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Rex Grossman hat in seiner Karriere bisher etwas über 7.000 Yards erworfen © getty

Rex Grossman und John Beck kämpfen in Washington erbittert um den Stammplatz. Für beide Spielmacher ist es die letzte Chance.

Von Eric Böhm

München - Die Washington Redskins haben in den letzten Jahren meist nur mit aufgeblähten Verträgen und sportlichen Desastern auf sich aufmerksam gemacht.

In diesem Jahr ließ es das laut "Forbes" viertprofitabelste Sportteam der Welt ruhiger angehen und beteiligte sich nicht am durch den Lockout verkürzten Free-Agent-Wahnsinn.

Einzig die spektakulären Abgänge von Spielmacher Donovan McNabb und dem ebenso teuren wie lustlosen Abwehrspieler Albert Haynesworth machten Schlagzeilen 436104(DIASHOW: NFL-Wechselbörse).

Eine der interessantesten Geschichten der Vorbereitung liefert nun unverhofft der Kampf um McNabbs Erbe in der Startformation. Zwei gescheiterte Quarterbacks liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

"Machen einen exzellenten Eindruck"

Die in Miami und Baltimore bzw. Chicago und Houston gescheiterten John Beck und Rex Grossman streiten um die zweifelhafte Ehre, Washingtons achter Opening-Day-Starter innerhalb der letzten zwölf Jahre zu werden.

Head Coach Mike Shanahan, der unter anderem schon mit den Legenden Steve Young und John Elway arbeitete, ist aber offenbar mit beiden Kandidaten ausgesprochen zufrieden.

"Sie machen einen exzellenten Eindruck. Ich habe keine Bedenken mit einem der beiden in die Saison zu gehen. Sie können Spiele für uns gewinnen", meint der zweimalige Super-Bowl-Champion - als Trainer der Denver Broncos.

Endlose Reihe von Spielmachern

Dabei waren sowohl die leidensfähigen Redskins-Fans als auch Experten überrascht, dass Internet-Milliardär und Eigentümer Daniel Snyder nicht die Schatulle öffnete, um einen neuen Spielmacher in die Hauptstadt zu locken.

Schließlich investierte er über die Jahre viele Millionen in eine endlose Reihe von Quarterback-Hoffnungen.

Danny Wuerffel, Gus Frerotte, Patrick Ramsey, Mark Brunell, Jason Campbell, Todd Collins oder McNabb scheiterten alle daran, den dreimaligen Super-Bowl-Champion wieder zu alter Stärke zu führen - letzter Divisionstitel 1999.

Grossman brilliert

Die Kontrahenten zeigten in den bisherigen drei Vorbereitungsspielen sehr gute Leistungen. Gegen Baltimores (31:34) traditionell exzellente Defense führten sie den Angriff abwechselnd zu insgesamt drei Touchdowns.

Zum Preseason-Auftakt brillierte Grossman beim 16:7-Sieg gegen die starke Verteidigung der Steelers. Eine Woche später triumphierte Beck gegen die "Manning-losen" Indianapolis Colts (16:3) und blieb trotz mangelnder Praxis auch unter Druck cool.

Der mittlerweile 30-Jährige absolvierte seine einzigen vier Spiele von Beginn an 2007 im Trikot der Miami Dolphins - er startete einst in London auch das erste reguläre Saisonspiel der NFL in Europa gegen die New York Giants.

Nach der unsäglichen 1:15-Saison schien die Karriere des wurfstarken ehemaligen Zweitrundenpicks jedoch schon wieder beendet zu sein.

Beck aus der Versenkung

Shanahan holte den ehemaligen College-Star der Brigham Young University 2010 von der Bank der Baltimore Ravens und erkannte sein Potenzial.

Denn neben seinem Wurfarm bringt er auch eine überdurchschnittliche Intelligenz mit. Während seiner College-Zeit absolvierte er eine humanitäre Mission in Lissabon und spricht seitdem fließend portugiesisch.

Seine Fähigkeit gegnerische Abwehrreihen zu analysieren, kommt ihm im System von Shanahans Sohn Kyle - der Offensive Coordinator - besonders zugute.

"Ich bin einfach froh, dass mir die Coaches hier eine faire Chance gegeben haben. Ich werde versuchen, sie mit Leistung zu überzeugen", gibt sich Beck bescheiden.

Beste Zeit in Chicago

Konkurrent Grossman ist jedoch ebenfalls ein außergewöhnlicher Zeitgenosse.

Die Chicago Bears glaubten 2003 schon den nächsten Jim McMahon gefunden zu haben. Zu beeindruckend waren seine Leistungen bei den Florida Gators - er wurde 2001 zum zweitbesten College-Spieler gewählt.

Nach vielen Verletzungen schien es mit Verspätung auch noch eine glückliche Ehe zu werden - wie der Bears-Star der 80er Jahre - führte "Turnoversaurus Rex" die Truppe in der Saison 2006 in den Super Bowl.

Shanahan jr. als Fürsprecher

Die Niederlage gegen Peyton Manning und die Colts markierte jedoch den Wendepunkt. Der 31-Jährige, dessen Inkonstanz die Geduld in der "Windy City" auch in erfolgreichen Zeiten strapaziert hatte, konnte danach nur selten an seine gute Form anknüpfen.

Während der Saison 2007/2008 verlor er seinen Stammplatz und ging 2009 nach Houston, dort wurde er zum Ersatzmann von Matt Schaub.

Kyle Shanahan nahm ihn im vergangenen Jahr dann mit in die Hauptstadt, wo er gegen Ende der Saison McNabb auf die Bank verdrängte.

Grossman hat viel vor

Beide Spielmacher hoffen nun ihre Karriere bei den moderat verstärkten Redskins - bekannteste Neuzugänge sind Running Back Tim Hightower (Arizona) und Defensive Tackle Barry Coefield (Super-Bowl-XLII-Champion mit den New York Giants) - neu zu starten.

Grossman hat jedenfalls viel vor und gab eine mutige Prognose ab: "Ich glaube, die Washington Redskins werden die NFC East gewinnen."

Ob er selbst oder Beck dabei auf dem Feld stehen werde, ließ der Routinier jedoch offen. Coach Shanahan will sich erst unmittelbar vor der Saisoneröffnung gegen die Giants (11. September) entscheiden.

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