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Die Green Bay Packers sind mit jetzt 13 Titeln der Rekordmeister der NFL © getty

Green Bay holt den Super Bowl. Es ist die Geschichte einer Kleinstadt im Ausnahmezustand und der Begegnung mit der Vergangenheit.

München - Quarterback Aaron Rodgers hüpfte ausgelassen die Außenlinie entlang, auf die tränennassen Wangen der Teamkollegen legte sich der Konfettiregen und in der Heimat der Green Bay Packers wurde die Nacht zum Tag gemacht.

Nach dem 31:25-Sieg in Super Bowl XLV gegen die Pittsburgh Steelers schwappte das grün-gold-weiße Jubelmeer vom Spielort Dallas bis in den US-Bundesstaat Wisconsin. 347870(DIASHOW: Die Bilder des Super Bowl)

Die 14-jährige Durststrecke ohne Titelgewinn war beendet. "Titletown USA" erstrahlt in neuem Glanz.

"Die Vince Lombardi Trophy kommt endlich wieder nach Hause", brüllte Packers-Coach Mike McCarthy und streckte den Pokal für den Champion der NFL in die Höhe. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Lombardi und McCarthy

Der Namensgeber der Trophäe hatte Green Bay 1967 im ersten Super Bowl überhaupt zum Triumph geführt. Ein Jahr später ließ Lombardi den zweiten Titel folgen.

Er ist eine Legende. Bei den Packers vielleicht noch mehr als das. Seine Fußstapfen reichen von einer Ortsgrenze bis zur anderen.

McCarthy wird nun immerhin in einem Atemzug mit dem 1970 verstorbenen Coach genannt. Dank Rodgers: Der Quarterback spielte gegen die Steelers groß auf. Unbekümmert, konzentriert, effizient.

Mit drei Touchdown-Pässen erledigte der 27-Jährige Pittsburgh fast im Alleingang. Der große Schatten seines Vorgängers Brett Favre ist endgültig weggeblendet. Als Krönung gab es für ihn den MVP-Titel. (DATENCENTER: Super Bowl XLV)

In Green Bay wird getanzt

"Wir haben gerade den Super Bowl gewonnen", stammelte Rodgers nach dem Triumph und schien seine Worte noch im Nachhall auf deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen: "Davon habe ich schon als Kind immer geträumt. Jetzt bin ich auf dem Gipfel angekommen."

Es gab keine Widerworte. Während der Spielmacher nach dem insgesamt vierten Super-Bowl-Sieg der Packers noch um Fassung rang, wurde auf den Straßen und in den Kneipen von Green Bay getanzt.

Erwachsene Männer lagen sich weinend in den Armen, die Stimmen von Frauen mittleren Alters schlugen Purzelbäume. "

"Go Pack go", hallte es von der Washington Street im Stadtzentrum bis zum gut fünf Kilometer entfernten Parkplatz des heimischen Lambeau Fields. Immer wieder mischten sich Autohupen in den dröhnenden Klangteppich.

Packers sind Heiligtum

Die "Green Bay Press Gazette" verkündete die frohe Botschaft noch in der Nacht mit einer Sonderausgabe. "Weltmeister", stand auf der Titelseite. Kleine Stadt ganz groß.

Nur 100.000 Einwohner zählt die Gemeinde im Osten von Wisconsin. Man ist der kleinste NFL-Standort. Die aufregendste Sehenswürdigkeit ist noch das Eisenbahn-Museum.

Es gibt ein betonklotzartiges Rathaus, viel Gegend und Football. Die Packers sind kein normales Team. Sie sind das städtische Heiligtum. Andernorts geht es um Profite. In Green Bay geht es auch um Stolz.

Bei den Packers gibt es keinen milliardenschweren Klubeigentümer. Rund 112.000 Fans halten die Vereinsanteile. Es scheint wie ein Stück heile Welt.

Arbeitskampf weit weg

Dass Green Bay ausgerechnet jetzt den ersten Super Bowl seit 14 Jahren gewann, wirkt da fast ein wenig putzig. Momentan streiten NFL und Spielergewerkschaft um Millionen und einen neuen Arbeitsvertrag.

Sollte bis zum 3. März keine Einigung getroffen werden, könnte gar der Ausfall der kommenden Saison drohen. In Green Bay ist das alles weit weg. Gerade jetzt. Die Gegenwart soll ewig dauern. Es gibt Helden zu feiern.

Steelers lecken Wunden

Im rund 1000 Kilometer entfernten Pittsburgh leckt man derweil seine Wunden. Der siebte Titel der Vereinsgeschichte war zum Greifen nah, am Ende jedoch unerreichbar. Der Abend begann schlecht, und er hörte noch schlechter auf.

Steelers-Quarterback Ben Roethlisberger warf schon vor der Halbzeit zwei Pässe in die Arme von Packers-Verteidigern. Die zwischenzeitliche Aufholjagd des Rekordmeisters war vergebliche Mühe.

"Ich habe die Stadt, die Trainer und meine Teamkameraden hängen lassen. Wenn ich nur ein wenig besser gewesen wäre, hätten wir gewonnen", sagte der am Boden zerstörte Roethlisberger.

Für ihn war die Gegenwart nur ein Moment. Dieser soll schnell Vergangenheit werden.

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