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Robert Griffin III, Andrew Luck und Russell Wilson (v.l.) führten ihre Teams in die Playoffs © getty

Die Quarterbacks führen ihre Teams aus den Niederungen in die Playoffs. Speziell Seattle beweist ein glückliches Händchen.

Von Eric Böhm

München - Diese Entwicklung hatten wohl selbst die eingefleischtesten Anhänger der Washington Redskins nicht für möglich gehalten.

Die Erwartungshaltung an Robert Griffin III war gewaltig. Dass der charismatische Quarterback die darbenden Skins gleich zur ersten Divisionsmeisterschaft seit 13 Jahren führen würde, überraschte dann doch.

"Es ist natürlich immer eine Teamleistung, aber Robert ist ein Phänomen. Er hat uns ein Gesicht gegeben", lobt Lineback London Fletcher.

Mindestens ebenso bemerkenswert eroberten Andrew Luck und Russell Wilson die NFL. Alle drei Jungstars stehen am Wildcard-Weekend vor ihrem ersten Playoff-Einsatz (Die NFL-Playoffs LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

Hype um Griffin

Besonders bemerkenswert ist der Aufstieg Griffins. "RGIII" ist schon jetzt ein anerkannter Markenname. Er hat in der Hauptstadt eine lange vermisste Euphorie ausgelöst.

Dabei waren die Redskins nach neun Spieltagen fast schon abgeschrieben. Mickrigen drei Siegen standen sechs Niederlagen gegenüber.

"Da war uns allen klar, dass wir eine Reaktion zeigen mussten. Mit dem Rücken zur Wand hat uns Coach Shanahans Ansprache den richtigen Kick gegeben", erklärt Griffin.

Redskins in Topform

Der erfahrene Trainer reizte sein Team in der spielfreien Woche, indem er die Playoff-Teilnahme fast schon abhakte und über den Kader für die nächste Saison sprach.

Danach gelangen seiner Truppe sieben Siege in Folge. Damit kegelten sie Titelverteidiger New York Giants und Dallas aus dem Rennen (657022DIASHOW: Die Bilder des 17. Spieltages).

Selbst Griffins Verletzung gegen Baltimore steckte die Truppe weg - Rookie-Kollege Kirk Cousins sprang in Cleveland erfolgreich ein.

Dennoch hat der ehemalige Hürdenläufer RGIII einen unschätzbaren Anteil am Erfolg. Durch seine Fähigkeiten als Passer und Läufer stellt er die gegnerischen Abwehrreihen vor unlösbare Probleme.

Shanahan-System funktioniert

Shanahans Sohn Kyle hat als Offensive Coordinator ein dynamisches System entwickelt, das Griffin immer die Optionen Pass, eigenen Lauf oder Abgabe an den starken Running Back Alfred Morris - natürlich ebenfalls ein Neuling - erlaubt.

So stellt der dreimalige Super-Bowl-Champion nicht nur den besten Laufangriff der Liga, sondern erzielt mit durchschnittlich 27,3 auch die viertmeisten Punkte - 2011 kamen sie in keinem Spiel über 28 hinaus.

"Mit Roberts Talent kannst du die Offense leicht ins Laufen bringen. Er ist schnell und kann trotzdem jederzeit einen langen Pass einstreuen", bestätigt Kyle Shanahan.

Wilson aus dem Nichts

Am Sonntag treffen die Redskins auf Seattle (ab 22.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM). Die Seahawks bringen dann ihr eigenes Phänomen mit.

Während Washington diverse hohe Draftpicks opferte, um Griffin an Nummer zwei verpflichten zu können, musste Wilson bis zur dritten Runde warten.

Ursprünglich sollte ohnehin Aaron Rodgers' ehemaliger Backup Matt Flynn die Quarterback-Position übernehmen. Er wurde für viel Geld aus Green Bay losgeeist.

Lob von Kollegen

In der Vorbereitung überzeugte Coach Pete Carroll jedoch nur Wilson, der einst am College Teamkollege des deutschen Markus Kuhn (NY Giants) gewesen war.

Nach einer beeindruckenden College-Karriere bemängelten viele Experten seine mangelnde Körpergröße (1,80 Meter). "Ansonsten wäre er der erste Pick gewesen", sagt Ex-Coach und TV-Experte Jon Gruden.

Mit 26 Touchdown-Pässen übertrifft er sogar Griffin und ist ebenfalls sehr beweglich. "Ohne ihn wären wir nicht in den Playoffs", betont Running Back Marshawn Lynch.

Luck ersetzt Manning

Fast schon unter dem Radar bewegte sich im Gegensatz dazu Luck. Er wurde von den Indianapolis Colts im April an Nummer eins ausgewählt und sollte Peyton Manning ersetzen.

Dass es schnell ruhig um den Stanford-Absolventen wurde, lag an seiner ruhigen Art und den unspektakulären Top-Leistungen (DATENCENTER: Alle Ergebnisse). Er bringt Woche für Woche seine Leistung.

Aus einem Team mit nur zwei Siegen machte der beste reine Passer des Trios - mit 4374 Yards stellte er einen NFL-Rekord für Rookies auf - sofort ein Playoff-Team, dass in Baltimore zum Wildcard-Spiel antritt. (So., ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM)

"Er ist ein großartiger Spieler, aber noch besserer Mensch. Seine Teamkollegen lieben ihn. Er ist in Rekordzeit zum Anführer gereift", schwärmt Receiver-Routinier Reggie Wayne.

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