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Pete Carroll (r.) zog bereits 1997 mit den New England Patriots in die Playoffs ein © getty

Novum in der NFL: Seattle erreicht trotz negativer Bilanz die K.o.-Runde. Eine Schiedsrichterentscheidung hilft den Seahawks.

Von Björn Seitner und Rainer Nachtwey

München/Seattle - Die New England Patriots können nur zu gut verstehen, wie sich die New York Giants derzeit fühlen.

2008 kamen die Patriots trotz des Kreuzbandrisses von Star-Quarterback Tom Brady auf eine Bilanz von 11 Siegen und nur 5 Niederlagen. Hinter den Miami Dolphins belegten sie Rang zwei in der AFC East.

Zu einer Playoff-Teilnahme reichte es für den NFL-Vizemeister des Vorjahres dennoch nicht.

Trotz dieser außergewöhnlichen guten Bilanz waren die Patriots in der American Football Conference das sechstbeste Team - und viel wichtiger: nur der drittbeste Zweite.

Statt New England zogen die San Diego Chargers in Wildcard-Playoffs ein. Mit nur acht Siegen bei acht Niederlagen. Aber die Kalifornier waren AFC-West-Champion.

New York scheitert als Sechster

Das gleiche Schicksal erlebten nun die New York Giants. Als sechstbestes Team der NFC reichte es nicht für den Einzug in die K.o.-Runde.

"Das ist der traurigste Sieg den ich je erlebt habe", befand New Yorks Defensive Tackle Barry Cofield nach dem zehnten Saisonerfolg über die Washington Redskins.

Stattdessen darf sich Seattle über das Weiterkommen freuen - das 16:6 über die St. Louis Rams feierten die Seahawks wie den Gewinn des Super Bowls. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Carroll findets "ziemlich cool"

Allerdings hat das Team von Coach Pete Carroll nur sieben Spiele gewonnen und neun verloren.

Der Playoff-Einzug als Achter der National Football Conference mit negativer Bilanz. So etwas gab es in der NFL zuvor noch nie.

Carroll findet diese Tatsache jedoch "ziemlich cool".

Schlechteste Rushing-Yard-Statistik

Der 59-Jährige ist erst der 27. Trainer, der zwei verschiedene Teams in die Playoffs führte (1997 mit den New England Patriots).

Die Satistiken sprechen allerdings deutlich gegen die Seahawks.

In Sachen Raumgewinn stellte sein Team die schlechteste Offensive der Liga, kein Klub kam auf weniger Yards (1424).

Fast wäre sogar der Negativklubrekord von nur 1392 Yards aus der Saison von 1989 unterboten worden.

Auch in der Passstatistik (3341 Yards) war Seattle insgesamt schlechter als seine Gegner (3994) der regulären Saison.

Carrol schert sich um nichts

Doch Regeln sind nun einmal Regeln, und die Seahawks spielten zwar eine schwache Saison, holten aber eben den Titel der NFC West.

"Das System ist nun einmal so. Ich schere mich nicht darum", sagte Carroll trotzig.

Und weiter: "Ich bin stolz auf mein Team, weil wir nach vielen schlechten Spielen zusammengehalten haben und an diesem Abend eben alles geklappt hat."

Guter Saisonstart

"Wir müssen uns dafür nicht entschuldigen, dass wir in den Playoffs stehen", sagte Safety Lawyer Milloy dazu: "Der einfachste Weg weiterzukommen, ist die Division zu gewinnen. Das haben wir gemacht, Punkt aus."

Die Seahawks hatten unter Carroll, der das Team erst zu Beginn der Saison übernahm, immerhin einen furiosen Start in die Saison hingelegt.

Vier der ersten sechs Spiele hatte Seattle gewonnen.

Fehlentscheidung der Referees

Beim Sieg gegen die Rams hatte das Carroll-Team allerdings auch eine entscheidende Portion Glück.

Mitte des letzten Viertels beim Stand von 13:6 - ein Touchdown hätte den Rams zum Ausgleich gereicht - sorgte eine rätselhafte Schiedsrichterentscheidung für Ärger.

Die Seahawks bekamen nach ihrem zweiten Versuch ein neues First Down, obwohl sie die First-Down-Markierung ganz offensichtlich nicht erreicht hatten.

St. Louis focht die Entscheidung jedoch nicht an, und Seattle machte mit einem 34-Yard-Field-Goal den Sack zu.

Duell mit den Saints

Nun ist die Vorfreude in Seattle auf das Playoff-Duell mit Titelverteidiger New Orleans Saints riesig.

Auch wenn der ein oder andere schon etwas zu weit denkt.

Mit einem Augenzwinkern sagte Running Back Leon Washington: "Sollten wir den Super Bowl gewinnen, wird es wohl etwas länger dauern, bis wir das verstehen., Aber es ist unser Ziel."

Quote im Keller

Außer den Seahawks selbst scheint aber niemand mit einem Triumphzug Seattles zu rechnen. Nachdem die Saints als Gegner feststanden, sank die Wettquote für einen Super Bowl der Seahawks auf 1:125.

Bei allen anderen elf Teams ist die Quote nicht niedriger als 1:25.

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