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Brady Quinn (l.) wurde 2007 von den Browns als 22. Erstrunden-Pick gedraftet © getty

Brady Quinn ist auf Druck der Fans neuer Stamm-Quarterback in Cleveland. Er erbt viele Probleme von seinem glücklosen Vorgänger.

Von Martin Hoffmann

München - Die Fans aus Cleveland hatten ihr Urteil gefällt, als sich Quarterback Derek Anderson am Sonntag einen folgenschwerer Patzer leistete.

Nach einer Interception kurz vor Schluss, welche die Baltimore Ravens zum entscheidenden Touchdown beim 37:27-Erfolg über die Browns nutzten, skandierte das Heimpublikum "Brady! Brady!"

Einen Tag später bekam der Browns-Anhang seinen Willen: Trainer Romeo Crennel gab bekannt, dass Brady Quinn neuer Stamm-Spielmacher seines Teams wird.

Der Publikumsliebling wird bereits am Donnerstag gegen die Denver Broncos sein erstes Spiel von Anfang an für Cleveland bestreiten.

Nur die Hälfte der Pässe angekommen

Noch Stunden zuvor hatte Crennel beteuert, sich noch keine Gedanken zum Thema gemacht zu haben - dabei stand Anderson nicht erst seit seinem Lapsus gegen die Ravens in der Kritik.

Und der Unmut der eigenen Fans über ihn ist auch nicht verwunderlich: In den bisherigen Spielen kam weniger als die Hälfte seiner Pässe an, mit einer 3:5-Bilanz schwinden Clevelands Chancen auf den Playoff-Einzug immer mehr.

So ist in Cleveland die Hoffnung auf einen Erlöser gewachsen. Und nach dem Willen der Fans soll es Quinn sein.

Verwurzelter Fan-Liebling

Der 24-Jährige ist bei den Browns-Fans vor allem wegen seiner regionalen Verwurzelung so populär.

Quinn wurde in Ohio geboren und war Starakteur an der nahe gelegenen Notre Dame University im Nachbarstaat Indiana.

Trotzdem zweifelt das Fachpublikum, ob Quinn die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllen kann.

Es mangelt an guten Passempfängern

Das hat weniger mit Quinn selbst zu tun, sondern vielmehr mit den Umständen seiner Berufung.

Zum einen ist da das Problem, dass er ins kalte Wasser geworfen wird und vor dem Denver-Spiel nur noch einmal mit seiner Mannschaft trainieren kann.

Zum anderen sind mit Andersons Absetzung nicht das Problem aus der Welt, das dem ausgebooteten Quarterback zum Verhängnis wurde: Es fehlt Cleveland an tauglichen Passempfängern.

Der für 35 Millionen Dollar neu verpflichtete Donte Stallworth konnte wegen Verletzungsproblemen bislang kaum spielen, Braylon Edwards führt die Liga bei den fallen gelassenen Bällen an und auch Tight End Kellen Winslow ist im Formtief.

Dilfer sieht Anderson als Sündenbock

Darum kritisierte etwa der frühere Browns-Quarterback Trent Dilfer, dass Anderson zum Sündenbock für diese geballten Schwächen der Browns gemacht wurde.

"Die öffentliche Meinung hat diese Entscheidung für die Browns getroffen", kommentierte der mittlerweile als TV-Experte arbeitende Dilfer den Quarterback-Tausch: "Dabei haben mir mehrere Trainer bestätigt, dass es nicht Andersons Fehler war. Er war oft besser, als die Statistik es aussagte."

Die Mehrzahl der Browns-Fans sah das anders: Quasi per Volksabstimmung hat sie Brady Quinn zum Stamm-QB gemacht.

Die Frage ist nur, ob er Volkes Liebling bleibt, wenn seine Mitspieler ihn genauso im Stich lassen wie seinen Vorgänger.

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