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Jay Cutler spielte am College für die Vanderbilt University in Nashville © getty

Chicagos Spielmacher ist nach seinem Aus im NFC-Finale einer Welle von Beleidigungen ausgesetzt. Die Gründe sind vielschichtig.

Von Eric Böhm

München/Chicago - Chicago hat gemeinhin den Ruf nicht zimperlich mit seinen Sportlern umzugehen.

Speziell der Starting Quarterback der Chicago Bears steht seit den Tagen von Legende Jim McMahon unter besonderer Beobachtung.

Trotzdem waren die Prügel, die Jay Cutler von Fans und anderen Profisportlern einstecken musste, schon extremer Natur. (DATENCENTER: Die Conference Championships)

Der Spielmacher war bei der Niederlage im Championship Game der NFC gegen die Green Bay Packers mit einer Knieverletzung vorzeitig ausgeschieden. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

"Super-Jay" wird zum Buhmann

Noch eine Woche zuvor stellte Cutler gegen die Seattle Seahawks einen Playoff-Rekord des legendären Otto Graham ein.

Daraufhin befanden sich die Bears im Freudentaumel und ganz Chicago lag "Super-Jay" zu Füßen.

Doch die "Windy City" trägt ihren Namen nicht umsonst. Denn nach dem Aus gegen den Erzrivalen wehte ihm der Wind stärker als jemals zuvor ins Gesicht.

Harsche Fan-Reaktionen nach einem bitteren Ausscheiden sind ja nichts ungewöhnliches, aber solche Reaktionen anderer Sportgrößen überraschten dann doch.

Twitter sei Dank

Im Twitter-Zeitalter muss man sich an Reaktionen, wie jene von Jacksonvilles Running Back Maurice Jones-Drew wohl gewöhnen.

"Ich meine er hätte das Spiel mit einem verletzten Knie beenden können. Ich habe eine ganze Saison verletzt gespielt", zwitscherte Jones-Drew.

Tampa Bays Linebacker Derrick Brooks ging noch weiter: "Ich würde notfalls über das Feld kriechen, aber für einen Spieler ohne Herz und Mut gibt es keine Medizin." Andere NFL-Spieler äußerten sich ähnlich.

Cutler der Sündenbock

Speziell in Chicago muss Cutler seit seiner Ankunft aus Denver 2009 immer wieder als Sündenbock herhalten.

Sein desatröses erstes Jahr mit 26 Interceptions steckt offenbar immer noch in den Hinterköpfen, obwohl sich der 27-Jährige in dieser Saison erheblich steigerte.

"Viele Leute stellen seine Toughness in Frage. Ich sage nur, er ist kein Eishockeyspieler", meldete sich sogar die ehemalige Blackhawks-Legende Jeremy Roenick zu Wort.

Die traditionell großen Erwartungen und die fast schon religiöse Verherrlichung der Meistermannschaft von 1985 spielen sicher eine nicht unwichtige Rolle.

Ditka meldet sich zu Wort

Der damalige Trainer Mike Ditka, die heilige Kuh der Bears-Fans, goss mit seinen Bemerkungen zusätzlich Öl ins Feuer.

"Ich kann nicht für ihn sprechen, aber ich hätte schon gelähmt sein müssen, um dieses Spiel zu verlassen", sagte Ditka.

Verletzung war echt

Inzwischen ist klar, dass Cutler sich eine schwere Innenbandzerrung zuzog. Doch den Ruf als Weichei wird er so schnell nicht los werden.

Immerhin stärkten ihm seine Teamkollegen kollektiv den Rücken.

"Das ist nur Neid und Hass. Er ist eine großartiger Quarterback und einer der härtesten Spieler im Team", meinte stellvertretend Receiver Earl Bennett.

Auch Grossman musste gehen

Dennoch ist eine Wiederholung der Rex-Grossman-Saga nicht ausgeschlossen.

Der Spielmacher führte die Bears vor vier Jahren sogar in den Super Bowl, ehe ihm die Niederlage gegen Peytons Mannings Indianapolis Colts angelastet wurde.

Grossman wurde wenig später mit Schimpf und Schande aus der Stadt gejagt und ist heute Ersatzmann bei den Washington Redskins.

Zukunft ist offen

Diesmal scheinen die Verantwortlichen jedenfalls hinter ihrem talentierten Spielmacher zu stehen.

"Diese Stadt ist nun mal sehr hart zu Quarterbacks. Ich glaube dennoch, dass Jay mit der Situation hier sehr gut umgeht", sprach ihm Manager Jerry Angelo sein Vertrauen aus.

Nach dieser öffentlichen Debatte ist Cutlers Zukunft in Chicago jedoch fraglicher denn je, obwohl sein Vertrag noch bis 2013 läuft.

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