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DeMaurice Smith (r.) ist seit dem 16. März 2009 Chef der NFLPA © getty

Super Bowl XLV elektrisiert die Massen, doch was passiert nach der großen Party? Ein Arbeitskampf bedroht die kommende Saison.

München/New York - Hier ein Psychospielchen, dort ein versteckter Kniff. Wenn es in der NFL ums Ganze geht, ist erlaubt, was nicht verboten ist.

Doch nicht Super Bowl XLV raubt den Fans derzeit den Atem. Das Spiel zwischen Rekordmeister Pittsburgh Steelers und den Green Bay Packers (So., ab 0 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und Mo., ab 16.30 Uhr im TV auf SPORT1) ist nicht mehr als der Prolog zu einem Drama mit unbekanntem Ende.

Sollten sich Liga und Spielergewerkschaft bis zum 3. März nicht auf einen neuen Arbeitsvertrag einigen, könnte es am kommenden Sonntag in Arlington zum vorerst letzten Mal auf dem Feld zur Sache gehen. Der Ausfall der kommenden Saison droht. (DATENCENTER: Super Bowl XLV)

"Wir befinden uns im Krieg", poltert DeMaurice Smith und versucht, das ganze Dilemma mit martialischen Worten auf den Punkt zu bringen. Der Chef der Spielergewerkschaft NFLPA führt in den Verhandlungen für rund 2000 Profis das Wort. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Besitzer wollen mehr Geld

Es geht ums liebe Geld. Rund neun Milliarden Dollar nimmt die Liga pro Saison ein. Bisher gingen rund 60 Prozent davon an Tom Brady, Peyton Manning, Ben Roethlisberger und Co., der Liga und den 32 Klubbesitzern ist das zu viel.

Angeführt von NFL-Boss Roger Goodell wollen die Eigentümer künftig zunächst selbst 18 Prozent der Einnahmen einstreichen, um ihre Ausgaben zu decken und neue Stadien zu bauen. Die Spieler sollen dann 60 Prozent vom noch verbleibenden Geld erhalten.

Um den Topf der Erträge zu vergrößern, könnte die reguläre Saison von 16 auf 18 Spiele verlängert werden. Am Gehalt der Profis würde sich also nichts ändern, argumentiert die Liga.

Am Salär nicht, wohl aber an den Arbeitszeiten, kontern die Profis. Doch die NFL will nicht klein beigeben. Sollte man sich nicht einigen, würde man die Spieler vorerst ausschließen.

Imageschaden wäre imens

Kurz zusammengefasst hieße das: Kein Einkommen für die Profis, kein Football für die Fans. Die Klubbesitzer können sich hingegen fast zurücklehnen. Der TV-Vertrag garantiert ihnen jährliche Einnahmen in Milliardenhöhe - egal, ob gespielt wird oder nicht.

Der Imageschaden wäre jedoch immens. Derzeit ist die NFL die beliebteste Liga der USA. Um etwas zu mögen, muss man es jedoch auch sehen, fühlen, mitverfolgen können.

Ein ganz so komfortables Ruhekissen ist der TV-Deal zudem auch für die Klubeigentümer nicht: Sollte der Lockout bis zum Start der neuen Saison im kommenden September andauern, gingen der Liga pro Spieltag insgesamt rund 400 Millionen Dollar verloren.

Spieler fordern Schutz

Argumente für eine zeitnahe Einigung gibt es also genug. Doch die Fronten sind verhärtet. Gewerkschafts-Boss Smith appellierte bereits an die Spieler, ihr Geld zusammenzuhalten. Gerade für ältere Profis könnte ein Jahr ohne Football mit dem Karriereende gleichbedeutend sein.

Außerdem fordern die Spieler einen besseren Schutz. Bisher können verletzte Spieler relativ problemlos von ihrem bisherigen Arbeitgeber entlassen werden.

"Ein Football-Feld ist kein normaler Arbeitsplatz. Die Spieler können nicht allein das Risiko tragen", meinte Clevelands Linebacker Scott Fujita.

Goodell plant Gehaltsverzicht

Wie lange die Profis wirklich auf ihrem Standpunkt beharren, scheint fraglich. Einige Spieler wenden sich bereits von der NFLPA ab.

Im NFL-Hauptquartier gibt man sich derweil entspannt. "Wir sind bereit, alles für eine Einigung zu tun", gibt Goodell vor: "Wenn diese nicht zustande kommt, werde ich mein Gehalt auf einen Dollar reduzieren."

Der NFL-Boss verdient zehn Millionen Dollar im Jahr und scheint sich seiner Sache sicher zu sein.

Die NFLPA betreibt derweil schon Lobbyarbeit vor dem US-Kongress, um die Politik im Fall der Fälle als Schlichter auf ihrer Seite zu wissen.

Fans können nur hoffen

Die Fans können das Geschacher nur tatenlos verfolgen, der Super Bowl ist vielleicht ihr vorerst letzter Feiertag. Gespielt wird im 2009 eröffneten Cowboys Stadium. Der Preis für die Arena: 1,2 Milliarden Dollar.

Ob die heimischen Dallas Cowboys dort im nächsten Jahr überhaupt antreten scheint fraglicher denn je.

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