aus den Jahren 2004 und 2005 nachträglich aberkannt - darunter der im Januar 2005 mit Bush gewonnene Orange Bowl.

Außerdem wurden der Universität 30 Football-Stipendien entzogen.

Erbt Young die Trophäe?

Am Dienstag nun trat der Heisman Trust, der über die gleichnamige Trophäe wacht, zusammen.

Ob er sie Bush aberkannt hätte oder ob das überhaupt auf der Tagesordnung stand, ist unklar. Noch ehe es klar werden konnte, entschloss sich Bush zur Rückgabe.

Ob der Preis nun vakant bleibt oder an den in der Abstimmung zweitplatzierten Quarterback Vince Young geht, steht noch nicht fest. Der Trust kommentierte Bushs Aktion zunächst nicht.

Der Spielmacher der Tennessee Titans hatte am Montag noch in einem TV-Interview erklärt, dass er nicht nein zu dem Preis sagen würde. Nach Bushs Schritt twitterte er allerdings: "Reg wird der Preisträger 2005 bleiben, und ich werde weiter die Ehre haben, neben einem so talentierten Athleten nominiert gewesen zu sein."

Gemischte Reaktionen

Die Reaktionen auf Bushs Schritt fielen gemischt aus: Über eine "leere Geste" spottete "ESPN"-Kolumnist Ivan Maisel: "Er hat jedes Fehlverhalten abgestritten, bis die NCAA das Napalm gegen die USC rausgeholt hat." (Jets: Auftaktpleite und Kabinen-Affäre)

Ähnlich sieht es "CBS"-Experte Ray Ratto: Er sprach von einem "zynischen Akt", der nur das Ziel hätte, "noch etwas PR-Nutzen zu retten".

Andere Kommentatoren gingen milder mit Bush um. John H. Tucker von der "Newsweek" erinnerte daran, dass Bush ein "verletzbarer 18-Jähriger" war, als "Agenten ihm plötzlich Geldbündel ins Gesicht gehalten haben".

Bush habe sich inzwischen mit vielen Spenden an wohltätige Organisationen als Vorbild hervorgetan. "Die Top-College-Spieler haben schon immer Geschenke angenommen", so Tucker: Nicht Bush sei anzuklagen, "sondern das System".

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel