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Drew Brees wurde 2001 als Zweitrunden-Draftpick von San Diego verpflichtet © getty

Nach dem Lockout und Klagen einiger Superstars verschärft sich der Ton. Dabei tut sich was im Streit um die zweite Milliarde.

Von Michael Spandern

München - Seit der erste Lockout in der NFL seit 1987 Fakt ist, versuchen sich Liga und Spieler den Schwarzen Peter zuzuschieben.

Der Ton verschärft sich, und zehn Profis haben die NFL-Oberen sogar verklagt - wegen konspirativer und wettbewerbsbehindernder Praktiken während der gescheiterten Verhandlungen um einen neuen Grundlagenvertrag. (Auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

In der Rückschau auf die letzte Runde am Freitag lässt Drew Brees nun seiner Enttäuschung freien Lauf: Am ultimativen Angebot der Teambesitzer sei "alles Show" gewesen.

Verfahren ab dem 6. April

Es habe "keinerlei Absicht, ein Geschäft zu machen", gegeben, meint der Star-Quarterback der New Orleans Saints. "Ihr Angebot hat sich nicht von dem unterschieden, was sie in den letzten Jahren, den letzten Monaten, den letzten Wochen angeboten haben."

Nun richten sich die Augen gen Minnesota, wo das auch von den Spielmachern Tom Brady (New England Patriots) und Peyton Manning (Indianapolis Colts) angestrengte Kartellverfahren am 6. April mit einer ersten Anhörung der Spieler eröffnet wird.

In den Händen einer Frau

Sollten diese Erfolg haben, müsste die NFL die Aussperrung wieder aufheben und den Spielbetrieb wie ursprünglich geplant aufnehmen. Voraussichtlich unter den Bedingungen des alten Tarifvertrags.

Der Streitfall aus der Liga der harten Männer liegt nun in den Händen einer Frau: Richterin Susan Richard Nelson.

Die ist quasi dritte Wahl, nachdem sich Richter Richard Kyle aus nicht genauer genannten Gründen zurückzog und Patrick Schiltz einen Interessenskonflikt geltend machte, da er in mehreren Fällen als Anwalt für die NFL arbeitet.

"Nichts als Fassade"

Der Frust sitzt schon jetzt tief: Kevin Mawae, Präsident der nun aufgelösten Spielergewerkschaft - wirft der Liga vor, "komplette Unwahrheiten und Lügen" zu verbreiten.

Er erneuerte die Beschwerde, dass die Klubs keine Einsicht in ihre Bilanzen gewähren und somit der Spielerseite in dem milliardenschweren Gehälterstreit kein Vertrauen entgegen brächten.

Das Angebot vom Freitag sei "nichts als Fassade" gewesen.

"Ehrlich überrascht" vom Entgegenkommen

Die Liga wehrt sich gegen den Vorwurf, ein Pseudo-Angebot abgegeben zu haben: Das Papier enthalte verschiedene neue Vorschläge, sagte ihr Verhandlungsführer und Leiter der Rechtsabteilung Jeff Pash der Nachrichtenagentur "ap".

Er sei "ehrlich überrascht, dass das Komitee der Teambesitzer ein so entgegenkommendes Angebot überhaupt unterstützt haben", behauptete Pash.

Auch hätten die Klubs eine Verlängerung des bis zum März gültigen Abkommens angeboten, aber seitens der Spieler sei dies "nicht ernsthaft diskutiert worden, weil sonnenklar war, dass sie daran nicht interessiert waren."

Was passiert mit der zweiten Milliarde?

"Wenn sie am Freitag sagen, dass sie auf keinen Fall länger als bis 16 Uhr diskutieren, fragt man sich doch: Wer zieht hier eine Show ab?", ätzt er.

Brees beklagt hingegen, dass das 20 Punkte und diverse Unterpunkte umfassende Schreiben erst am Verhandlungstag selbst übergeben worden sei und damit kaum Zeit zur Prüfung blieb: "Das scheint doch merkwürdig."

Hauptstreitpunkt ist nach wie vor die Verteilung der rund neun Milliarden Dollar, welche die Liga jährlich einnimmt.

Die Besitzer kassieren davon bisher eine Milliarde vorab, doch zu Beginn der Gespräche wollten sie eine Milliarde zusätzlich. Allerdings sei man hier einander näher gekommen, räumten beide Seiten ein.

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