vergrößernverkleinern
Heath Shuler spielte von 1994 bis 1996 für die Washington Redskins © getty

Seit dem Titel geben sich in Washington die Spielmacher die Klinke in die Hand. In 18 Jahren versuchen sich 20 Quarterbacks.

Von Eric Böhm

München - Jim Kellys letzter Pass kommt nicht und der Jubel in "Burgundy and Gold" bricht los.

Es ist der 26. Januar 1992 und die Washington Redskins haben soeben gegen die Buffalo Bills ihren dritten Super Bowl innerhalb von neun Jahren gewonnen.

Für Head Coach Joe Gibbs und Quarterback Mark Rypien ist es der Höhepunkt ihrer Karriere.

Fast zwanzig Jahre später sucht der Traditionsklub noch immer geeignete Nachfolger für beide Legenden.

Speziell auf der Position des Spielmachers geben sich seit 1992 eine Ansammlung von großen Namen, Supertalenten oder Platzhaltern erfolglos die Klinke in die Hand.

Wilde Wechsel statt Kontinuität

Am 10. Spieltag der aktuellen Saison durfte sich wieder Rex Grossman versuchen. 481196(DIASHOW: Die Bilder des 10. Spieltages)

Der in Chicago trotz Super-Bowl-Teilnahme einst als "Turnoversaurus Rex" verspottete 31-Jährige hatte drei Wochen zuvor seinen Platz an John Beck verloren. (Die NFL-Saison LIVE im TV auf SPORT1+)

Der von Team zu Team weitergereichte Backup hatte 2007 als NFL-Neuling in Miami zweifelhafte Berühmtheit erlangt, weil die Truppe nur eins von 16 Spielen gewinnen konnte.

"Die aktuelle Situation steht beispielhaft für die letzten Jahre. Es wurde immer wieder wild gewechselt, anstatt sich einen Quarterback aufzubauen", kritisiert der frühere "Skins"-Spielmacher Joe Theisman.

20 Spielmacher in 18 Jahren

Seit Rypiens Abschied aus Washington im Jahr 1993 liefen sage und schreibe 20 verschiedene Starter auf - die Indianapolis Colts hatten seitdem bis 2010 nur drei Spielmacher.

Einer der größten Flops der NFL-Geschichte sitzt heute für seinen Heimatstaat North Carolina sogar als Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus.

Die Hauptstädter wähnten sich 1994 auf dem Weg zu ihrem vierten Meistertitel, als sie den College-Star Heath Shuler mit dem dritten Pick des NFL-Drafts auswählten.

Shuler vom Feld gebuht

Der Vorgänger an der University of Tennessee vom späteren Colts-Superstar Peyton Manning unterschrieb mit der Reputation eines kommenden Hall-of-Famers einen 20-Millionen-Dollar-Vertrag.

Doch seine miserablen Leistungen konnten die Vorschusslorbeeren nie auch nur annähernd bestätigen.

In einem Spiel gegen die Arizona Cardinals warf Shuler fünf Interceptions und wurde regelrecht vom Feld gebuht. In seinem dritten Jahr verlor er seinen Stammplatz an Gus Frerotte - ihn holten die Redskins 1994 in der siebten Runde - und wurde an die New Orleans Saints weitergereicht.

Flucht in die Politik

Zwei Jahre später beendete der laut "ESPN" viertgrößte Fehlgriff der NFL-Historie seine desaströse Karriere und wendete sich mit deutlich mehr Erfolg der Politik zu.

"Ich hatte auch Verletzungsprobleme. Letztendlich konnte ich mich aber nie an das Spiel in der NFL gewöhnen", sagt Shuler heute.

Am Druck gescheitert

Doch nicht nur Neulinge wie Shuler, Patrick Ramsey, Tim Hasselbeck, Cary Conklin oder John Friesz scheiterten an Rypiens Erbe.

Auch große Namen kamen mit dem immensen Druck in der Hauptstadt nicht klar. Jeff Hostetler, Jeff George oder Mark Brunell waren schon auf dem absteigenden Ast, aber Rich Gannon und Trent Green erlebten anschließend bei den Raiders beziehungsweise in Kansas City ihre besten Jahre.

Quarterback-Kontroverse durch Besitzer

Als 1999 der ehemalige NFL-Europe-Star Brad Johnson die Truppe von Coach Norv Turner - er trainiert heute die San Diego Chargers - zur Divisionsmeisterschaft führte, schien die Leidenszeit vorbei.

Doch der neue Teambesitzer Daniel Snyder verpflichtete den Veteran George und löste eine Kontroverse aus.

Zwei Jahre später gewann der damalige Pro Bowler Johnson mit Tampa Bay den Super Bowl - gegen Gannons Raiders.

"Fun-and-Gun" bringt keinen Spaß

Der erfolgreiche College-Coach Steve Spurrier holte 2002 mit Shane Matthews und dem ehemals besten College-Spieler Danny Wuerffel gleich zwei seiner ehemaligen Schützlinge, um seine "Fun-and-Gun-Offense" ohne Laufspiel in die NFL zu bringen.

Wuerffel, der zuvor schon in New Orleans grandios gescheitert war, absolvierte vier unterirdische Starts und durfte sich genau wie Spurrier schnell wieder verabschieden.

Teurer Fehlgriff mit McNabb

Auch die Rückholaktion des Football-Rentners Gibbs brachte kein Glück. Quarterback Jason Campbell bekam trotz ordentlicher Leistungen nie das volle Vertrauen und floh nach Oakland.

Stattdessen leistete sich Snyder mit Donovan McNabb 2010 den nächsten kostspieligen Fehlgriff, denn unmittelbar vor seiner Ausbootung wurde noch sein Vertrag für 78 Millionen Dollar verlängert.

"Das war wohl eine der dümmsten Entscheidungen aller Zeiten. Selbst für Redskins-Verhältnisse ist das unfassbar", echauffierte sich damals Ex-Coach und TV-Experte Jon Gruden.

Neuaufbau wohl ohne Luck

Aktuell steht der dreimalige Meister, für den einst Größen wie Sammy Baugh, Doug Williams oder Theisman spielten, nach fünf Pleiten in Folge wieder einmal vor einem Neuaufbau. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Doch den großen Preis des Drafts 2012 werden ihnen wohl die noch sieglosen Colts mit dem ersten Draftrecht wegschnappen.

Stanfords Youngster Andrew Luck wird also nicht dem Redskins-Fluch erliegen. Die anderen College-Talente müssen hingegen zittern.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel