vergrößernverkleinern
Defensive End Björn Werner wechselte 2010 an die Florida State University © getty

Björn Werner gehört beim NFL-Draft zum elitären Kreis. Neben der großen Karriere hat der Quarterback-Killer eine weitere Mission.

Von Eric Böhm

München - Der Tag X ist endlich da: Björn Werner hat sein großes Ziel vor Augen.

Das deutsche Supertalent wurde als einer von nur 23 Auserwählten zum NFL-Draft nach New York eingeladen und wird vor Ort erfahren, wo seine Karriere beginnen wird.

"Ich habe kein Lieblingsteam, ich liebe die NFL als Ganzes. Das Team, das mich wählt, wird mein Lieblingsteam. Egal wo es hingeht, ich werde fröhlich sein, denn ich habe es in die NFL geschafft", sagt Werner bei SPORT1.

Nach Sebastian Vollmer und Markus Kuhn wird der Berliner als dritter Deutscher ausgewählt, die Position der beiden Landsmänner aber wohl deutlich überflügeln.

Werner in den Top Ten?

Vollmer kam 2009 in der zweiten Runde zu den New England Patriots, Kuhn musste im vergangenen Jahr bis zur siebten Runde warten, ehe ihn die New York Giants verpflichteten.

Modellathlet Werner wird von manchen Experten in den Top Ten gesehen, eine Position zwischen 12 und 28 erscheint in jedem Fall realistisch. Kuhns Giants (19. Pick) gelten als heißer Kandidat.

"Ein eher späterer Pick würde ein Top-Team bedeuten, bei einem frühen Pick könnte ich vielleicht bei einem Rebuild helfen. Ich finde beides sehr reizvoll", bleibt der 22-Jährige gelassen.

Der "Berlinator" inspiriert

Mit herausragenden Leistungen an der renommierten Florida State University kämpfte sich der Defensive End ins Rampenlicht.

In seiner College-Conference wird er in der abgelaufenen Saison zum besten Verteidiger gewählt und inspirierte die US-Kommentatoren zu Spitznamen wie "Germanator" oder "Berlinator".

Neben seiner vorbildlichen Einstellung stechen vor allem seine herausragenden Football-Instinkte heraus, obwohl er erst mit 14 Jahren anfing, Tackle-Football zu spielen und sofort zum Nationalspieler aufstieg.

"Instinkte kannst du ja nicht wirklich trainieren. Ich hatte schon von Anfang an den richtigen Riecher für die Situation. Scheinbar wurde ich für Football geboren", hatte Werner schon im Dezember im SPORT1-Interview betont (WERNER: "Ich wurde für Football geboren").

Fisher: "Der geborene Anführer"

Auf seiner Position in der Defensive Line gilt der immer gutgelaunte 120-Kilogramm-Brocken als einer der drei besten Spieler der diesjährigen Klasse.

Werners Beschreibung seiner Hauptaufgabe merkt man die auf diesem Niveau wichtige Mischung aus Leidenschaft und Freude am Körperkontakt an: "Ich muss den Quarterback killen."

Die Spielmacher-Stars Tom Brady, Peyton Manning oder Aaron Rodgers können sich warm anziehen, denn Pro-Bowl-Potenzial attestiert ihm nahezu jeder Scout.

"Björn wird seinen Weg machen. Er ist der geborene Anführer und einer der besten Spieler in der Geschichte der Florida State", lobt College-Trainer Jimbo Fisher.

Familie beim Draft dabei

Statt des schmalen Stipendiums in Florida (900 Dollar monatlich) wird Werner bald ein Millionengehalt kassieren. Zu seiner bodenständigen Art passen aber dicke Kette und große Autos nicht.

"Das Wichtigste ist, dass ich mir keinen Kopf mehr darum machen muss, wie ich das Essen auf den Tisch bekomme", sagt Werner, der aus dem wenig schillernden Berliner Kiez stammt und den Hype auch deshalb richtig einordnen kann.

Dazu passt, dass die gesamte Familie beim Draft in New York dabei ist. In den vergangenen sechs Jahren haben sie ihn nur selten gesehen, da er im Rahmen eines Programms der alten NFL Europe an eine High School in Connecticut wechseln durfte.

"Football in Deutschland helfen"

Neben einer erfolgreichen Karriere hat der erstaunlich reif wirkende Werner noch eine weitere persönliche Mission im Blick.

"Mein Hauptziel ist es, Jungs zu inspirieren, mir nachzueifern und ebenfalls den Sprung zu schaffen. Das würde dem Football in Deutschland helfen", sagt der Jungstar.

Der "Germanator" bringt neben der sportlichen Klasse auch das notwendige Charisma für diesen schwierigen Job mit.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel