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Die Fans der Pittsburgh Steelers schwenken ihre "Terrible Towels" © getty

Premieren-Fieber, Tradition, verrückte Fans: Das Duell Steelers - Packers hat alle Zutaten für einen Hit - außer Cheerleadern.

Von Eric Böhm

München - Darauf haben NFL-Fans lange warten müssen.

Wenn die Pittsburgh Steelers am Sonntag in Super Bowl XLV auf die Green Bay Packers treffen (So., ab 0 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und Mo., ab 16.30 Uhr im TV auf SPORT1), ist der Begriff Traditionsduell eine kolossale Untertreibung. (DATENCENTER: Super Bowl XLV)

Schließlich treffen nicht nur zwei der beliebtesten Mannschaften aufeinander, es sind auch die beiden erfolgreichsten Teams der aller Zeiten.

Der Schwergewichtskampf zwischen "Titletown USA" und der "City of Champions" findet zudem erstmals im Super Bowl statt. Dabei weisen die Kontrahenten einige Gemeinsamkeiten auf. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

"Green Bay ist einmalig"

Lange Zeit galt Green Bay als die Hauptstadt des Football. Schließlich holten die Packers insgesamt zwölf Meisterschaften für die kleine Provinzstadt in Wisconsin.

Sie gewannen die ersten beiden Super Bowls und ihr legendärer Coach Vince Lombardi gab der Trophäe ihren Namen.

"Nirgends ist es wie in Green Bay. In einer Stadt mit 100.000 Einwohnern gibt es eine generationenübergreifende Warteliste für Eintrittskarten. Das ist einmalig", sagt Defensive Coordinator Dom Capers.

Capers weiß wovon er spricht. Denn er arbeitete von 1992 bis 1994 auch für die Steelers unter Head Coach Bill Cowher.

Show ist zweitrangig

Pittsburgh hat den Ruf einer klassischen Arbeiterstadt ebenfalls nicht zu unrecht.

Keines der beiden Teams hat seine Trikots über die Jahre entscheidend verändert. Es gibt kein überdachtes Stadion oder professionelle Cheerleader. Die NFL-typische Show spielt bei beiden Teams nur eine untergeordnete Rolle.

"Es sind zwei alteingesessene NFL-Teams. Beide Fanlager sind sehr leidenschaftlich. Eigentlich sollten die Anhänger gegeneinander antreten. Das wäre ein Spektakel", meint der frühere Packers-Linebacker David Robinson.

Steelers Team der 70er

Wenn die Packers das Team der 60er waren, dann schwangen sich die Steelers zum Team der 70er auf.

Allein vier der insgesamt sechs Super Bowls gewann das Team aus der "Stahlstadt" zwischen 1975 und 1980.

"Green Bay ist einzigartig, aber zu den Steelers gibt es keinen Vergleich. Es ist eine andere Welt", sagte der frühere Steelers-Tackle Tunch Ilkin der "Pittsburgh Post-Gazette."

Pittsburgh erfolgreicher

Auch in der jüngeren Vergangenheit hat Pittsburgh deutlich die Oberhand.

Green Bay holte den letzten Titel 1997 mit dem legendären Brett Favre, stand aber ein Jahr später zum bis dato letzten Mal im Finale.

Die Steelers um Quarterback Ben Roethlisberger könnten dagegen bereits ihren dritten Super Bowl seit 2006 feiern.

Packers mit besonderer Aura

Ein Unterschied, der über die reinen sportlichen Erfolge hinausgeht, ist jedoch die besondere Aura der Packers.

Es ist das einzige Sportteam in Amerika, das vollständig den Einwohnern von Green Bay gehört. Die Anteilseigner machen keinen Profit, sie wollen einfach ihr Team unterstützen.

Insgesamt viermal retteten sie ihre Packers vor der Pleite, zum letzten Mal 1997, sie halten jährliche Meetings ab und lassen sich umfassend informieren.

Hier nehmen die Fans tatsächlich Einfluss auf die Geschicke und beschränken sich nicht wie die Steelers-Fans darauf im Stadion Krach zu machen oder die "Terrible Towels" ("Handtücher des Schreckens") zu schwenken - auf welche die Packers-Fans übrigens schon mit der Produktion von "Titletown Towels" gekontert haben.

Wer ist "America's Team"?

Dabei könnte der Rahmen für dieses epische Duell um die Lombardi-Trophäe nicht besser gewählt sein.

Denn die Dallas Cowboys werden zwar "America's Team" genannt, die beiden wahren uramerikanischen Teams treten aber am Sonntag auf dem Feld der Cowboys gegeneinander an.

Denn Packers und Steelers pflegen ihre Traditionen trotz der weiter zunehmenden Kommerzialisierung der NFL und nehmen gerade deshalb eine Sonderstellung ein.

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