Bounty-Gate: Payton spürt Goodells Zorn
Von Eric Böhm
München - Roger Goodell hat erwartungsgemäß hart zugeschlagen.
Der kompromisslose NFL-Commissioner verpasste den ersten Beteiligten am Kopfgeld-Skandal um die New Orleans Saints ( Bericht) empfindliche Strafen.
Für ein Novum sorgte dabei die einjährige Sperre für Head Coach Sean Payton. Noch nie zuvor war ein Cheftrainer für eine Verfehlung irgendeiner Art aus dem Verkehr gezogen worden.
"Wir wurden aufgrund des ungewöhnlichen, böswilligen und nicht akzeptablen Verhaltens zu dieser Entscheidung gezwungen. Niemand steht über den Regeln", erklärte Goodell seine Maßnahmen.
Saints führungslos
Die Saints stehen ab dem 1. April ohne sportliche Führung vor einer extrem schwierigen Aufgabe.
Denn neben Payton, dessen NFL-Zukunft ungewiss erscheint, wurde auch Manager Mickey Loomis für die erste Saisonhälfte suspendiert. Assistenz-Coach Joe Vitt muss sechs Partien aussetzen (DIASHOW: Der NFL-Transfermarkt).
"Wir übernehmen die volle Verantwortung für die Vorgänge und bitten NFL, Spieler und Fans um Entschuldigung. Wir hoffen, unsere Anhänger werden uns die Treue halten" ließen die Saints in einer Pressemitteilung verlauten.
Williams am härtesten bestraft
Dazu kommt für das seit Hurricane Katrina mit Sympathien überschüttete Team eine Geldstrafe von 500.000 Dollar sowie die Aberkennung der Zweitrundenpicks im Auswahlverfahren 2012 und 2013.
Prämienkatalog der Saints
| Art der Verletzung | Prämie |
| Quarterback-Sack | 500 Dollar |
| Spieler geht kurzfristig K.o. | 1.000 Dollar |
| Spieler muss per Trage vom Feld gebracht werden | 1.500 Dollar |
| Starspieler kann nicht weiterspielen | bis zu 10.000 Dollar |
| Playoffs | |
| Quarterback-Sack | 1.000 Dollar |
| Spieler geht kurzfristig K.o. | 2.000 Dollar |
| Spieler muss per Trage vom Feld gebracht werden | 3.000 Dollar |
| Starspieler kann nicht weiterspielen | bis zu 50.000 Dollar |
Am schlimmsten erwischte es jedoch den Urheber ( Bericht). Der ehemalige Defensive Coordinator Gregg Williams - aktuell noch bei den St. Louis Rams unter Vertrag - wurde auf unbestimmte Zeit gesperrt.
Seinen Status will Goodell frühestens nach der kommenden Spielzeit erneut überprüfen. Andere NFL-Akteure hatten zugegeben, dass es ein ähnliches System bereits auf Williams' früheren Stationen - unter anderem in Washington - gegeben hatte.
"Diese Kopfgeld-Geschichte ist komplett unprofessionell. Die NFL hat klargemacht, dass sie so etwas nicht tolerieren wird. Darüber bin ich glücklich", sagte Carolinas Offensive Tackle Jordan Gross.
Favre als Hauptpreis
Zwischen 22 und 27 Spielern der Saints hatten sich an dem Programm beteiligt, das 2010 seinen Höhepunkt erreichte.
Im Championship Game jener Saison war auf Minnesotas Quarterback-Legende Brett Favre ein besonders hoher Preis ausgesetzt gewesen. Zwei Wochen später gewann New Orleans den Super Bowl.
In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Gerüchte über Kopfgelder auf Stars der gegnerischen Mannschaften, diese Vermutungen konnten jedoch nie bewiesen werden.
Payton überspannt Bogen
Im Zuge seines Kreuzzuges für eine saubere, familienfreundliche NFL steht bei Goodell seit jeher die Sicherheit die Spieler ganz oben.
An Payton statuierte er nun ein besonderes Exempel. Denn der 48-Jährige hat sich in wenigen Jahren zu einem polarisierenden Schwergewicht unter den Head Coaches gemausert.
Seine bisweilen als arrogant verschriene Art ist seit jeher Zielscheibe vieler Kritiker. Kollegen haben ihn schon mehrfach bezichtigt, in einseitigen Spielen das Ergebnis unnötig in die Höhe zu schrauben. Auch über Diebstahl von Schmerzmitteln gab es immer wieder Gerüchte.
Der ligaweite Sturm der Entrüstung blieb also aus. Sein Quarterback Drew Brees ist einer der wenigen Fürsprecher: "Ich bin sprachlos. Coach Payton ist ein großartiger Mann, Coach und Mentor."
Spieler rücken in Fokus
Zum Verhängnis wurde ihm auch seine unkooperative Haltung. Hatte er in den Wochen seit Bekanntwerden des Skandals noch geleugnet, etwas gewusst zu haben, war die Beweislast laut Liga "erdrückend".
Demnach bekam Payton vor der vergangenen Saison eine E-Mail mit folgendem Wortlaut: "Coach Williams hat mir 5.000 für Rodgers versprochen."
Danach gab er zu, dass damit ein Kopfgeld auf Green Bays Quarterback Aaron Rodgers gemeint war, dessen Packers die Saints am 1. Spieltag schlugen.
Strafen für beteiligte Spieler sollen folgen. Der Imageschaden für das einstmals so gefeierte Team ist schon jetzt katastrophal.