Mastermind Manning hofft auf zweiten Frühling
Von Eric Böhm
München - Gewöhnungsbedürftig ist der Anblick noch: Immerhin trägt Superstar Peyton Manning weiterhin das Trikot mit der Nummer 18.
Nach 14 Jahren setzten die Indianapolis Colts ihren viermaligen MVP wegen seiner schweren Nackenprobleme und der Aussicht auf Youngster Andrew Luck vor die Tür.
Denver - vor allem Teampräsident John Elway - schlug zu und warf dafür sogar Fanliebling Tim Tebow ins Haifischbecken New York. Die Zweifel der Beobachter wischt Elway weg.
"In der Vorbereitung ist deutlich zu sehen, dass Peyton so wirft wie 2009 oder 2010. Ich bin sehr zuversichtlich", sagt die Quarterback-Legende.
Durchwachsenes Debüt
Der erste Preseason-Auftritt bestätigte diese Einschätzung nicht. Manning brachte beim Vorbereitungsspiel gegen Chicago nur vier seiner sieben Pässe an den Mann und leistete sich eine Interception. Beim Heimdebüt gegen Seattle (10:30) waren es sogar zwei abgefangene Pässe.
Der 36-jährige Spielmacher will das Debüt jedoch nicht überbewerten. "Für mich ist es schon ein Sieg, wieder auf dem Feld zu stehen. Ich werde langsam wieder der Alte", betonte Manning.
Vor allem die Abstimmung mit den neuen Anspielstationen Demaryius Thomas oder Eric Decker und das Manning-typische System machen noch Probleme.
McCoy muss wieder umdenken
Immerhin löst ein klassischer NFL-Angriff das auf Tebow zugeschnittene Laufsystem mit wenigen, einfachen Pässen aus der Shotgun-Formation ab.
Dazu kommen die berühmten Änderungen, die "Mastermind" Manning direkt vor dem Snap vornimmt. Offensive Coordinator Mike McCoy musste deshalb im zweiten Jahr in Folge seine Taktik über den Haufen werfen.
"So langsam bekomme ich Übung darin. Es läuft natürlich noch nicht perfekt, aber die Receiver und Linemen stellen sich auf Peyton ein. Seine Klasse motiviert unser junges Team", schwärmt McCoy.
Was macht der Nacken?
Neben den Feinheiten bleiben aber bei Fans und Medien nach wie vor Zweifel an Mannings Fitness. Die drei Nackenoperationen 2011 waren schließlich keine Kleinigkeit.
Gegen die Bears stand Manning nach 19 Monaten erstmals wieder in einem offiziellen NFL-Spiel auf dem Feld und gab sich optimistisch.
"Ich weiß nicht, ob ich schon meinen zweiten Frühling verkünden kann, aber ich mache Fortschritte. Der Nacken fühlt sich gut an. Es ist klar, dass noch viel Arbeit vor mir liegt", bekennt der Super-Bowl-Champion von 2007.
Super Bowl als Ziel
Für die Broncos war die Verpflichtung der alternden Lichtgestalt ein großes Risiko. Da der von den Anhängern als Heilsbringer verehrte Tebow durchaus erfolgreich spielte.
Der umstrittene Jungstar führte Denver nach seiner Beförderung zum Starter in die Playoffs und schlug dort mit einem Traumpass in der Verlängerung die Pittsburgh Steelers.
Doch NFL-Insider Elway traute ihm nicht zu, einen Super Bowl in die "Mile High City" holen zu können, deshalb lockte er den geschassten Manning mit einem Jahresgehalt von 18 Millionen Dollar.
"Unser Eigentümer Pat Bowlen will Super Bowls gewinnen. Wir sind jetzt näher dran als vorher. Peyton gibt uns in Verbindung mit unseren vielen Talenten eine Chance - mehr kannst du nicht erhoffen", so Elway.
Puzzleteile passen
Neben den jungen Passfängern sind Running Back Willis McGahee und die vor Potenzial strotzende Verteidigung um die Quarterback-Jäger Von Miller und Elvis Dumervil die größten Trümpfe.
Elway bringt zudem eine weitere Komponente ins Spiel, die auch ihn antrieb, als er in seinen beiden letzten NFL-Jahren die Broncos zur Meisterschaft führte.
Auch er hatte damals mit Zweiflern zu kämpfen, die ihn schon mehrfach abgeschrieben hatten.
"Darum spielt Peyton noch. Er hätte aufhören können, doch er liebt das Spiel und will es allen und sich selbst noch einmal beweisen. Er weiß, er wird letztendlich an Super Bowls gemessen werden", erklärt Elway die Motivation seiner Neuerwerbung.
Mit dem Tebow-Hype konnte sich der starke Mann der Broncos nie anfreunden. Der Ausgang des Manning-Experiments könnte nun auch sein Schicksal bestimmen.