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Tony Dungy ist der einzige schwarze Coach, der mit seinem Team den Super Bowl gewann © getty

Nach sieben Jahren als Head Coach verlässt Tony Dungy Indianapolis und wird Privatier. Die NFL verliert einen Rekordmann.

Von Martin van de Flierdt

München - Bei den Indianapolis Colts ist eine Ära zuende gegangen. Nach sieben Jahren an der Spitze des Teams ist Head Coach Tony Dungy am Montag zurückgetreten.

"Wir hatten das Gefühl, dass der richtige Zeitpunkt für diesen Schritt gekommen ist", meinte der 53-Jährige, der mit seiner Mannschaft vor einer guten Woche gleich in den Wildcard Games der NFL-Playoffs mit 17:23 an den San Diego Chargers gescheitert war.

"Man kann eben nicht immer auf dem Höhepunkt aufhören", bedauerte Dungy.

In den vergangenen fünf Jahren hatte er immer wieder mit seiner Frau über einen Rückzug aus dem Trainerdasein diskutiert. Nach dem zweiten sofortigen Playoff-Aus der Colts (Ersatzmann schickt MVP in Urlaub) hintereinander beendete er nun seine bemerkenswerte Karriere.

"Meine Frau Lauren hat mir geraten, ein paar Taschentücher mitzunehmen", begann der ansonsten stoische Dungy seinen letzten Pressetermin mit brüchiger Stimme. "Ich hatte allerdings gehofft, dass ich ohne Tränen ein bisschen weiter kommen würde als nur bis zum ersten Satz."

Reichlich Männertränen

Die Emotionen hatten den einzigen schwarzen Head Coach, der je den Super Bowl gewonnen hat, schon übermannt, als er Teameigner Jim Irsay am Sonntag seine Entscheidung mitgeteilt hatte.

"Wir haben zweieinhalb Stunden nur geweint", berichtete Dungy. "Aber ich bin mit mir im Reinen. Diese sieben Jahre in Indianapolis waren besser als alles, was ich mir zuvor hätte vorstellen können."

Dungys Posten übernimmt nun sein langjähriger Assistent Jim Caldwell, der bereits seit dem Vorjahr zunehmend in der Verantwortung stand. "Er ist bereit dafür, sogar mehr als das", sagte Dungy über seinen Nachfolger. "Er wird das richtig gut hinbekommen."

Verewigt in den Rekordlisten

Dungy hatte mit den Colts 2007 den Super Bowl XLI gewonnen und sich zudem in mehreren Rekordlisten verewigt. Mit Indianapolis und den Tampa Bay Buccaneers, die er zuvor sechs Jahre lang betreute, erreichte er in zehn Spielzeiten hintereinander die Playoffs.

Damit steht er genauso allein auf weiter Flur wie mit der Leistung, dass seine Mannschaften sechs Jahre in Folge mindestens zwölf Siege in der Regular Season zustandebrachten. Sein Erfolgsdurchschnitt in eben jener Regular Season (10,7) ist nicht zuletzt daher ebenfalls unübertroffen.

Mit einer Bilanz von 85:27 Siegen weist Dungy nun die beste Statistik aller Head Coaches in der Geschichte der Colts auf. Auch seine 54:42 Erfolge bei Tampa Bay sind dort ohne Beispiel. (Alles zur NFL)

Irsays Reiseerinnerungen

"Ich wusste, dass der Tag seines Rücktritts irgendwann kommen würde", meinte Irsay nun gerührt. "Es war eine tolle gemeinsame Reise. Von einer Beziehung, wie Tony und ich sie hatten, kann man als Teameigner nur träumen."

Für ihn gilt es nun, zu Caldwell eine ähnlich gute Beziehung aufzubauen.

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