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Reggie Bush wurde 2005 unter die 25 besten College-Spieler aller Zeiten gewählt © getty

Der skandalumwitterte College-Star wird von den Saints fast verschenkt. In Miami will er in neuer Rolle endlich den Durchbruch.

Von Eric Böhm

München - Reggie Bush hat eine Mission.

Der tief gefallene zweite Pick des NFL-Drafts 2006 will seiner Karriere bei den Miami Dolphins (Die NFL-Saison LIVE im TV auf SPORT1+) neuen Schwung verleihen.

Nach unzähligen Verletzungen und oftmals durchwachsenen Leistungen fühlt sich der Running Back an seiner neuen Wirkungsstätte endlich wieder gebraucht.

"Das ist eine tolle Stadt für einen Football-Spieler. Die Dolphins haben sich sehr um mich bemüht. Ich möchte dem Team helfen, erfolgreich zu sein", sagte Bush bei seiner Vorstellung.

Skandale pflastern seinen Weg

Mit den New Orleans Saints erreichte der mittlerweile 26-Jährige zwar zwei NFC-Endspiele und gewann einen Super Bowl, der Durchbruch zum NFL-Star blieb ihm jedoch verwehrt.

Das mag ebenso an der überzogenen Erwartungshaltung an die College-Ikone des vergangenen Jahrzehnts, wie an seinem skandalumwitterten Leben abseits des Platzes gelegen haben.

Von illegalen Zuwendungen - unter anderem Geld, Limousinen und Schönheitsbehandlungen für die Mutter - während seiner Zeit an der University of Southern California, die deshalb zurückgegebene Heisman-Trophy als bester College-Spieler, bis hin zu Beziehungen mit einer Wrestlerin und "It-Girl" Kim Kardashian, war alles dabei.

"Das ist ein Geschäft"

"Natürlich hätte ich gern meine gesamte Karriere in New Orleans verbracht, heutzutage sind die Chancen darauf aber ziemlich gering. Das ist ein Geschäft", so der "Neu-Delfin" gegenüber der "USA Today".

Die Saints wollten Bush - der in den letzten vier Jahren 20 Spiele verpasste - für seine Rolle als Returner und Allround-Back die 11,8 Millionen Dollar aus seinem Rookie-Vertrag nicht mehr zahlen.

Denn zum einem Topläufer a la Adrian Peterson oder Chris Johnson entwickelte sich der schnelle Mann nicht. Nie erlief er in einer Saison mehr als 600 Yards oder erreichte einen Pro Bowl.

Saints weisen Bush die Tür

So setzte ihm das Team aus Lousiana im diesjährigen Draft mit Mark Ingram einen weiteren ehemaligen Heisman-Gewinner vor die Nase ( DATENCENTER: Der NFL-Spielplan).

Dass trotz der auch noch unter Vertrag stehenden Pierre Thomas und Chris Ivory ein weiterer Mann für das Backfield in der ersten Runde ausgewählt wurde, war auch für Bush eine eindeutige Botschaft.

Trotzdem hegt der Aussortierte - er wurde für den Ersatz-Safety Jonathon Amaya nach Florida geschickt - keinen Groll: "Ich sehe das nicht als Schlag gegen mein Ego."

Kritiker sollen verstummen

In Miami unterschrieb Bush einen Zweijahresvertrag über zehn Millionen Dollar und will beweisen, dass er ein NFL-Team als Top-Rusher tragen kann.

"Ich habe eine Extra-Motivation. Ich will den Zweiflern zeigen, dass ich das drauf habe", gab sich der Super-Bowl-Champ angriffslustig.

Seinen Worten lässt er auch Taten folgen. In der Vorbereitung schiebt er Sonderschichten und ist regelmäßig der letzte Dolphin, der den Platz verlässt.

"Deshalb bin ich hier her gekommen. Das Team gibt mir die Chance, mehr von meinem Können zu zeigen und schätzt mich als Führungsfigur."

Sparano prophezeit Durchbruch

Nach den Abgängen der langjährigen Running Backs Ronnie Brown (Philadelphia) und Ricky Williams (Baltimore) sieht nicht nur Head Coach Tony Sparano den Neuzugang in einer Schlüsselrolle 436104(DIASHOW: NFL-Wechselbörse).

"Ich kann es kaum erwarten, ihn während der Saison in Aktion zu sehen. Reggie ist ein unglaublich dynamischer Spieler", urteilt Offensive Lineman Jake Long.

Auch weil Rookie Daniel Thomas in den Testspielen noch keinen guten Eindruck machte, ist Bush als unumstrittener Stammspieler vorgesehen und soll dahin gehen, wo es weh tut.

"Es wird ein Schachspiel mit Reggie. Er gibt uns viele Möglichkeiten als Returner und Receiver, aber ich weiß, er kann die schweren Yards durch die Mitte holen", prophezeit Sparano den großen Durchbruch seines Schützlings.

Henne soll profitieren

Spielmacher Chad Henne und der neu installierte Offensive Coordinator Brian Daboll würden sich über ein funktionierendes Laufspiel freuen.

Der lahmende Angriff war schließlich hauptverantwortlich für die enttäuschende 7:9-Bilanz der vergangenen Spielzeit.

Mit den exzellenten Receivern Brandon Marshall sowie Davone Bess, soll Bush den unerfahrenen Quarterback entlasten und der ungefährlichsten Offense der AFC - in der letzten Saison nur 26 Touchdowns - Leben einhauchen.

Fans sind begeistert

Viel Verantwortung für einen Running Back, der in seiner bisherigen Karriere mehr Yards erfing als er erlief.

Sein erster Preseason-Auftritt vor heimischem Publikum erinnerte tatsächlich an die glorreichen Tage im Trikot der USC Trojans.

Nach einem dynamischen Lauf durch die Mitte und einem wunderbar gefangenen Pass - bei dem er einen bedauernswerten Verteidiger unnachahmlich aussteigen ließ - ertönten unüberhörbar die "Reg-gie! Reg-gie! Reg-gie!"-Rufe von den Rängen.

"Manche werden jetzt sagen, er hat nicht das Zeug zum Vollzeit-Starter. Gibt es das heutzutage überhaupt noch? Ich denke nicht, aber er wird die Leute überraschen", verspricht Sparano - auch sein Job wird davon abhängen.

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