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Mit unglaublichen 508 Touchdown-Pässen nimmt er unangefochten die Spitzenposition ein. Der eher unwürdige Abschied des "Gunslingers"  bei den Minnesota Vikings kann an seinem Status nichts ändern
Quarterback-Legende Brett Favre gewann 1997 mit Green Bay den Super Bowl © getty

Nach 20 Jahren in der NFL mit Rekorden und Skandalen tritt Quarterback-Legende Brett Favre nun "endgültig" von der Bühne ab.

München - Brett Favre stand regungslos an der Seitenlinie, die Kappe tief ins Gesicht gezogen und die mächtigen Arme vor der Brust verschränkt, bevor er lostrabte.

Der 41-Jährige verließ trotz Gehirnerschütterung so schnell er konnte den Innenraum des Ford Fields, verfolgt von einer Heerschar Fotografen, nachdem seine Minnesota Vikings auch das letzte Saisonspiel bei den Detroit Lions 13:20 verloren hatten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Am Ende einer völlig verkorksten Spielzeit und nach 20 Jahren in der Knochenmühle NFL war es der bittere Abschied des wohl härtesten Quarterbacks in der Geschichte der NFL.

Der endgültige Abschied

"Es ist Zeit zu gehen, und es ist okay. Das war's", sagte der 100 Kilogramm schwere und 1,88 Meter große Athlet, der keinen Zweifel ließ, dass er es diesmal ernst meinte.

Zweimal, 2008 bei den Green Bay Packers und 2009 bei den New York Jets, hatte Favre seinen Abschied schon angekündigt und dann doch noch eine bzw. zwei Saisons drangehängt. Die letzte war seiner nicht würdig.

Eine anrüchige Handy-Affäre, das Ende seiner Rekordserie nach 297 Spielen in Folge in der Anfangsformation eines NFL-Teams und der sportliche Absturz mit den hochgewetteten Vikings bestimmten die Schlagzeilen.

Geschmacklose Handyaffäre schadet seinem Image

"Ich bereue nichts, und ich kenne nicht viele Spieler, die gehen und das sagen können", meinte Favre: "Es wird Leute geben, die sagen werden, es sei eine Schande, so zu gehen. Aber ein Spiel, eine Saison definiert mich nicht."

Wegen einer Gehirnerschütterung war ihm ein Abschiedsauftritt in Detroit verwehrt geblieben, das unrühmliche Ende passte ins Bild. Mit ihrem Star-Quarterback, der die schlechteste Pass-Bilanz seiner Karriere ablieferte, verfehlten die Vikings klar die Playoffs.

Weil er einer Journalistin per SMS Fotos von seinem Geschlechtsteil geschickt haben soll, führte die Liga im vergangenen Herbst eine Untersuchung gegen den Superstar. Favre verweigerte die Kooperation und musste 50.000 Dollar Strafe zahlen.

Die Vorwürfe reißen nicht ab

Auch nach dem enttäuschenden Ende seiner Karriere reißen die Negativschlagzeilen nicht ab: zwei ehemalige Team-Physiotherapeutinnen der New York Jets haben Klage gegen den 41-Jährigen und dessen ehemaligen Verein eingereicht.

Christina Scavo und Shannon O'Toole verloren laut eigener Aussage ihre Teilzeitjobs bei dem NFL-Klub, nachdem sie sexuelle Avancen von Favre abgewiesen hatten.

Beide klagen nun auf Ausgleichszahlungen in nicht genannter Höhe sowie die Möglichkeit, wieder für die Jets zu arbeiten. Sie behaupteten, 2008 anzügliche E-Mails von Favre erhalten zu haben.

Nach einer telefonischen Beschwerde des Ehemanns von Scavo bei dem Quarterback seien beide von den Jets nicht mehr beauftragt worden.

Super-Bowl-Erfolg und Skandale

Das Saubermann-Image des verheirateten Vorzeige-Stars, das ihm unter anderem einen Auftritt an der Seite von Cameron Diaz und Ben Stiller in der Hollywood-Kultkomödie "Verrückt nach Mary" verschafft hatte, litt nachhaltig.

Überwiegen werden dennoch die Erinnerungen an sportliche Glanzleistungen.

1991 gab er sein NFL-Debüt bei den Atlanta Falcons und krönte seine Laufbahn 1997 bei den Green Bay Packers mit dem Super-Bowl-Triumph über die New England Patriots.

Drei Ehrungen zum "wertvollsten Spieler" der Liga und Rekorden in allen maßgeblichen Pass-Statistiken steht auch eine vorübergehende Abhängigkeit von Schmerzmitteln gegenüber.

Sein Vertreter zollt Quarterback-Legende Respekt

Fast jeder Knochen, jedes Band in seinem Körper hatten in den vergangenen zwei Jahrzehnten Warnsignale gesendet. Doch Favre wollte nicht hören. Er konnte es nicht. Sein unbändiger Ehrgeiz trieb ihn immer wieder an.

80 Minuten vor dem Kick-off in Detroit gaben die Vikings bekannt, dass der "Ironman" nicht spielen und erneut Joe Webb zum Einsatz kommen würde.

Favres Vertreter war es dann, der dem scheidenden Superstar die wärmsten Worte hinterherschickte: "Er hat das Spiel noch mit 41 gespielt, aber er wird es bis in den Tod lieben."

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