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Donovan McNabb (l.) wurde 1999 von den Philadelphia Eagles an 2. Stelle gedraftet © getty

Zwar steht Donovan McNabb gegen Arizona wieder in der Eagles-Startaufstellung, ein Abschied aus Philly scheint sich jedoch anzubahnen.

Von Rainer Nachtwey

München/Philadelphia - Es war der Aufreger des 12. Spieltags: Donovan McNabb verfolgte mit versteinerter Miene und in einen Parka gehüllt die zweite Hälfte seiner Philadelphia Eagles bei den Baltimore Ravens von der Seitenlinie.

Dabei sah der Quarterback seine Mannschaft mit 7:36 (Spielbericht) untergehen.

Schon öfters nahm Coach Andy Reid seinen Starspieler aus der Partie, wenn dieser angeschlagen war.

Aber beim Spielstand von 7:10 und bei bester Gesundheit wirft die Entscheidung des Trainers Fragen auf.

Hirntod folgt Herztod

"Niemals", war McNabbs knappe Antwort auf die Frage, ob er denn schon einmal in so einer Situation ausgewechselt wurde, "aber das muss man hinnehmen."

Mit der Einwechslung des letztjährigen Rookies Kevin Kolb wollte Reid seine Mannschaft beleben, doch der Reanimationsversuch ging glatt in die Hose. Nach dem Hirntod zur Halbzeit folgte unter der Regie von Kolb der Herztod der Eagles, um in der Sprache der Mediziner zu bleiben.

Denn Kolb nutzte die Chance nicht, warf zwei Interceptions und kam nur auf 73 Yards Raumgewinn. McNabb hatte zuvor drei Turnover begangen und lediglich 59 Yards verbucht.

"Das war schon eine große Überraschung für mich, als Kevin eingewechselt wurde", sagte Tight End L.J. Smith. "Donovan weiß, dass er nicht gut gespielt hat und er hätte das auch sofort eingestanden. Aber seine Auswechslung war ein richtiger Schock."

McNabb startet gegen Cardinals

Der Schockzustand sollte bis zum Thanksgiving-Spiel in der Nacht auf Freitag (ab 18.30 Uhr LIVESCORES) abgeklungen sein, denn Reid wird gegen die Arizona Cardinals (Spielplan) wieder auf McNabb setzen.

Nach dem Spiel war sich der Coach jedoch noch nicht sicher, wem er den Vorzug geben würde. "Ich werde die Partie auswerten und dann entscheiden, was das Beste für die Partie am Donnerstag ist", war Reids Reaktion nach dem Spiel. Nun hat er sich doch dazu entschieden, McNabb den Vorzug vor Kolb zu geben.

Reid lässt McNabb Auswechslung ausrichten

Bisher hatten McNabb und Reid ein recht gutes Verhältnis. Doch seit Sonntag lässt es Raum für Spekulationen zu.

So verfolgte McNabb mehrere Meter entfernt von Reid die Partie, ohne mit seinem Coach ein Wort zu wechseln. Zuvor hatte er von der Entscheidung, dass er die zweite Hälfte nicht spielen werde, von seinem Quarterback-Coach Pat Shurmur erfahren.

"Ich weiß, ihr versucht alles Mögliche da hinein zu interpretieren", sagte McNabb, "aber mir wurde es mitgeteilt und Kevin hat dann gespielt."

Erst nach der Partie sprachen der Star-Quarterback und Reid über die Auswechslung. Details zu der Unterredung wollte McNabb nicht preisgeben. Er sagte nur so viel: "Ich hätte mich an seiner Stelle nicht ausgewechselt. Aber deshalb bin ich auch hier nicht der Trainer."

Konzentration auf das kommende Spiel

Seit der Demontage gibt es erste Anzeichen, dass die Zeit des Nummer-Zwei-Picks von 1999 nach zehn Jahren in Philadelphia dem Ende entgegen geht.

Bereits vor der Saison war spekuliert worden, ob die Eagles einen neuen Neuanfang mit Kolb wagen und den Quarterback traden könnten. Zudem wurde McNabb immer wieder mit seiner Heimatstadt Chicago und den Bears (Spielplan der Bears) in Verbindung gebracht.

Und McNabbs Äußerungen nach dem Spiel ließen einen ähnlichen Schluss zu. "Mich interessiert im Moment nicht meine Zeit, die ich bisher hier war oder noch hier sein werde. Im Moment zählt für mich einzig das kommende Spiel."

Dies hat sich vor einiger Zeit noch anders angehört, zumal er einen weiteren Satz nachschob, der die McNabb-Fans in Philly das Schlimmste befürchten lässt. "Ich beschäftige mich noch nicht mit der Zeit nach der Saison."

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