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Tim Tebow (l.) führte Denver 2011 überraschend in die Playoffs © getty

Durch Tebows Verpflichtung spielt New York in der AFC East mit dem Feuer. Im Süden ist das Fenster für das Texans-Trio offen.

Von Eric Böhm

München - Den Titel Medien-Weltmeister haben die New York Jets in diesem Sommer souverän verteidigt.

Trotz einer schwachen Saison 2011 und ständiger Querelen um Trainer-Lautsprecher Rex Ryan stahlen sie einmal mehr Divisons-Dominator New England die Show.

Der Grund: "Messias" Tim Tebow - aus seinem Paradies Denver vertrieben - eroberte den "Big Apple" und löste sofort eine Quarterback-Kontroverse um den ungeliebten Starter Mark Sanchez aus.

"Die Verpflichtung von Tebow ist ein großer Fehler, mit dem man sich selber und dem eigenen Quarterback nur schadet", sagte etwa Boomer Esiason, der als Quarterback zwischen 1993 und 1995 selbst das Trikot der Jets getragen hatte, dem Radiosender "WFAN".

Riesiger Reinfall?

Der heutige TV-Experte ist nur einer der zahlreichen Kritiker, die dem Traditionsteam eine desaströse Saison prophezeien.

Nach zwei AFC-Endspielen in Folge führten Ryans große Klappe, Sanchez' Nervenschwäche und Egoismen einiger Stars zum Verpassen der Playoffs.

Mit dem gottesfürchtigen und extrem polarisierenden Tebow wurde nun ein weiterer Nebenkriegsschauplatz eröffnet (VORSCHAU: New York Jets).

Lange Durststrecke

Dennoch reicht nur das Potenzial der seit mehr als 40 Jahren auf einen Super-Bowl-Einzug hoffenden New Yorker, um die Patriots und Star-Quarterback Tom Brady zu ärgern.

Die Buffalo Bills und die im x-ten Neuaufbau befindlichen Miami Dolphins werden dagegen nicht als ernsthafte Konkurrenten gehandelt.

Dagegen stellt sich die Situation in der AFC South ganz anders da. Vor dem Saisonstart der NFL in der Nacht auf Donnerstag blickt SPORT1 auf die Divisionen AFC East und AFC South.

AFC East

Seit Beginn der Brady-Ära 2001 besetzten die Patriots immer Rang eins der Division - ein Ende der Serie ist nicht in Sicht (VORSCHAU: New England Patriots).

Das Team des deutschen Offensive Tackles Sebastian Vollmer hat alle Schlüsselspieler gehalten. Zudem ist Offensivgenie Josh McDaniels jetzt wieder für die Angriffsstrategie verantwortlich.

Trotz der erneuten Super-Bowl-Pleite gegen die Giants setzt Brady weiter Maßstäbe und bekam zu seinen starken Anspielstationen Rob Gronkowski (2011: 17 Touchdowns), Aaron Hernandez und Wes Welker noch Receiver Brandon Lloyd hinzu.

"Brady hat so viele herausragende Waffen wie nie zuvor. Das sollte den Kontrahenten richtig Angst einjagen", urteilt TV-Analyst und Ex-Spielmacher Ron Jaworski.

Belichick feilt an der Abwehr

Auch die zuletzt schwache Abwehr wurde mit College-Meister Donta Hightower exzellent verstärkt. Der knurrige Coach Bill Belichick wird die Verteidigung auf Vordermann bringen.

Das einzige Fragezeichen steht hinter der Offensive Line - Vollmer plagen nach wie vor Rückenprobleme.

Obama kritisiert

Die Jets bringen zwar eine Top-Defensive aufs Feld, aber das Tebow-Drama rief selbst Barack Obama auf den Plan. Der US-Präsident zweifelte öffentlich an der Truppe.

"Das ist kein Problem. Er spielt ja nicht für die Jets", witzelte Guard Matt Slauson. Tebows Stellenwert droht das Team zu spalten. Selbst die Coaches sind sich nicht einig.

Der wurfschwache Quarterback soll in speziellen Formationen vor der Endzone, aber auch im Punt-Team eingesetzt werden soll.

In den Testspielen klappte überhaupt nichts. Die magere Ausbeute von 31 Punkten - kein Konkurrent schaffte weniger - und kein einziger Touchdown durch Tebow oder Sanchez spricht Bände.

Bills greifen an

Vielleicht profitieren die Buffalo Bills vom New Yorker Chaos. Der Angriff um Spielmacher Ryan Fitzpatrick und Running Back Fred Jackson hat das Potenzial.

Die notorisch schwache Verteidigung wurde mit Quarterback-Jäger Mario Williams gezielt verstärkt (530664DIASHOW: Der NFL-Transfermarkt). Im Draft wurde der starke Rookie-Cornerback Stephon Gilmore verpflichtet.

"Ich glaube, wir können hier sofort erfolgreich sein. Ansonsten wäre ich nicht hier", meint Williams, der aus Huston mit einem 100-Millionen-Dollar-Vertrag losgeeist wurde.

Neues Gespann in Miami

"Murmeltiertag" in Miami: Die Dolphins haben einen neuen Coach und einen neuen Quarterback. Aktuell dürfen sich Joe Philbin und Neuling Ryan Tannehill versuchen.

Dass Philbin noch nie Head Coach war und Tannehill erst seit eineinhalb Jahren wieder auf der wichtigsten Position im Football spielt, bremst die Aufbruchsstimmung nicht.

"Es hat sich etwas getan. Es weht ein neuer Wind bei uns. Wir haben das Potenzial. Ryan wird viele Leute überraschen", kündigt Eigentümer Stephen Ross an.

AFC South

2011 gelang den Houston Texans endlich die Wachablösung, jetzt sind sie die Gejagten und Anwärter auf die erneute Divisionskrone.

Die Aussichten sind trotz Williams' Abgang rosig, immerhin ist Stamm-Quarterback Matt Schaub - er verpasste das Saisonende und die Playoffs verletzt - ebenso fit wie der herausragende Receiver Andre Johnson und MVP-Kandidat Arian Foster.

Auch die Abwehr um Brian Cushing bringt genügend Star-Power mit. Gary Kubiaks Truppe gilt als Geheimfavorit auf den Super Bowl in New Orleans.

"Das Fenster ist offen. Wir haben das Talent. Jetzt müssen wir es auf das Feld bringen. Das ist das nächste Glied in der Kette", betont Schaub.

Colts misten aus

Peyton Manning war gestern, jetzt beginnt Andrew Lucks Ära. Bei den Indianapolis Colts fiel dem Frühjahrsputz nicht nur der viermalige MVP zum Opfer.

Das neue Führungsduo Ryan Grigson (Manager) und Chuck Pagano (Cheftrainer) mistete konsequent aus.

Luck, der erste Pick des NFL-Drafts 2012, ist die zentrale Figur im Neuaufbau der Colts. Die neuen Systeme in Abwehr und Angriff brauchen Zeit, zudem ist der Kader sehr dünn besetzt.

"Wir sind sicher noch ein oder zwei Jahre von den Playoffs entfernt, aber vielleicht können wir einige Gegner ärgern", hofft Pagano.

Locker übernimmt

Auch die Tennessee Titans machen zur neuen Saison einen Schnitt und setzen auf den jungen Spielmacher Jake Locker, der den 36-jährigen Matt Hasselbeck beerbt.

Seine Mobilität und der fitte Star-Running-Back Chris Johnson könnten ein gutes Gespann werden. Die juristischen Probleme von Top-Receiver Kenny Britt (für Saisoneröffnung gesperrt) und der Abgang des besten Manndeckers Cortland Finnegan könnten weh tun.

"Die Texans sind favorisiert, aber eine positive Bilanz ist in jedem Fall unser Ziel. Ob es dann für die Playoffs reicht, muss man abwarten", sagt Locker.

Jones-Drews Streik beendet

Der Streik von Maurice Jones-Drew bestimmte die Offseason der Jacksonville Jaguars. Der beste Läufer der vergangenen Spielzeit (1606 Yards) wollte einen neuen Vertrag erzwingen.

Deshalb stieg er erst eine Woche vor Saisonstart ins Training ein - keine guten Vorzeichen für den jungen Spielmacher Blaine Gabbert, der als Rookie viel Lehrgeld bezahlen musste.

Die ordentliche Verteidigung und die neuen Receiver Laurent Robinson (kam aus Dallas) und Rookie Justin Blackmon versprechen eine leichte Steigerung. 2011 gelangen fünf Siege.

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