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Donovan McNabb (r.) sorgte in zwei Playoffspielen bereits für 517 Yards © getty

Donovan McNabb war von vielen schon abgeschrieben, jetzt ist er auf dem besten Weg, Philadelphia in den Super Bowl zu führen.

Von Martin Hoffmann

München - Das Lächeln von Donovan McNabb wirkt manchmal, als wäre es chirurgisch anoperiert.

Nie verliert er es, egal ob er einen Ball verwirft, ein Spiel verliert, beleidigt oder mit Dreck beworfen wird. McNabb hat immer dieses Lächeln, das die "Denver Post" an das der Comicfigur SpongeBob Schwammkopf erinnert.

Wer McNabb nicht mag - und davon gibt es viele - legt ihm das als Schwäche aus, als Zeichen einer fehlerhaften Einstellung.

Aber im Moment sind McNabbs Kritiker verstummt - schließlich ist der Quarterback der Philadelphia Eagles der Spieler der Stunde in der NFL.

Ein Ehepaar mit schlechtem Start

Der 32-Jährige, der nach seiner kurzzeitigen Bankverbannung in dieser Saison schon als Auslaufmodell galt, ist vor dem NFC-Finale gegen Arizona (So., ab 21 Uhr LIVESCORES) nur noch zwei Siege davon entfernt, seine wechselhafte Karriere mit einem Super-Bowl-Triumph zu krönen.

McNabb und die Fans in Philly sind wie ein Ehepaar, das sich ständig in den Haaren, am Ende aber doch wieder zusammenfindet.

Das Verhältnis ist schon auf dem falschen Fuß gestartet. Als McNabb 1999 gedraftet wurden, buhten ihn die anwesenden Eagles-Fans aus.

Sie hatten mehrheitlich von ihrem Team gefordert, den Running Back Ricky Williams an McNabbs Stelle zu verpflichten.

Nie verstummte Kritik

Der Ehekrach zwischen den Eagles-Fans und ihrem Spielmacher geht dabei immer nur von einer Seite aus. McNabb nimmt alle Anfeindungen gleichmütig hin und gibt die Antworten auf dem Platz.

"Sie haben mich verstoßen, sie haben mich beschimpft, sie haben mich angespuckt, aber ich bleibe einfach immer obenauf", meint McNabb über seine Kritiker: "Ich halte meinen Kopf immer hoch."

Doch obwohl McNabb mittlerweile Philadelphias Rekordhalter in allen wichtigen Kategorien ist - gewonnene Spiele, gelungene Pässe, Raumgewinn durch Pässe und Touchdown-Pässe - ist die Kritik an ihm nie verstummt. (Alles zur NFL)

Missratenes Super-Bowl-Debüt

Es liegt auch daran, dass McNabb sein Team nie zum ganz großen Wurf führen konnte.

Zwar zog er in sieben von neun Anläufen als Starter in die Playoffs ein. Aber den einzigen SuperBowl, an dem McNabb teilnahm, verloren die Eagles 2004/05 gegen die New England Patriots.

McNabb gab dabei mit drei Interceptions an entscheidenden Stellen kein gutes Bild ab. Hinterher weideten sich Fans und Medien an der Schilderung eines Teamkollegen, er hätte sich bei einer Teambesprechung übergeben.

Die Ära schien beendet

In dieser Saison schien es dann, als wäre die Ära McNabb am Ende.

Erst ergoss sich Hohn und Spott über ihn, als er nach dem Remis gegen Cincinnati zugab, nicht gewusst zu haben, dass es in der Liga auch Unentschieden geben könne.

Und in der Woche darauf folgte der Tiefpunkt, als Coach Andy Reid den formschwachen Spielmacher gegen Baltimore vom Feld nahm.

Entscheidender Anteil am Schlussspurt

Nach der Denkpause drehte McNabb auf - wie sein ganzes Team.

Der Spielmacher führte sein Team zu vier Siegen in den letzten fünf Spielen der regulären Saison, so dass die schon abgeschriebene Qualifikation für die Playoffs doch noch klappte.

Dort folgten die Triumphe über Minnesota und Titelverteidiger New York Giants. Mit elf Touchdown-Pässen in den sieben Spielen seit Baltimore trug McNabb entscheidend zu der Erfolgsserie bei.

Ritterschlag vom Coach

Nach dem Erfolg über die Giants adelte Reid McNabb gar als "besten Quarterback der NFL".

Der leidgeprüfte McNabb wird noch mehr Zustimmung erfahren, sollte es diesmal wirklich klappen mit dem Traum vom Super-Bowl-Ring.

Sein Lächeln dürfte dann noch etwas breiter werden.

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