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Willie Brown wurde neunmal ins Allstar-Team der NFL gewählt © imago

Im SPORT1-Interview spricht der Ex-Super-Bowl-Gewinner über die Probleme der NFL und Nowitzkis Stellenwert in den USA.

Von Eric Böhm

München - Willie Brown ist eine Legende im amerikanischen Sport.

Der ehemalige Cornerback der Denver Broncos und Oakland Raiders gewann mit den Kaliforniern 1977 den Super Bowl und wurde sieben Jahre später in die "Hall of Fame" aufgenommen.

Auch als Coach prägte er die NFL, wurde als Assistenztrainer mit den Raiders zweimal Meister.

Im Interview mit SPORT1 spricht der heute 70-Jährige Brown über seine aktive Zeit, den Lockout, die neue NFL-Saison und Dirk Nowitzki.

SPORT1: Mr. Brown, Sie haben 16 Jahre in der NFL gespielt und sind dann gleich als Coach eingestiegen. Was hat sich seit ihrem Karriereende am meisten verändert?

Willie Brown: Was sich am meisten verändert hat, ist die Bezahlung. Die Spieler verdienen heute viel mehr als zu meiner Zeit. Außerdem wurden gerade die Regeln für Verteidiger über die Jahre deutlich verschärft. Als Passverteidiger darfst du den Receiver praktisch gar nicht mehr berühren.

SPORT1: Wünschen Sie sich manchmal, dass sie heute in der NFL spielen würden?

Brown: Nein. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Karriere. Ich könnte heutzutage auch nicht mehr erreichen als zu meiner Zeit. Es hat mir zu meiner Zeit wirklich Spaß gemacht.

SPORT1: Aber Sie hätten deutlich mehr Geld verdienen können?

Brown: Da haben sie natürlich recht. Aber das trifft auf meine Eltern auch zu. Die würden in ihrem Job heute auch mehr Geld verdienen. Der Markt bestimmt den Preis. Ich habe zu meiner Zeit gutes Geld verdient und gönne den heutigen Spielern ihre Gehälter.

SPORT1: Sie wurden 1984 in die Ruhmeshalle aufgenommen. Die "Sporting News" wählte Sie sogar unter die 50 besten Spieler aller Zeiten. Was bedeutet Ihnen diese Anerkennung?

Brown: Ich hatte viel Glück und wurde mit einer Begabung gesegnet. Trotzdem bleibe ich Willie Brown. Es ist auch eine Auszeichnung für meine damaligen Teamkollegen. Wenn es nicht so starke Raiders wie Art Shell oder Gene Upshaw gegeben hätte, wäre ich auch nicht so gut geworden. Ich hatte Glück für einen Teameigentümer wie Al Davis zu spielen. Damals gehörten die Raiders zu den besten Mannschaften.

SPORT1: Der Lockout bestimmte seit dem Frühjahr die Schlagzeilen. Kurz vor dem Start der Preseason einigten sich Spieler und Besitzer doch noch. Wer trägt die Schuld an der langen Hängepartie?

Brown: Es ist schwer zu sagen, wer die Hauptschuld trägt. Ich glaube, beide Seiten haben Fehler gemacht. Keiner wollte nachgeben. Aber alle brauchen Football. Es ging ja nicht nur um die Spieler. Rund um die NFL arbeiten viele Menschen, die ihre Jobs dringend brauchen.

SPORT1: Die NFL ist in Europa und speziell in Deutschland sehr populär. Halten Sie ein europäisches NFL-Team für möglich?

Brown: Das kann ich nicht sagen. Die Möglichkeit besteht sicherlich. Es könnte irgendwann ein oder zwei Teams geben. Die Frage wird sein, in welcher Stadt man das umsetzen könnte.

SPORT1: In Deutschland herrscht große Euphorie um den NBA-Titel für Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks. Haben Sie die Finals verfolgt?

Brown: Ja natürlich. Es war eine tolle Serie. Dirk ist einer der besten Spieler aller Zeiten. Sie haben es auf jeden Fall verdient. Als Außenseiter haben sie besser gespielt als Miami mit den vielen Superstars. Gerade Dirk hat unglaublich stark gespielt, als es darauf ankam. Im letzten Viertel hat er immer die Kontrolle übernommen.

SPORT1: Können Sie etwas über Nowitzkis Stellenwert in der amerikanischen Öffentlichkeit sagen?

Brown: Viele Leute wissen ihn nicht zu schätzen. In Dallas wissen sie, was sie an ihm haben, aber woanders wird er häufig etwas unterschätzt. In Amerika ist er keiner der ganz großen Namen, weil es hier viele Superstars gibt.

SPORT1: Die Raiders sind in Europa sehr beliebt. Sie haben sogar ein Schwesterteam in Österreich. Wie wichtig ist der internationale Zuspruch für die Raiders?

Brown: Das ist sehr wichtig. Nicht nur für die Raiders, sondern für die ganze Liga. Trotzdem sind die Raiders der globale Vorreiter. Wir sind auf der ganzen Welt präsent.

SPORT1: Die Oakland Raiders waren in den letzten Jahren nicht besonders erfolgreich. Sie arbeiten seit vielen Jahren im Trainerstab. Wo sehen Sie die Gründe?

Brown: Es hat sehr viel mit Free Agency zu tun. Viele Spieler kommen in die Liga, spielen irgendwo zwei Jahre und ziehen weiter. Du hast keine Zeit, Talente zu entwickeln. Coaches bekommen nicht mehr so viel Zeit wie früher. Jetzt sind wir auf einen guten Weg.

SPORT1: Was erwarten Sie von ihrem Team in dieser Saison? Gibt es einen Spieler mit dem Potenzial zum Superstar?

Brown: Die Erwartungshaltung ist immer, in den Super Bowl zu kommen. Ob das in dieser Saison realistisch ist, weiß ich nicht, aber das ist unser Ziel. Mit dem neuen Head Coach Hue Jackson geht es aufwärts. Wir haben uns letztes Jahr stark verbessert. Safety Michael Huff ist ein sehr guter Spieler. Aber gerade Running Back Darren McFadden steht vor dem ganz großen Durchbruch.

SPORT1: Sie haben Teambesitzer Al Davis angesprochen. Er wird oftmals als Exzentriker beschrieben. Wie schätzen Sie ihn ein?

Brown: Ich bin seit 40 Jahren bei den Raiders. Wenn Al Davis kein guter und fairer Boss wäre, hätte ich den Klub schon vor langer Zeit verlassen. Er ist ein wirklich guter Mensch. Er kümmert sich um alle Spieler und Mitarbeiter. Er greift sogar ehemaligen Spielern unter die Arme, wenn es nötig ist. Das ist nicht selbstverständlich. Wir haben 15 oder 16 Coaches, die für die Raiders gespielt haben. Das zeigt, was für ein Mann er ist.

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