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Washingtons Carlos Rogers (l.) kann Santonio Holmes beim Touchdown nicht stoppen © getty

Während Obama und McCain über Sportpolitik debattieren, kassiert Washington eine bittere Heimniederlage gegen die Steelers.

Von Martin Hoffmann

München - Byron Leftwich ist ein waschechter "Washington Boy".

Der Quarterback wurde in der Bundeshauptstadt geboren, als Kind schlich er sich öfters heimlich zu den Redskins ins Stadion.

Am Montagabend schlug nun seine große Stunde: Leftwich betrat als Ersatz für den verletzten Stamm-Spielmacher das FedEx-Field und warf sein Team mit einer beeindruckenden Leistung zu einem 23:6-Erfolg.

Das Dumme aus Washingtoner Sicht: Der "Washington Boy" spielte nicht für die Redskins, sondern für ihre Gegner, die Pittsburgh Steelers.

Freunde und Verwandte mit gemischten Gefühlen

Entsprechend gemischte Gefühle gab es wohl auch bei Leftwichs 44 Freunden und Verwandten im Stadion - allesamt Redskins-Anhänger.

"Ich würde ihnen nicht raten, sauer zu sein", flachste der 28-Jährige nach dem Spiel, das für Washington die dritte Saisonniederlage und einen Rückschlag im Kampf um die Spitze in der beinharten NFC East bedeutete.

Die Gelegenheit, seinen einstigen Lieblingsklub zu ärgern, bekam Leftwich, weil Pittsburghs etatmäßiger Quarterback Ben Roethlisberger mal wieder die angeschlagene Schulter seines Wurfarms zu schaffen machte.

Roethlisbergers letzte gute Tat

Roethlisberger musste zur Halbzeit raus, nachdem sich die Blessur schon vorher merklich auf seine Leistung ausgewirkt hatte.

Nur 5 von 17 Passversuchen kamen an, lediglich 50 Yards machte er damit gut.

Trotzdem hatte "Big Ben" seine Steelers kurz vor der Pause noch in Führung gebracht.

Nach einem 0:6-Rückstand durch zwei Field Goals von Shaun Suisham hatte zunächst Jeff Reed ebenfalls per Field Goal auf 3:6 verkürzt, ehe Roethlisberger mit einem Ein-Yard-Lauf den ersten Touchdown des Spiels vollendete.

Touchdown-Pass als I-Tüpfelchen

Zum eigentlichen Matchwinner wurde dann in der zweiten Hälfte aber Stellvertreter Leftwich.

Im dritten Viertel gelang ihm ein Pass auf Nate Washington, der den Ball 50 Yards nach vorne brachte. Anschließend brauchte Running Back Willie Parker nur noch einen Yard bis in die Endzone zurückzulegen.

Den letzten Touchdown der Partie schaffte Leftwich dann mit einem Fünf-Yard-Pass auf den zuletzt wegen eines Marihuana-Vergehens gesperrten Santonio Holmes selbst.

Es war das I-Tüpfelchen eines starken Auftritts von Leftwich, bei dem sieben seiner zehn Pässe ankamen und er insgesamt 129 Yards gutmachte.

Campells Rekordserie gerissen

Mindestens ebenso wichtig für den Pittsburgher Erfolg war die Defensive, die Washington gleich mehrere Serien verdarb.

So endete etwa der Lauf von Quarterback Jason Campbell, der mit 271 Passversuchen ohne Interception den Vereinsrekord des legendären Joe Theisman gebrochen hatte.

Den 272. Versuch fing im dritten Viertel Cornerback Deshea Townsend ab - und Campbell ließ im vierten Viertel noch eine weitere Interception folgen.

Erinnerungen an den "stählernen Vorhang"

Auch der restliche Arbeitsnachweis der Steelers-Defensive war beeindruckend.

Kein Touchdown zugelassen, sieben Quarterback-Sacks und nur 51 Yards für Washingtons Top-Läufer Clinton Portis.

Da wurden Erinnerungen an die glorreichen Siebziger wach, als Pittsburghs Defensiv-Reihe als "Steel Curtain" ("stählerner Vorhang") zur Legende wurde.

Im Zeichen des Wahlkampf-Endspurts

Für Washington war es eine bittere Schlappe ausgerechnet an dem Abend, bevor in ihrer Hauptstadt die Zukunft des Landes entschieden wird.

Auch das Monday Night Game konnte da nicht ganz unpolitisch bleiben: In der Halbzeitpause ließen sich die Präsidentschafts-Bewerber Barack Obama und John McCain zu sportlichen Themen interviewen.

McCain kündigte an, als Präsident entschiedener gegen die Ausbreitung von Doping vorzugehen, Obama sprach sich für eine Reform des komplizierten Modus im College-Football.

Bleibt abzuwarten, ob dieses Wahlversprechen dem demokratischen Hoffnungsträger noch Stimmen einbringt.

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