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Jordan Shipley (r.) stand 2010 mit den Texas Longhorns im College-Finale © getty

Cincinnati will den Rivalen aus Pittsburgh abhängen. "Red Rifle" ist der Schlüssel. Im Westen steigt der Überraschungs-Gipfel.

Von Eric Böhm

München - Es ist fast schon ein Naturgesetz: So sicher wie die Sonne im Westen untergeht, stehen die Cincinnati Bengals im Tabellenkeller.

In den vergangenen 20 Jahren bestätigten die beiden Ausnahmejahre 2005 und 2009 diese Regel, doch das völlig umgekrempelte Team schickt sich nun an, den Trend umzukehren.

Am 10.Spieltag könnten die Bengals mit einem Sieg gegen die Pittsburgh Steelers (So., ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+) nicht nur ihren sechsten Erfolg in Serie feiern, sondern den übermächtigen Rivalen auch von der Spitze der AFC North distanzieren.

"Es ist, als würdest du dich mit einem Typen auf dem Parkplatz anlegen. Es ist Football, aber gleichzeitig auch ein Straßenkampf", nimmt Cincinnatis Lineman Andrew Whitworth kein Blatt vor den Mund.

Erfolgreicher Umbau

Die längste Erfolgsserie seit 23 Jahren ist umso beeindruckender, da nach dem Abschied der langjährigen Leistungsträger Carson Palmer (Oakland) und Chad Ochocinco (New England) speziell im Angriff ein absoluter Neuaufbau eingeleitet wurde.

Ein Faktor für diesen Rekord-Umschwung - 2010 gelangen insgesamt nur vier Siege - ist Rookie-Quarterback Andy Dalton 481196(DIASHOW: Die Bilder des 10. Spieltages).

Der aufgrund seiner Haarfarbe nur "Red Rifle" genannte Spielmacher spielt nicht so spektakulär wie Carolinas Cam Newton, agiert aber effizienter.

Dalton trumpft auf

Dalton holt mehr Siege, hat eine bessere Passquote, wirft mehr Touchdowns und weniger Interceptions als der in den Medien gefeierte Nummer-eins-Pick.

Gegen den dieser Tage etwas brüchig wirkenden "Steel Curtain" steht der 24-jährige Texaner vor einer großen Herausforderung.

"Pittsburgh hat unfassbar gute Athleten, die keine Fehler verzeihen. Die beiden Pleiten gegen Baltimore wollen sie gegen uns ausbügeln", meinte Dalton.

Ravens-Pleite wirkt nach

Am letzten Wochenende gaben die Steelers in den Schlussminuten einen 92-Yard-Drive ab und kassierten gegen ihren Erzrivalen nach dem Debakel am 1. Spieltag schon die zweite Niederlage (Bericht).

"Das war extrem bitter. Wir müssen daraus lernen und unsere Frustration gegen Cincinnati in positive Energie umwandeln", erklärte Coach Mike Tomlin.

Ein Steeler kehrt zurück

Der eigene Angriff muss sich gegen die zweitbeste Laufverteidigung wieder auf Quarterback Ben Roethlisberger verlassen, um den achten Erfolg aus den vergangenen zehn Duellen mit der Truppe aus Ohio einzufahren.

Dann würde der AFC-Champion (sechs Siege - drei Niederlagen) an "Cincy" (6-2) vorbeiziehen und die Wachablösung vorläufig verhindern (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Linebacker James Farrior sollen nach auskurierter Blessur dabei helfen. Kollege LaMarr Woodley (Oberschenkel) fällt dagegen weiterhin aus.

SPORT1 blickt auf zwei weitere Partien des 10. Spieltages der NFL:

San Francisco 49ers - New York Giants

Dass das Gastspiel der New York Giants in San Francisco (ab 22.00 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+) zum Spitzenspiel der NFC werden würde, hätten vor der Saison wohl nicht einmal die jeweiligen Fanlager erwartet.

Schließlich sollte im Osten das "Dream Team" aus Philadelphia durchmarschieren, während im Westen St. Louis oder sogar Arizona stärker eingeschätzt wurden als die 49ers.

Speziell der kometenhafte Aufstieg des kalifornischen Traditionsteams unter dem neuen Coach Jim Harbaugh verblüfft und erinnert an die glänzenden Auftritte der 80er Jahre.

"Viele Leute haben nicht an uns geglaubt. Mit neuen Coaches und ohne namenhafte Neuzugänge hielten sie uns für einen kopflosen Hühnerhaufen, doch wir sind ein Team", sagt Abwehrspieler Ricky Jean Francois.

Manning beweist Nervenstärke

Nur unwesentlich schlechter als "Frisco" (7-1) stehen die Giants (6-2) da, die sich heimlich, still und leise wieder zu einem Geheimfavoriten gemausert haben.

Eli Manning lässt seinen Worten - er hatte sich vor der Saison als einen der besten NFL-Spielmacher bezeichnet - Taten folgen. In den vergangenen drei Partien führte er sein Team jeweils mit dem letzten Drive zum Sieg.

"Ich spiele jetzt seit sieben Jahren mit ihm zusammen. Ich habe ihn nie besser gesehen als momentan", lobt Defensive End Justin Tuck.

Aufgrund der beinharten Laufverteidigung der 49ers - mit durchschnittlich 70 Yards NFL-Spitze - wartet viel Arbeit auf Manning. Das mögliche Comeback von Receiver Hakeem Nicks (Oberschenkel) könnte einen Schub geben.

New York Jets - New England Patriots

Vor knapp vier Wochen kassierten die New York Jets bei den New England Patriots ihre dritte Schlappe hintereinander und lagen am Boden.

Mit dem fünften Heimsieg in ebenso vielen Heimpartien könnten sie dem Erzrivalen diese Demütigung mit gleicher Münze heimzahlen.

Die Truppe des nie um einen lockeren Spruch verlegenen Cheftrainers Rex Ryan würde die aktuell gleichauf liegende Mannschaft um Sebastian Vollmer (5-3) dann sogar von der Spitze der AFC East verdrängen.

"Beide Teams brauchen und wollen diesen Sieg unbedingt. Da muss man nicht um den heißen Brei reden, es wird eine Schlacht", so Ryan.

Patriots mit Sorgen

New England bangt vor dem Auftritt im "Big Apple" um Safety Patrick Chung (Fuß) und Linebacker Brandon Spikes (Knie). Vollmer wird dagegen trotz nach wie vor anhaltender Rückenprobleme auflaufen.

Nach dem fantastischen Saisonstart ist bei den "Pats" urplötzlich mächtig Sand im Getriebe, das fehlende Laufspiel und die unterirdische Abwehr machen Tom Bradys Ensemble zu ausrechenbar.

Der Quarterback hat bereits zehn Interceptions auf dem Konto - nur zwei NFL-Spielmacher warfen bisher mehr.

"Ich muss bessere Entscheidungen treffen. Es gibt in allen Bereichen Steigerungspotenzial", spornt Brady sich und die Kollegen an.

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