Jets-Krise: Enttarnter Geheimtipp als Sargnagel?
Von Eric Böhm
München/New York - Es hat also nur vier Wochen gedauert: Nach dem 0:34-Debakel gegen San Francisco nahm die Tebow-Welle in New York Fahrt auf.
Die schwachen Leistungen des ohnehin nur geduldeten Quarterbacks Mark Sanchez lassen die Rufe nach NFL-Liebling Tim Tebow lauter werden und stürzen die Jets in ein Dilemma.
Statt sich auf das Monday Night Game gegen die ungeschlagenen Houston Texans (ab 2.35 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) vorzubereiten, müssen die Verantwortlichen über ihren Ersatz-Spielmacher reden.
"Tim ist ein großartiger Spieler, das ist Mark aber auch. Er gibt uns die beste Siegchance. Ich weiß in meinem Herzen, dass es nicht Tims Zeit ist", setzt Coach Rex Ryan auf die Gefühlsschiene.
Sanchez im Kreuzfeuer
Trotz zweier Siege stehen die Jets und Sanchez am 5. Spieltag massiv unter Druck, sonst könnte der Blätterwald in New York einen Herbststurm auslösen.
Seit dem Auftaktsieg gegen Buffalo steckt der aktuelle Starter in einer Krise. Noch nie zuvor blieb er in seiner Karriere drei Spiele lang mit seiner Passquote unter 50 Prozent.
Obwohl er die Jets schon zweimal ins AFC-Finale dirigierte, hat der Sunny Boy aus Kalifornien im "Big Apple" einen schweren Stand.
Großes Lazarett
Neben sportlichen Fehlern werden ihm häufig schlechte Körpersprache und mangelnder Trainingseifer vorgeworfen (DIASHOW: Bilder des 5. Spieltags).
"Ich muss deutlich besser spielen. Das ist klar. Ich weiß, ich kann die Leute mit Leistung überzeugen", sagt Sanchez.
Die Verletzungen seiner wichtigen Anspielstationen Dustin Keller, Rookie Stephen Hill (beide Oberschenkelprobleme) und Santonio Holmes (Fußverletzung) machen die Situation nicht besser.
Aufschwung gegen Lieblingsgegner?
Ryan steckt in der Zwickmühle. Bringt er jetzt den limitierten Passer Tebow, hat Sanchez keine Zukunft bei den Jets.
Funktioniert das Experiment dann nicht, wären wohl auch Ryans Tage gezählt. Eine weitere Blamage gegen die starken Texans würde dem wortgewaltigen Trainer aber kaum noch eine Wahl lassen.
Zumindest hat Sanchez an Houston gute Erinnerungen. Sein NFL-Debüt gewann er 2009 und wurde zum Rookie der Woche ernannt. 2010 lieferte er beim 30:27 eine tolle Leistung und warf 15 Sekunden vor Schluss den siegbringenden Touchdown auf Holmes.
Abwehr trumpft auf
Die Texaner sind aber nicht mehr der Sieglieferant früherer Jahre. In der vergangenen Saison wurden erstmals die Playoffs erreicht - 2012 läuft es noch besser.
Neben der ausgezeichneten Offensive um Running Back Arian Foster, Receiver Andre Johnson und Quarterback Matt Schaub erreicht auch die Abwehr immer öfter Topniveau.
Statistisch sind sie die beste Verteidigung der AFC und forcieren extrem viele Ballverluste. Beim Sieg über Tennessee gelangen Danieal Manning und Kareem Jackson Defensiv-Touchdowns.
"Wir arbeiten hervorragend zusammen und attackieren immer den Ball. Ein Spieler bindet selbstlos Blocker, damit ein anderer den Sack oder die Interception bekommt", sagt Quarterback-Jäger J.J. Watt.
Foster ist heiß
Beide Mannschaften plagen vor der Partie aber Sorgen im Defensive Backfield. Die Jets werden Darrelle Revis (Kreuzbandriss) wesentlich mehr vermissen, als Houston seinen Safety Quintin Demps (Armbruch).
Die souveränen Siege haben den Geheimfavoriten auf den Super-Bowl-Einzug enttarnt. In der AFC South ist der Vorsprung der Texans bereits jetzt sehr groß. Immer mehr Experten halten den Titel für möglich ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).
Die schwierige Saison der Jets ist auch bei dem neben Atlanta letzten ungeschlagenen NFL-Team ein Thema.
"Sie sind besonders gefährlich und werden im Monday Night Game noch einmal alles aus sich herausholen. Andererseits können wir zu einem Sargnagel ihrer Saison werden", hofft Foster.