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Auch die Fans bringen ihren Unmut über die schwachen Schiedsrichter zum Ausdruck © getty

Die Aussperrung der Schiedsrichter wirkt sich immer deutlicher aus. Am 2. NFL-Spieltag häufen sich die Fehlentscheidungen der Ersatzleute.

München/New York - Fast wäre Brian Stropolos Traum in Erfüllung gegangen.

Der Amateur-Schiedsrichter und bekennende Fan der New Orleans Saints aus der NFL wurde für die Partie seines Lieblingsteams gegen die Carolina Panthers berufen (Die NFL-Saison LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

Erst kurz bevor es zu spät war, erfuhr die Liga von ihrem Fauxpas und ersetzte Stropolo durch einen anderen Ersatz-Schiedsrichter.

Die unvorstellbare Peinlichkeit war ein neuer Tiefpunkt der Folgen des Gehaltsstreits der professionell ausgebildeten NFL-Schiedsrichter. Auch vor dem 3. Spieltag verliefen die Vertragsgespräche ergebnislos. Dies vermeldeten am Samstag US-Medien. Derzeit seien noch keine weiteren Gesprächsrunden anberaumt.

Streit dauert seit Juni an

Weil die rund 120 offiziellen Referees seit Anfang Juni vom Spielbetrieb ausgeschlossen sind, leiten seit einigen Wochen Amateure die Begegnungen der weltweit größten Football-Liga.

Anfang September waren die jüngsten Verhandlungen zwischen der Schiedsrichter-Gewerkschaft und der NFL über die Pensionsansprüche der Unparteiischen gescheitert. Die Vorstellungen beider Seiten liegen um rund 60 Millionen US-Dollar auseinander.

Bei Einnahmen der NFL von rund 9,3 Milliarden US-Dollar pro Jahr eine vergleichsweise eher kleine Streitsumme.

Aikman spricht Klartext

Die Probleme sind offensichtlich: Zahlreiche Fehlentscheidungen stören den Spielbetrieb, die Gesundheit der Profis steht auf dem Spiel. Die Ersatz-Referees legen Regeln falsch und oft zu weich aus. Das nutzen die Akteure aus.

"Auf einer Skala von eins bis zehn stellt die Situation eine zwölf dar", sagte DeMaurice Smith, Vorsitzender der Spielervereinigung ( 611919 DIASHOW: Die Bilder des 2. Spieltags ).

In dieselbe Kerbe schlug auch Troy Aikman, ehemaliger Star-Quarterback der Dallas Cowboys und heutiger TV-Experte: "Ich habe sehr viele illegale Aktionen gesehen, die zu schweren Verletzungen führen können."

Trainer beschweren sich

Einen negativen Höhepunkt stellte das Monday Night Game des 2. Spieltages in Atlanta dar. Die Falcons schlugen die Denver Broncos 27:21 (Spielbericht), doch die Aussetzer der Unparteiischen sorgten für die Schlagzeilen.

Das erste Viertel dauerte aufgrund endloser Diskussionen, einer handfesten Rudelbildung und chaotischer Regelauslegung insgesamt eine Stunde. In der ersten Hälfte wurden drei Entscheidungen durch Videobeweise wieder zurückgenommen.

Von den insgesamt 18 Flaggen gegen beide Teams war mindestens die Hälfte ungerechtfertigt oder wurden mit falschem Strafmaß verhängt.

"Es war Chaos! Es war wirklich kontrolliertes Chaos. Das ist jetzt nur noch ein Randaspekt, aber genau das habe ich gesagt", echauffierte sich Denvers Coach John Fox, der sich lange Wortgefechte mit den gestreiften Amateuren lieferte.

Goodell bleibt stur

Das Problem ist nicht neu. Schon vor der Saison 2001, als die Gehaltsverhandlungen zwischen den beiden Parteien scheiterten, wurden NFL-Referees vom Spielbetrieb ausgeschlossen.

Damals sprangen erfahrene Schiedsrichter aus dem College-Sport ein, die dieses Mal ihren NFL-Kollegen jedoch nicht in den Rücken fallen wollten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

"Es ist sehr schwer, ein Spiel zu leiten. Diese Schiedsrichter haben außergewöhnliche Arbeit verrichtet. Wir sind mit ihren Leistungen sehr zufrieden und sie werden noch besser", sagte NFL-Boss Roger Goodell, stellte jedoch klar, dass er die besten Referees auf dem Feld haben will.

Erste Frau profitiert

Die 42 Jahre alte Shannon Eastin aus Tempe (Arizona), die sonst als Schiedsrichterin in der zweithöchsten Spielklasse des College-Footballs aktiv ist, schrieb indes am ersten Spieltag der Saison Geschichte.

Sie wurde als erste Frau bei der Partie zwischen den Detroit Lions und den St. Louis Rams als Linienrichterin eingesetzt.

"Frauen sind ehrlicher und fairer als Männer. Und sie wissen, wie man einen Mann beim Betrügen erwischt", sagte Larry Foote, Linebacker der Pittsburgh Steelers. Die Spieler nehmen die Situation mit Humor.