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Ken Whisenhunt übernahm 2007 von Dennis Green den Trainerposten in Arizona © getty

Statt sich heftige Kampfansagen zu liefern, schmeicheln sich Pittsburgh und Arizona vor dem Super Bowl mit Lobhudeleien. Alles nur Taktik?

Von Rainer Nachtwey

München/Tampa - Detroit, 5. Februar 2006: Die Pittsburgh Steelers erklimmen durch einen 21:10-Sieg über die Seattle Seahawks in Super Bowl XL den Football-Olymp.

Ganz Pittsburgh feiert Head Coach Bill Cowher und dessen genialen Trickspielzug - Pass von Wide Receiver Antwan Randle El auf Hines Ward -, der die Entscheidung bringt.

Drei Jahre später stehen die Steelers erneut im Super Bowl.

Zwar sind immer noch Leistungsträger wie Quarterback Ben Roethlisberger und Ward bei den Steelers, doch nicht nur der Kader hat sich verändert:

Trainerkauz Cowher ist mittlerweile TV-Analyst und durch Mike Tomlin ersetzt worden, sein Offensive Coordinator aus jener Zeit, Ken Whisenhunt, der damals den Trickspielzug angesagt hatte, steht nun auf der anderen Seite des Spielfeldes.

Zoff vor dem ersten Aufeinandertreffen

Whisenhunt ist Trainer des Gegners Arizona Cardinals und hat den Klub aus Phoenix erstmals in dessen Geschichte in den Super Bowl geführt.

Dies sorgt für Zündstoff vor dem großen Endspiel und doch geht es überraschend ruhig zu: Die Akteure gehen auf Schmusekurs, obwohl beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Teams die Fetzen flogen. Vor allem Whisenhunt und Roethlisberger standen dabei im Mittelpunkt.

Bereits im September 2007, nur wenige Monate nachdem Whisenhunt bei den Cardinals seinen ersten Job als Head Coach angenommen hatte, stieß er mit Bemerkungen über Roethlisbergers Leistungen in der Post-Super-Bowl-Saison auf wenig Gegenliebe bei seinem Ex-Klub.

Coach Whis wird übergangen

Vielleicht lagen in Whisenhunts Äußerungen auch Frust, nachdem er nach Cowhers Rücktritt bei der Suche nach einem Nachfolger übergangen worden war und die Steelers stattdessen Tomlin als Head Coach präsentierten.

Das Wortgefecht mit Roethlisberger - "Ich stimme mit Coach Whis darin nicht über ein, aber das habe ich ja öfter" - gipfelte schließlich darin, dass "Big Ben" seinem ehemaligen Trainer den Handschlag verweigerte.

Lob für und von "Big Ben"

Mittlerweile haben die beiden ihre Streitereien beendet und loben sich in höchsten Tönen. "Coach Whis war das Beste, was mir passieren konnte", sagt etwa Roethlisberger. "Er hat nicht versucht, mich zu ändern. Er hat mich nur verbessert."

Whisenhunt sprach von einer großartigen Spieler-Trainer-Beziehung und lobt "Big Ben" über den grünen Klee: "Er hat sich zu einem herausragenden Spieler und zu einer Führungspersönlichkeit entwickelt. Ich bin stolz darauf, dass ich einen kleinen Teil dazu beitragen konnte."

Duell unter Freunden

Aber nicht nur zu seinen ehemaligen Spielern, auch zu seinen Trainerkollegen von einst hat Whisenhunt ein gutes Verhältnis.

"Sie sind meine Freunde und ich wünsche ihnen alles Gute, nur in diesem Spiel nicht", beschreibt Pittsburghs Defensive Coordinator Dick LeBeau sein Verhältnis zu Whisenhunt und seinem Assistenten Russ Grimm, der Whisenhunt 2007 nach Phoenix folgte.

Weder Vor- noch Nachteil

Vor allem das Duell zwischen dem ehemaligen Offensive Coordinator und dem damaligen und auch noch heutigen Trainer der Verteidigung elektrisiert die Fans.

"Ich kenne das Playbook von Whis seit langer, langer Zeit", sagt LeBeau mit einem Augenzwinkern.

"Aber glaubt mir: Alles, was ich über Coach Whis weiß, weiß er auch über mich. Da gibt es keinen Vorteil oder nach Nachteil auf beiden Seiten", beschreibt Pittsburghs Verteidigungsgenie die Verhältnisse. "Wir werden versuchen den anderen zu übertrumpfen. So, wie wir es auf dem Golfplatz machen."

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