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Star-Quarterback Tom Brady (l.) gehört zu den Hauptinitiatoren des Spielerprotests © getty

Die Besitzer sperren die Spieler aus und wettern über die Gewerkschaft. Die Gerichte müssen entscheiden. Der Schaden ist immens.

Von Eric Böhm

München/New York - Der Milliarden-Poker in der beliebtesten und profitabelsten US-Sportart hat bisher nur Verlierer hervorgebracht.

Am Samstagmorgen mitteleuropäischer Zeit wurde die Aussperrung der NFL-Profis durch die Teambesitzer offiziell.

Die beiden Parteien konnten sich an 16 Verhandlungstagen trotz wiederholt verlängerter Fristen nicht auf einen neuen Tarifvertrag einigen.

SPORT1 klärt die wichtigsten Fragen zum Lockout:

Was sind die Ursachen?

Der größte Streitpunkt ist das liebe Geld. Es geht um die Verteilung der rund neun Milliarden Dollar, welche die Liga Jahr für Jahr einnimmt. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Die Besitzer kassieren davon bisher eine Milliarde und 40 Prozent des restlichen Geldes, doch zu Beginn der Gespräche wollten sie eine Milliarde zusätzlich.

Zuletzt lagen die Kontrahenten offenbar noch 185 Millionen auseinander. Die Spielergewerkschaft (NFLPA) wollte aber ohne detaillierte Einnahmeaufstellungen der Teams keine weiteren Zugeständnisse machen.

"Die Liga behauptet, sie steht wirtschaftlich unter Druck und erwartet Vertrauen. Wenn wir aber Einsicht in ihre Bilanzen verlangen, heißt es, das ginge uns nichts an", schob Gewerkschaftsboss DeMaurice Smith der Liga den Schwarzen Peter zu.

Eine Verlängerung der regulären Saison von 16 auf 18 Partien hatten die Spieler mit gesundheitlichen Bedenken abgelehnt.

Insgesamt zehn Spieler, darunter die Star-Quarterbacks Tom Brady (New England Patriots) und Peyton Manning (Indianapolis Colts) reichten bei einem Gericht in Minnesota Klage wegen Monopolbildung zwischen NFL und Teams ein.

"Sie wollen eine Einigung verzögern. Wir wissen, die Fans wollen Football und sie werden Football bekommen", versuchte die Liga mit einem Statement Anhänger und Sponsoren gleichermaßen zu beruhigen.

Die Klage wird unter dem Titel "Brady vs. National Football League" in die Geschichte eingehen.

Was sind die Folgen?

Mit einer Entscheidung und der damit verbundenen neuerlichen Aufnahme der Gespräche wird frühestens Mitte April gerechnet.

Bis zur Einigung auf einen neuen Vertrag, inklusive Gehaltsobergrenze, liegen sämtliche Personalentscheidungen auf Eis. Gerade jetzt wäre normalerweise die Verpflichtung von Free Agents in vollem Gange.

Außerdem steht die NFL im Frühjahr traditionell in Verhandlungen mit ihren Werbepartnern, es drohen Verluste in Millionenhöhe.

Fest steht momentan nur, dass der Draft im April regulär durchgeführt wird. Die ausgewählten Spieler können allerdings nicht unter Vertrag genommen werden.

Sämtliche Trainingsaktivitäten der Teams liegen auf Eis.

Was droht darüber hinaus?

Im schlimmsten Fall droht der Ausfall einiger Spiele oder sogar der kompletten Saison 2011.

Das letzte Mal kam es 1987 zum Ausfall von NFL-Spielen. Damals engagierten die Teams Ersatzleute, Amateure sowie übergelaufene Profis und trugen Spiele aus.

Wesentlich schlimmer als der drohende wirtschaftliche Verlust ist jedoch für alle Beteiligten der immense Imageschaden.

Die Popularität der Liga befindet sich, ungeachtet eventueller finanzieller Schwierigkeiten einiger Besitzer, auf dem Höchststand.

Der Super Bowl zwischen den Green Bay Packers und Pittsburgh Steelers war die meistgesehene Sendung der amerikanischen Fernsehgeschichte. (DATENCENTER: Super Bowl XLV)

Wer hat Schuld?

"Es ist ein trauriger Tag für uns alle. Seit zwei Wochen hat sich die Gewerkschaft kein Stück bewegt", sagte der Besitzer der New York Giants John Mara.

Die Spieler sehen hingegen die Schuld bei der Liga, die 2008 mittels einer Option das jetzige Ende des Collective Bargaining Agreement (CBA) herbeigeführt hatte.

"Wir Spieler sind enttäuscht. Uns blieb jedoch keine Wahl. Sie haben vor zwei Jahren diese Situation herbeigeführt. Jetzt müssen die Gerichte entscheiden", meinte Damien Woody von den New York Jets.

Einige Teams kündigten bereits an, in den nächsten Wochen teils massive Gehaltskürzungen durchsetzen zu müssen. Entlassungen sollen möglichst vermieden werden.

NFL-Boss Roger Goodell machte sein Versprechen wahr und begnügt sich für die Zeit des Lockouts mit einem Dollar, sonst verdient er geschätzte zehn Millionen Dollar pro Jahr.

Auf den Commissioner kommt in den nächsten Wochen so oder so eine Herkulesaufgabe zu.

Denn die Fans werden traditionell eher die Spieler für den Streit verantwortlich machen. Doch Goodell muss am Ende die Scherben aufsammeln und das zerstörte Vertrauen zwischen Besitzern, Spielern sowie Zuschauern wieder aufbauen.

Ansonsten könnte dem amerikanischen Nationalsport ein Schaden entstehen, von dem er sich in Jahren nicht erholt.

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