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In überlebensgroß: Steelers-QB Roethlis- burger, dem zwei Interceptions unterliefen © getty

Der Super Bowl - ein Event der Superlative. Die XVL-Edition setzt neue Maßstäbe - inklusive Preis-Wahnsinn und Promi-Schaulaufen.

Von Alexander Wölffing

Dallas - Wann waren Sie eigentlich zum letzten Mal im Kino?

Die über 103.000 Besucher des 45. Super Bowls (oder XLV wie die Lateinschüler unter den NFL-Marketing-Strategen sagen) waren es Sonntag Abend im kuscheligen Arlington nahe Dallas/Texas - und das auch noch gemeinsam. 347870(DIASHOW: Die Bilder des Super Bowl)

In jeder Hinsicht ein Rekord: Zwar wurde die Bestmarke mit den meisten Zuschauern knapp verfehlt, dafür aber das größte gemeinsame Kinoerlebnis aller Zeiten. Denn ein Besuch im neuen Cowboys-Stadium ähnelt dem schon sehr. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Diese unfassbare Videokonstruktion mit vier Leinwänden in HD-Qualität und dem THX-Sound ist so groß wie ein siebenstöckiges Hochhaus. Es gibt keine Szene, die die Zuschauer nicht messerscharf auf der Leinwand mitverfolgen können - für den gestressten Rücken sogar auf Augenhöhe.

Eine andere Welt

Es ist einfach eine andere Welt: Die Medien befinden sich im Ausnahmezustand - jede Berichterstattung in Deutschland vor einem Fußball-WM-Finale oder einem Champions-League-Finale selbst mit dem FC Bayern ist eher eine mediale Randnotiz.

Die Zeitungen liefern täglich mehrere Sonderseiten und kreieren die schönsten Wortspiele: Die Pittsburgh Steelers, die bislang sechs mal den Super Bowl gewannen, waren auf dem "stairway to seven".

Marktforscher wissen zu berichten, dass die Fans der Steelers (die im Stadion ihre schreckliche gelben Handtücher schwenken) zu 56 % lieber belgisches Bier trinken als die Fans des Gegners, der nicht minder berühmten Green Bay Packers. (DATENCENTER: Super Bowl XLV)

Deren Fans (das sind die mit den Käsestücken am Kopf, weil sie aus dem käseproduzierenden Bundesstaat Wisconsin kommen) gucken dafür 1,5 Mal so oft freitags abends Late Night Shows.

Rekordquote

Aber die Nation saugt jede Information dankend auf.

Über 106 Millionen Amerikaner sind an den TV-Geräten dabei, ebenso ein Rekord wie die selbst in Deutschland bekannten 3 Millionen Dollar, die der Sender "FOX" pro 30-sekündigem Werbespot kassiert.

Aber wohl ein angemessener Preis, den immerhin 60 Prozent der Amerikaner gucken ihren Super Bowl im Fernsehen lieber mit den neuesten Werbebotschaften als ohne. Gleich vier deutsche Automobil-Konzerne beteiligten sich an diesem Schauspiel.

Peinliche Ticketpanne

Eine ganz besondere Art des Public Viewings gibt es hier natürlich auch: Für 200 Dollar konnte man Tickets für den Außenbereich des Stadions kaufen. Dort erlebten 5000 Fans dann das Spiel auf - na sagen wir - vergleichsweise normalen Leinwänden.

Die große Ausnahme waren 450 Zuschauer, die so ziemlich als einzige mit Gewinn nach Hause kamen: Sie hatten Tickets für die Tribünen gekauft, diese wurden aber nicht rechtzeitig fertig.

Da dies kurzfristig öffentlich wurde, musste die NFL sich großzügig zeigen: Jedes Ticket wurde dreifach zurück erstattet ? bei 900 $ regulärem Preis ergibt sich ein stolzer Aufschlag.

Teures Vergnügen

Super Bowl ist für den großen Rest auch der teuerste Kinobesuch aller Zeiten.

Die Tickets kosten (offiziell) durchschnittlich 1.200 Dollar - auf dem Schwarzmarkt wechselten wohl einzelne Karten für fast 5.000 Dollar den Besitzer.

Anwohner vermieteten ihre Einfahrt für den Sonntagnachmittag für 100 Dollar. Selbst der 30 Gehminuten vom Stadion entfernte Parkplatz kostete 120 Dollar. (also ein Stellplatz, nicht der gesamte Parkplatz).

Stars und Sternchen

Aber wenn man das alles absolviert hat, ja dann erlebt man eben den Super Bowl wie man ihn sich so vorstellt: Michael Douglas, Cameron Diaz und Demi Moore huschen vorbei. Alle 103.000 sehen ein fantastisches Spiel.

Nach über dreieinhalb Stunden gewinnen die Green Bay Packers 31:25 ihren 4. Titel; die nach Vince Lombardi - dem Packers-Coach der Super-Bowl-Siege I und II - benannte Trophäe kehrt wieder nach Hause zurück.

Und das nach einem sehr dramatischen Spielverlauf. Trotz 21:3-Führung wurde es noch einmal richtig eng ? die Pittsburgh Steelers feiern in der zweiten Hälfte ein großes Comeback.

Comeback misslingt

Entweder angestachelt durch die großartige Halftimeshow der Black Eyed Peas oder durch ihre nun aus den Kinositzen erwachten Fans.

Bis auf 25:28 kommen sie heran, ehe auf der Mega-Leinwand Hütchenspiele unterhalten sollen und der Musikchef direkt von DJ Ötzi auf Metallica umschwenkt.

Da konnte sich dann auch Steelers-Quaterback Ben Roethlisberger (ja, er hat wirklich Schweizer Vorfahren) nicht mehr konzentrieren und scheiterte beim letzten Angriff. Das ganze große Epos blieb also aus.

Dennoch: Super Bowl XLV war kein Käse, sondern wirklich ganz großes Kino!

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