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Michael Vick wurde nach der letzten Saison zum Comeback-Spieler des Jahres gewählt © getty

"Philly" hat auf dem Transfermarkt groß zugeschlagen, um eine lange Durststrecke zu durchbrechen. Trotzdem gibt es noch Probleme.

Von Eric Böhm

München - Wenn es einen Gewinner der extrem kurzen und umso aufregenderen Free-Agent-Periode 2011 gibt, sind es die Philadelphia Eagles.

Mit Wide Receiver Steve Smith wurde innerhalb einer guten Woche bereits der sechste ehemalige oder aktuelle Pro-Bowler verpflichtet. 436104(DIASHOW: Die NFL-Wechselbörse)

Die Truppe aus der traditionell starken NFC East ist das Gesprächsthema der NFL und weiß um die Erwartungshaltung im Umfeld.

"Diese Stadt will einen Super Bowl. Die Phillies und Flyers haben es vorgemacht. Für uns zählt nur der Super Bowl", sagte Linebacker Jamar Chaney während des Trainingslagers.

Lange Durststrecke

Zwar erleben die Eagles unter Head Coach Andy Reid - er geht in seine 13. Saison - die vielleicht erfolgreichste Ära ihrer 78-jährigen Geschichte, der letzte Titel (1960) stammt allerdings noch aus der Vor-Super-Bowl-Zeit.

In der letzten Saison elektrisierte das glorreiche Comeback von Skandal-Quarterback Michael Vick die "Stadt der brüderlichen Liebe".

Nach dem unverhofften Divisionstitel wurde jedoch bereits die erste Playoff-Runde gegen den späteren Meister aus Green Bay zur Endstation.

Glücksgriff Asomugha

Mit Smith, den beiden herausragenden Manndeckern Nnamdi Asomugha und Dominique Rodgers-Cromartie, Defensive End Jason Babin sowie dem starken Running Back Ronnie Brown soll nun der ganz große Wurf gelingen.

Gerade Asomughas Verpflichtung ist ein echter Coup. Der Ex-Raider unterschrieb einen 60-Millionen-Dollar-Vertrag über fünf Jahre und gilt als bester Cornerback der Liga.

Außerdem kam mit dem ehemaligen Shooting-Star Vince Young ein durchaus erfahrener Quarterback, der Vick in der Spielanlage ähnelt und somit als idealer Ersatzmann taugt.

Reid fiebert dem Start entgegen

Entsprechend kann Coach Reid die neue Saison kaum noch erwarten.

Denn nach fünf verlorenen NFC-Championships in einer Spanne von acht Jahren (zwischen 2001 und 2008) will er endlich den Bock umstoßen.

"Mit diesem Team fühlst du dich, als stündest du an einer roten Ampel und musst dringend irgendwo hin. Du willst unbedingt los, kannst aber nur auf das grüne Licht warten", so der 53-Jährige.

Receiver machen Probleme

Der Förderer von Spielmacher-Legende Brett Favre hat aber noch einige knifflige Probleme zu lösen.

Zum Beispiel steht hinter Vicks besten Anspielstationen mehr oder weniger große Fragezeichen.

Der letztjährige Starter Jeremy Maclin hat aufgrund einer mysteriösen Krankheit noch keine Trainingseinheit absolviert, und Neuzugang Smith laboriert noch immer an einer Knieverletzung, die er im Trikot der New York Giants erlitt.

"Wenn es nach mir ginge, würde ich sofort trainieren, aber ich muss mit dem Knie besonders vorsichtig sein", so der frühere Super-Bowl-Gewinner. Zum Start der Preseason gegen Baltimore (13:6) fiel er aus.

Konfliktpotenzial ist vorhanden

Der beste Receiver DeSean Jackson hat seinen Streik zwar inzwischen beendet, seine Motivation ist ohne einen neuen lukrativen Vertrag aber fraglich.

Sein Rookie-Kontrakt läuft noch ein Jahr und beschert der pfeilschnellen "Big-Play-Maschine" lediglich knapp 600.000 Dollar.

Daraus könnte sich ein Konflikt entwickeln. Denn bei den altgedienten Akteuren kommt es sicher nicht gut an, dass für neue Leute viel Geld ausgegeben wird, während die "eigenen" Spieler vertröstet werden.

Unausgewogener Kader

Außerdem ist die Spielerdecke auf der Linebacker-Position extrem dünn. Nach jetzigem Stand würde mit Casey Matthews - Bruder des aktuellen Super-Bowl-Champions Clay Matthews - ein Neuling in der Startformation auftauchen.

Im Gegensatz dazu herrscht in der Passverteidigung ein Überangebot. Mit Asomugha und Rodgers-Cromartie droht dem viermaligen Pro-Bowler Asante Samuel der Verlust des Stammplatzes. Bei den Running Backs herrscht ein Hauen und Stechen um die Kaderplätze.

Der Abschied ihres langjährigen Kickers David Akers könnte den Eagles im Saisonverlauf ebenfalls noch Probleme bereiten.

In Philly ist also trotz der neuen Hochkaräter noch viel zu tun, wenn es endlich mit dem ersten Super Bowl der Teamgeschichte klappen soll - entscheidend sind nicht nur die Dollars, sondern in erster Linie die Leistung auf dem Platz.

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