Flügellahme Ravens fürchten den AFC-Schlager
Von Eric Böhm
München - Die Rollen sind vertauscht: Über Jahre hat bei den Baltimore Ravens die beinharte Abwehr den Angriff mitgeschleppt.
Nach den zahllosen Verletzungen im Defensivbereich ist im Spitzenspiel der AFC bei den Houston Texans (ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) nun die Offensive gefordert, die Kohlen aus dem Feuer zu holen.
Vor allem der Verlust des emotionalen Anführers Ray Lewis (Triceps-Riss) macht dem Tabellenführer der AFC North vor dem 7. Spieltag zu schaffen.
"Es wird definitiv ein mulmiges Gefühl sein, ohne Ray aufs Feld zu gehen. Die Texans sind ein starker Gegner. Wir sind der Außenseiter", stapelt Linebacker Paul Kruger tief.
Harbaugh hat Vertrauen
Solche fast angsterfüllten Aussagen kennt man von den Ravens nicht.
Eigentlich schüchterten immer Lewis, Ed Redd und Terrell Suggs ihre Kontrahenten mit markigen Sprüchen sowie harten Hits ein (DIASHOW: Bilder des 7. Spieltags).
Die schweren Nackenschläge für Suggs (Achillessehnenriss), Cornerback Lardarius Webb (Kreuzbandriss) oder Lewis haben jedoch Spuren hinterlassen.
"Es gab über die Jahre immer wieder Spiele, die von der Verteidigung im Alleingang gewonnen wurden, jetzt muss die Offensense mehr machen. Ich glaube, sie können das", sagt Head Coach John Harbaugh.
Angriff ist gut drauf
In der Tat scheint die Einheit um Quarterback Joe Flacco und einen der besten Running Backs Ray Rice dafür prädestiniert zu sein.
Mit durchschnittlich 385 Yards pro Spiel steht Baltimore in der eigenen Conference hinter den New England Patriots auf Rang zwei.
Suggs hofft
Eine gute Nachricht gibt es für die geschundene Abwehr doch noch. Suggs trainiert sechs Monate nach seiner Verletzung wieder und hegt eine Hoffnung auf das Blitz-Comeback.
"Es gibt keinen Plan. Ich muss von Tag zu Tag schauen. Vielleicht klappt es", sagt der amtierende Defensivspieler des Jahres.
Beim letzten Aufeinandertreffen im Januar gelang Baltimore ein 20:13-Erfolg in den Playoffs. Von sechs Duellen konnten die Texans keines gewinnen.
Schaub ist heiß
Das will vor allem Houstons Quarterback Matt Schaub ändern, der beim Aus im Januar wegen einer Fußverletzung zuschauen musste.
Schließlich könnte es ein Vorgeschmack auf ein Wiedersehen in der K.o.-Runde werden. Beide Teams weisen mit einer Niederlage die beste Bilanz der AFC auf.
"Es ist eine Gelegenheit, vor eigenem Publikum ein Zeichen zu setzen. Nach der Pleite gegen Green Bay wäre das besonders wichtig", bestätigt Schaub.
Neben seinen Pässen muss auch Star-Runner Arian Foster wieder besser eingebunden werden. Trotz zweier Touchdowns schaffte er gegen die Packers nur 29 Yards.
SPORT1 blickt auf zwei weitere Partien des 7. Spieltages der NFL:
• New England Patriots - New York Jets
In der AFC East weisen alle vier Teams eine ausgeglichene Bilanz auf ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).
Für die New England Patriots und die New York Jets ist das vor der nächsten Auflage (ab 22.20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) der Rivalität definitiv zu wenig.
Sebastian Vollmers Pats haben trotz des besten Angriffs neuerdings in engen Spielen große Probleme. Ihre drei Niederlagen erlitten sie mit insgesamt vier Punkten Unterschied.
"Sechs Spiele definieren keine Saison, aber wir haben keine bessere Bilanz verdient. Wir müssen den Killerinstinkt wiederfinden", fordert Star-Quarterback Tom Brady.
Ryan tönt wieder
Während die Patriots nach Aaron Hernandez' Comeback wieder voll bestückt sind, kommt es für die Jets immer dicker.
Neben den langzeitverletzten Stars Darrelle Revis, Santonio Holmes, Dustin Keller und Nick Mangold müssen nun auch die beiden Ersatzmänner von Running Back Shonn Green passen.
Joe McKnight plagt eine Knöchelblessur. Bilal Powell kugelte sich die Schulter aus. Jetzt soll es Geheimwaffe und Ersatz-Spielmacher Tim Tebow richten.
"Er wird als Back zum Einsatz kommen. Ich möchte sie wissen lassen, dass wir sie schlagen werden", findet Cheftrainer Rex Ryan rechtzeitig seine große Klappe wieder.
• New York Giants - Washington Redskins
Jetzt wird es für Super-Rookie Robert Griffin III ernst. Das erste Divisionspiel seiner Karriere führt ihn zum Titelverteidiger.
Der bisher so stark aufspielende Quarterback tritt mit seinen Washington Redskins bei den New York Giants an.
RGIII ist nicht nur der drittbeste Passer der Liga, sondern steht mit sechs Lauf-Touchdowns auch auf NFL-Rang zwei.
"Es wird für uns ein großer Test. Er hat unglaublich viel Talent. Wir werden alle Hände voll zu tun haben", sagt New Yorks Quarterback-Jäger Osi Umenyiora.
Lob von Coughlin
Der Teamkollege des deutschen Defensive Tackles Markus Kuhn dürfte Griffin aber ebenso einen unruhigen Nachmittag bescheren. Die Giants sind schließlich für ihre druckvolle Abwehr bekannt.
Die Redskins gewannen in der vergangenen Saison beide Partien und können mit ihrer neuen Explosivität selbstbewusst in die Partie der punktbesten Mannschaften gehen.
"Sie haben das beste Laufspiel. Es ist nicht nur Griffin. Alfred Morris ist ein kraftvoller Läufer. Wir müssen auf der Hut sein", warnt Giants-Coach Tom Coughlin.