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Roethlisberger (r.) gewann 2006 bereits den Super Bowl, für Holmes ist es der erste Erfolg © getty

Vor den Augen von Cuba Gooding Jr. legt Arizona im Super Bowl eine filmreife Aufholjagd hin. Am Ende gewinnt aber der Favorit.

Von Rainer Nachtwey

München/Tampa - Der Spielverlauf bei einem Hollywoodstreifen verhält sich zumeist so: Der Außenseiter gerät scheinbar aussichtslos in Rückstand und dreht in allerletzter Sekunde das Spiel dank eines grandiosen Spielers noch in einen Sieg.

Auch der Super Bowl XLIII zwischen den Pittsburgh Steelers und den Arizona Cardinals schien diese Wendung zu nehmen.

Doch das Happy End für den Außenseiter Arizona blieb aus. Die Cardinals unterlagen den Steelers mit 23:27.

Dabei saß mit Cuba Gooding Jr. sogar ein Football-Darsteller aus Hollywood im Publikum. Gooding jr. hatte für seine Darstellung als Wide Receiver für die Arizona Cardinals in dem Film "Jerry Maguire - Spiel des Lebens" sogar einen Oscar gewonnen, quasi den Super Bowl des Filmgeschäfts.

Holmes zerstört Hollywood-Drehbuch

Doch während er in dem Kinofilm den entscheidenden Touchdown-Pass für die Cardinals erzielt, bleibt Goodings Rolle Santonio Holmes vorbehalten - dem Wide Receiver der Pittsburgh Steelers.

Und Holmes' Auftritt in den letzten Sekunden der Begegnung hätte ebenso gut in jeden Kinofilm made in Hollywood gepasst, nur dass er eben nicht beim Außenseiter, sondern dem Favoriten spielt.

Beim ersten Versuch von Quarterback Ben Roethlisbergers Holmes in der Endzone zu bedienen, glitt der Ball dem Receiver durch die Finger. Sechs Sekunden später war er dann aber zur Stelle.

"Big Ben" zweifelt an seinem Können

"Meine Füße haben nie den Boden verlassen", beschreibt er seinen Fang in der hintersten Ecke der Cardinals-Endzone: "Ich habe nur meine Arme ausgestreckt und mich so lang wie möglich gemacht."

Während für Arizonas Dominique Rodgers-Cromartie ziemlich schnell "klar war, dass er ihn hat", war Roethlisberger besorgt. "Ich dachte schon, Cardinals-Cornerback Ralph Brown würde den Pass abfangen", beschreibt "Big Ben" die Szene. Und der Spielmacher verrät weiter: "Eigentlich war Mewelde Moore die erste Anspielstation, aber er war ebenso wie Hines Ward gedeckt. Dann habe ich Santonio in der Ecke gesehen."

Steelers alleiniger Rekordhalter

Dabei ist es verwunderlich, dass Holmes nur die dritte Wahl war, schließlich führte der Receiver die Steelers-Offense auf dem Weg zur Endzone fast die komplette 79 Yards zum Ziel. Er fing vier Pässe von Roethlisberger über 74 Yards.

"Ich habe ihm immer gesagt, dass er das Talent dazu hat, um spezielle Dinge zu tun. Es gab keine bessere Möglichkeit, als dies heute zu beweisen", sagt Teamkollege Ward.

Dies hat auch Holmes erkannt. "Damit gehen wir in die Geschichtsbücher ein", sagt der Wide Receiver. Denn für die Steelers war es der sechste Super-Bowl-Titel und sind nur alleiniger Rekordsieger.

Roethlisberger für Young MVP

Aber nicht nur Holmes, der für seine neun Catches über 131 Yards als Super-Bowl-MVP geehrt wurde, bewies sein Können, auch Spielmacher Roethlisberger widerlegte mit seiner starken Vorstellung seine Kritiker. "Für mich ist er der eigentliche MVP", adelt Quarterback-Legende Steve Young "Big Ben": "Nichts gegen die Leistung von Santonio Holmes, aber Ben hat gezeigt, dass er ein ganz Großer ist."

Und nicht nur für den Super-Bowl-Sieger XXIX war Roethlisberger der Held. "Sie sind Champion, weil Ben unglaublich gespielt hat", lobt Gegner Bertrand Berry, "Die meisten Quarterbacks hätten so etwas nicht zu stande gebracht, er schon. Er ist ein echter Champion."

Roethlisberger brachte bei seinem persönlichen Happy End sechs seiner acht Pässe an den Mann und machte damit seinen ersten Auftritt im Super Bowl XL vergessen, als nur neun seiner 21 Pässe das Ziel fanden.

Filmreifes Schlusswort

"Ich habe den Jungs gesagt: 'Jetzt oder nie. Wenn wir den Touchdown schaffen, wird man sich ewig an uns erinnern'", sagt er.

"Ich war überhaupt nicht nervös", beschreibt der 26-Jährige seinen Gemütszustand. "Schlimmer war es kurz vor dem Kickoff, als die Jets über unsere Köpfe hinweggeflogen sind", sagt er cool und schmunzelt.

Für den Abspann in einem Hollywoodstreifen hätte es kein besseres Schlusswort gegeben.

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