Nach K.o. und Morddrohungen: 49ers schwören Rache
Von Eric Böhm
München - Kyle Williams hatte mehr als seine Teamkollegen mit den Nachwirkungen zu kämpfen.
Im nach Verlängerung verlorenen NFC-Finale seiner San Francisco 49ers gegen die New York Giants im Januar wurde der Receiver durch zwei Fumbles zum Buhmann und sogar Opfer von Twitter-Morddrohungen.
Entsprechend heiß ist Williams vor dem 6. Spieltag auf die Revanche für das entgangene Super-Bowl-Ticket gegen den Meister (ab 22.20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).
"Natürlich wollen wir dafür Rache. Wir haben das Gefühl, dass sie etwas haben, was eigentlich uns zugestanden hätte", betont der 24-Jährige, der zuletzt gegen Buffalo seinen ersten Touchdown der Saison erzielt hatte.
49ers besser besetzt
Eine Hauptrolle wird er gegen die Giants aber wohl nicht spielen. Denn in San Francisco ist der Angriff qualitativ breit besetzt.
Altstar Randy Moss und der von den New Yorkern gekommene Mario Manningham verstärkten die Riege der Wide Receiver.
"Wir haben jetzt mehr Talent im Kader. Außerdem fühlen sich die Jungs im zweiten Jahr in unserem Angriffssystem wohler", sagt Head Coach Jim Harbaugh.
Smith beeindruckt
Die Niners sind mit durchschnittlich 29,8 Punkten pro Partie die drittbeste Offensive der NFL. Das Punkteverhältnis der vergangenen beiden Spiele (79:3) beeindruckt.
Der größte Profiteur ist Alex Smith. Mit acht Touchdowns, einer Interception und der Passquote von fast 69 Prozent ist er derzeit der effizienteste Quarterback (DIASHOW: Bilder des 6. Spieltags).
Das Laufspiel um Running Back Frank Gore ist ohnehin stark. Gegen Buffalo wurden zum ersten Mal in der Liga-Historie mindestens 300 Yards durch Pässe und Läufe erzielt.
"Wir hatten dieses Jahr eine komplette Offseason, um uns einzuspielen. Die Offensive Line macht einen großartigen Job. Ich verteile nur den Ball", gibt sich Smith bescheiden.
Nicks vor Rückkehr
Der Titelverteidiger muss sich aber auch nicht verstecken. Fast 430 Yards pro Spiel der "G-Men" können derzeit nur Sebastian Vollmers New England Patriots überbieten.
Da passt es ausgezeichnet, dass Eli Mannings zweiter Top-Receiver - neben Victor Cruz - vor dem Comeback steht.
Hakeem Nicks trainierte in der Woche nach Knie- und Fußproblemen erstmals wieder und könnte auflaufen. In den Playoffs fing er Pässe für 444 Yards.
"Wir haben damals nicht gut gespielt und trotzdem gewonnen. Wir sind stärker geworden", sagt Manning.
Abwehr ist Trumpf
Im NFC-Finale brillierte die Verteidigung und entnervte Smiths Angriff. Ob sie mit dem deutschen Rookie Markus Kuhn diesmal erneut so viel Druck aufbauen kann, bleibt abzuwarten.
Statistisch gesehen hat die Abwehr der Kalifornier, die vier von fünf Saisonspielen gewannen, Vorteile. Sie gestatteten den fünf bisherigen Gegnern insgesamt nur 68 Punkte ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).
"Wir wollen mit dem vierten Sieg unsere positive Bilanz behaupten. Dafür müssen wir punkten. Wir sind gut vorbereitet", meint Giants-Coach Tom Coughlin.
SPORT1 blickt auf zwei weitere Partien des 6. Spieltages der NFL:
• Houston Texans - Green Bay Packers
Ein Kracher des Spieltages steigt in Houston. Die heimischen Texans sind nach wie vor ungeschlagen und empfangen den kriselnden Topfavoriten Green Bay Packers (ab 2.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).
Die Stärke der Texaner ist die Ausgeglichenheit: Neben der starken Offensive um Running Back Arian Foster glänzt auch die Abwehr.
Allerdings fällt Pro-Bowler Brian Cushing bis Saisonende aus. Der Linebacker zog sich einen Kreuzbandriss zu.
"Es ist ein Rückschlag, aber auch eine Herausforderung. Die Jungs müssen das gemeinsam auffangen", sagt Cheftrainer Gary Kubiak. Tim Dobbins übernimmt Cushings Startplatz.
Rodgers selbstkritisch
Die Packers plagen neben personellen auch sportliche Sorgen. Statt einer leise erhofften perfekten Saison steht nach schon drei Pleiten nur Rang drei in der Division zu Buche.
Running Back Cedric Benson fällt mit einer Fußblessur aus. Tight End Jermichael Finley, Abwehrspieler B.J. Raji und der beste Receiver Greg Jennings schlagen sich mit diversen Problemen herum.
"Es lief bisher sicher nicht rund, aber es ist noch genug Zeit. Wir müssen endlich unser Potenzial umsetzen. Das gilt in erster Linie für mich", fordert MVP Aaron Rodgers.
• Baltimore Ravens - Dallas Cowboys
Die Dallas Cowboys haben nach ihrer spielfreien Woche etwas gutzumachen. Nach der desaströsen Vorstellung gegen die Chicago Bears muss eine Steigerung her.
Denn bei den Baltimore Ravens wartet auf "Americas Team" eine ganz harte Nuss. Die Ravens sind mit nur einer Niederlage Tabellenführer der AFC North.
Der polarisierende Cowboys-Quarterback Tony Romo muss vor allem seine fünf Interceptions abschütteln.
"Wir werden nicht aufgeben. Wir haben gute Führungspersönlichkeiten und werden das Blatt wenden", verspricht Tight End Jason Witten.
Harbaugh mit Baseball-Rhetorik
Die Gastgeber sehen sich nach ihrem mühevollen 9:6 in Kansas City ebenfalls in der Bringschuld.
Erstmals seit 43 Spielen gelang ihnen kein Touchdown, und die Abwehr gab 214 Laufyards ab - das gab es seit 15 Jahren nicht mehr.
"Es gibt einige Sachen, die nicht gut waren. Wir sind wie ein Pitcher, der immer das perfekte Spiel jagt", bedient sich Coach John Harbaugh einer Baseball-Metapher.