Zurück auf dem Packers-Weg? Rodgers' Feuer brennt
Von Eric Böhm
München - Für 14 Wochen hatten die Green Bay Packers die Schlagzeilen fast ausschließlich für sich.
Die Jagd des Traditionsteams nach Perfektion bestimmte die vergangene Saison, doch nach der Pleite in Kansas City war die Luft raus.
Gleich im ersten Playoff-Spiel kam das Aus gegen den späteren Meister New York Giants, die Truppe um Quarterback Aaron Rodgers hat ihre Lektion gelernt und nimmt einen neuen Anlauf.
"Wir haben versucht, das Gerede von der perfekten Saison nicht an uns heranzulassen. Als es vorbei war, haben wir uns aber vom Packers-Weg abbringen lassen und scheiterten. Jetzt brennt das Feuer wieder", betont der amtierende MVP.
Packers nicht im Fokus
Seine Mannschaft bereitet sich konzentriert vor und genießt es sichtlich, unter dem Radar zu fliegen.
Trotz eines Super Bowls und Siegen in 21 der vergangenen 23 Partien steht Green Bay im Vorfeld der neuen NFL-Saison im medialen Schatten.
Die Schlagzeilen gehörten im Sommer dem Kopfgeld-Skandal der New Orleans Saints, Tim Tebows Wechsel nach New York und Peyton Mannings Engagement in Denver.
"Du hast beide Teams in New York, Peyton, Philadelphia und Dallas wollen wieder nach vorn. Keiner spricht über uns. Das hilft", sagt Rodgers.
Passangriff sucht seinesgleichen
Eine zusätzliche Motivationshilfe dürfte diese öffentliche Ignoranz Head Coach Mike McCarthy ebenfalls verschaffen.
Denn sein Kader muss sich auf dem Papier vor keinem Kontrahenten verstecken. Mit Rodgers bilden die Anspielstationen Greg Jennings, Jordi Nelson, Donald Driver oder Jermichael Finley ein explosives Passspiel.
Neuzugang Cedric Benson soll mit Allzweckwaffe Randall Cobb und James Starks den Laufangriff variabler machen (DIASHOW: Der NFL-Transfermarkt).
"Wir werden nicht mehr laufen, das ist nicht unsere Identität. Wir wollen und müssen mehr aus den Läufen machen", fordert Rodgers - es würde ihm schließlich auch mehr Zeit zum Werfen bringen.
Umstellung der Abwehr
Wenn es im vergangenen Jahr überhaupt eine Schwachstelle gab, war es die Verteidigung gegen den Pass - nur New England war noch schlechter.
Der Titelverteidiger der NFC North ging dieses Problem von zwei Seiten her an. Zunächst wurden gleich vier Rookies für das Defensive Backfield verpflichtet - der stärkste ist Cornerback Casey Hayward.
Außerdem wechselt der inzwischen 35-jährige Charles Woodson von Cornerback auf Safety. Seine Position als bester Manndecker soll Tramon Williams einnehmen, der seine Schulterverletzung auskuriert hat.
"Ich war lange nicht mehr hundertprozentig fit. Nach einer guten Vorbereitung bin ich wieder in Form und kann den Start kaum erwarten", bestätigt der Pro Bowler von 2010.
Neue Mischung
Die zweite Maßnahme soll der extrem jungen Passverteidigung indirekt helfen. Eine ganze Reihe neuer Linebacker und Defensive Linemen sollen dem gegnerischen Quarterback Druck machen.
Von den Veteranen Anthony Hargrove - er muss zu Saisonbeginn wegen seiner Beteiligung am Kopfgeld-Skandal passen - und Daniel Muir bis hin zu den Rookies Jerel Worthy sowie Nick Perry soll gemeinsam mit Abwehr-Star Clay Matthews Schrecken verbreiten.
"Diese Jungs bringen aber auch eine neue Stimmung in die Kabine. Neben ihrem Talent bringen sie auch mehr Persönlichkeit ins Spiel", lobt McCarthy die neue Teamchemie.
Capers blickt nach vorn
Die fehlende Erfahrung im Defensivbereich ist aber auch gefährlich, denn gerade Detroit und Chicago warten mit reihenweise starken Receivern wie Calvin Johnson oder Brandon Marshall auf.
"Neu ist nicht unbedingt besser. Sie bringen viel Energie, aber ihnen fehlt noch die Konstanz. Mit jeder Trainingseinheit werden sie besser. Wenn die Playoffs anstehen, werden wir viel weiter sein", verspricht Defensive Coordinator Dom Capers.
Bei dem riesigen Offensivpotenzial können aber einige Fehler mühelos kompensiert werden - die Packers werden wohl nicht lange im Schatten bleiben können.