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Jaco Lacey (u.) kam von der Oklahoma State University zu den Colts © getty

Indianapolis ist ohne seinen Star chancenlos. Kommt ein Lehrling? Fängt sich das "Dream Team"? Flops der ersten Saisonhälfte.

Von Eric Böhm

München - Wer noch einen Beweis für Peyton Mannings Klasse suchte, hat ihn spätestens in dieser Saison bekommen (Die NFL-Saison LIVE im TV auf SPORT1+).

Ohne ihren Star-Quarterback (dritte Nacken-OP in 19 Monaten) bekommen die Indianapolis Colts kein Bein auf die Erde und warten noch immer auf ihren ersten Sieg.

"Jeder weiß, dass Peyton zu den herausragenden Quarterbacks aller Zeiten gehört. Ihn kannst du nicht ersetzen. Trotzdem dürften wir nicht ohne Sieg dastehen", meint Abwehrspieler Dwight Freeney.

Vielleicht hat der Absturz aber auch sein Gutes. Auch in Miami brennt zur Saison-Halbzeit der Baum. Ein Veteran steht vor dem Ende.

SPORT1 blickt auf die Enttäuschungen der ersten acht NFL-Spieltage.

Indianapolis Colts

Den Experten war es längst klar, Manning ist der am schwersten zu ersetzende Spieler der gesamten Liga. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Schließlich macht der viermalige MVP den Colts-Angriff erst durch seine Ansagen - auch bekannt als "Manning-Ball" - unmittelbar vor dem Spielzug so gefährlich, Veteran Kerry Collins und Backup Curtis Painter können diese Rolle nicht ausfüllen.

Manning ist so dominant, dass selbst die Verteidigung auf ihn ausgerichtet ist. Weil "Indy" in früheren Jahren oftmals frühzeitig in Führung lag, wurde die Abwehr ausschließlich auf Passverteidigung und Druck auf den gegnerischen Spielmacher ausgelegt.

Absichtliche Pleiten?

Die Laufabwehr ist seit Jahren ein Schwachpunkt, den Manning überspielte. Jetzt rennen ihnen die Gegner um die Ohren - nur die St. Louis Rams geben mehr Yards ab.

Mit jeder Niederlage werden zudem die Spekulationen lauter, dass die Colts gar nicht so unglücklich über diese verlorene Saison sind.

Hintergrund: Sollten sie am Ende der Saison die schwächste Bilanz der Liga aufweisen, hätte das Traditionsteam - seit 2002 immer in den Playoffs - im April das erste Auswahlrecht im Draft.

Luck als Manning-Lehrling?

Der beste College-Spieler ist Quarterback Andrew Luck (Stanford University), der noch zwei, drei Jahre im Schatten von Manning reifen könnte, um den Superstar dann zu beerben.

Schon war in den amerikanischen Medien das geflügelte Wort "Suck for Luck" geboren.

"Das ist absurd. Wir verlieren nicht absichtlich. Wir wollen jedes Spiel gewinnen und denken jetzt nicht über College-Spieler nach", wehrte sich Coach Jim Caldwell energisch gegen diese Vermutungen.

Was soll er auch sonst sagen? Vielleicht wird Indianapolis so zum Glück gezwungen, denn der Spielplan - unter anderem in Baltimore und New England - wird nicht leichter.

Miami Dolphins

Im Schneckenrennen um die Rote Laterne der NFL sind die Miami Dolphins ein ernstzunehmender Kontrahent für die Colts.

Und auch die Truppe aus Florida hat ein Auge auf Luck geworfen, um eine neue Ära einzuleiten, schließlich suchen die Dolphins seit Dan Marinos Rücktritt (2000) nach einem Nachfolger.

Dass Miami nach sieben Spielen noch immer einem Erfolg hinterher läuft, liegt aber nicht ausschließlich an fehlender Klasse 475743(DIASHOW: Die Bilder des 8. Spieltages).

Drei Partien gingen nur knapp verloren, außerdem verletzte sich Spielmacher Chad Henne im vierten Spiel schwer an der Schulter und fällt bis Saisonende aus.

"Es ist oftmals etwas unglücklich gelaufen. Ich glaube, wir sind besser als unsere Bilanz, aber dafür können wir uns nichts kaufen", meint Head Coach Tony Sparano, der um seinen Job zittern muss.

Donovan McNabb

Während sich andere Teams mit den Quarterback der Zukunft beschäftigen, glaubten die Minnesota Vikings, eine erfolgreiche Gegenwart gebucht zu haben.

Die Verpflichtung des bei den Redskins in Ungnade gefallenen Donovan McNabb schien ein Glücksgriff zu sein. Der Routinier brannte darauf, seine alte Klasse nochmal unter Beweis zu stellen und Washington zahlte sogar Teile seines Gehalts weiter.

McNabb will weitermachen

Nach nur einem Sieg aus sechs Spielen sowie ganzen vier Touchdowns musste der 34-Jährige aber seinen Platz für Rookie Christian Ponder räumen.

McNabb könnte seinen letzten NFL-Start hinter sich haben, ans Aufhören denkt er nicht: "Ich habe noch viel Football in mir." In Minnesota hat der ehemalige Pro Bowler aber definitiv keine Zukunft mehr.

Philadelphia Eagles

Mit seinem arglosen Interview trat Ersatz-Quarterback Vince Young die Lawine los.

Kurz nach seiner Ankunft bezeichnete er die Philadelphia Eagles als das "Dream Team" der Liga.

Mit hochkarätigen Neuzugängen wie den Verteidigern Nnamdi Asomugha und Cullen Jenkins wurden die Eagles schon vor dem ersten Testspiel zum Topfavoriten abgestempelt.

Aufwärtstrend bestätigt

Nach vier Pleiten in Folge kippte in Philly die Stimmung und Quarterback Michael Vick beerdigte öffentlich das "Dream Team".

Mit dem Rücken zur Wand raufte sich die Mannschaft von Cheftrainer Andy Reid dann doch zusammen und feierte zuletzt zwei Siege - die Playoffs sind somit wieder in Reichweite.

"Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, aber ich glaube, jeder hat jetzt verstanden, dass wir jeden Tag hart arbeiten müssen", meint Vick realistisch.

Chad Ochocinco

Die schillerndste Figur der Liga hat offenbar ihre Strahlkraft verloren.

Chad Ochocinco wollte in New England seine vielleicht letzte Chance auf einen Titel nutzen und beweisen, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört.

Seit seiner Ankündigung, bei einem Fan einzuziehen, ist es jedoch ziemlich still um den inzwischen 33-jährigen "Crazy Chad" geworden.

Nach sieben Spielen für die Patriots hat Sebastian Vollmers Teamkollege ganze neun Catches sowie null Touchdowns zu Buche stehen, im dynamischen Angrif von Quarterback Tom Brady ist der mehrfache Pro Bowler nur noch eine Randnotiz.

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