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Björn Werner (r.) spielte drei Jahre für die renommierte Florida State University © twitter

Supertalent Björn Werner startet bei den Colts ins Training. Im SPORT1-Interview spricht er über Draft, Ziele und den Spitznamen.

Von Christian Stüwe

München - Früher ist noch nie ein europäischer Feldspieler im Draft ausgewählt worden: Björn Werner hat das Zeug zum ersten deutschen NFL-Star.

In dieser Woche startet der hochtalentierte Quarterback-Jäger in die ersten Trainingseinheiten im Trikot der Indianapolis Colts (709347DIASHOW: Der NFL-Draft 2013).

Das Team hat seit dem Abschied von Star-Quarterback Peyton Manning im Jahr 2011 einen konsequenten Umbruch vollzogen und gilt mit vielen Jungstars als zukünftiger Anwärter auf den Super Bowl.

"Die Colts sind ein Team, das in den nächsten Jahren sehr erfolgreich sein wird. Mir vorzustellen, dass ich daran teilhaben darf, ist einfach super", bestätigt Werner.

Werner komplettiert deutsches Trio

Der nach Sebastian Vollmer und Markus Kuhn dritte Deutsche in der NFL soll auf seiner neuen Position als Outside Linebacker ein Eckpfeiler dieser angestrebten Entwicklung werden.

Im SPORT1-Interview spricht Werner unter anderem auch über das Draft-Spektakel in New York, seine hochgesteckten Ziele, die deutschen Kollegen und seinen Spitznamen.

SPORT1: Zunächst einmal Glückwunsch zur Auswahl im Draft. Sie hatten jetzt etwas Zeit, alles zu verarbeiten. Wie fühlt man sich als frischgebackener NFL-Spieler?

Björn Werner: Es ist noch schwer zu realisieren, dass ich es in die NFL geschafft habe. Wahrscheinlich muss ich erst einmal das Trikot anziehen und den Helm aufsetzen. Dann wird es sich ein bisschen anders anfühlen, glaube ich. Aber ich freue mich total und kann nicht erwarten, dass es los geht.

SPORT1: Sie waren als eines von nur 23 Talenten als geladener Gast bei dem Spektakel in New York. Wie haben Sie den Draft erlebt?

Werner: Es war eine großartige Erfahrung. Wir waren in New York in einem schönen Hotel, meine ganze Familie war dabei und wir hatten eine gute Zeit. Im "Green Room" war es dann sehr aufregend. Ich habe fast drei Stunden gewartet, bis mein Name aufgerufen wurde. Als es dann soweit war, konnte ich es kaum glauben. Am Tag danach haben mich die Colts mit einem Privatjet abgeholt. Dann habe ich Trainer und Mitarbeiter kennengelernt.

SPORT1: Was haben Sie gedacht, als es die Colts geworden sind?

Werner: Ich war sehr froh. Die Colts sind eine tolle Organisation und haben ein gutes Team mit großer sportlicher Perspektive. Mir vorzustellen, dass ich daran teilhaben darf, ist einfach super.

SPORT1: Haben Sie Ihre neuen Teamkollegen schon kennengelernt?

Werner: Ich bin noch in Indianapolis im Hotel. Es ist eine Regel der NFL, dass ich noch nicht zum Team gehen darf. Am Freitag geht das Rookie-Minicamp los, da werde ich alle kennenlernen. Andrew Luck, der Quarterback der Colts, hat mich angerufen, mir gratuliert und gesagt, dass es schön ist, dass ich jetzt in Indianapolis spiele.

SPORT1: Sie sollen in Dwight Freeney eine Colts-Legende ersetzen, spielen aber nun in einem anderen Abwehrsystem auf einer neuen Position als Outside Linebacker. Das ist für einen Rookie viel Verantwortung, oder?

Werner: Als Rookie hat man immer viel Verantwortung. An einen First-Round-Pick sind die Erwartungen sehr hoch. Aber ich werde mein Bestes geben und hart arbeiten, um das in mich gesetzte Vertrauen zurückzuzahlen.

SPORT1: Die ersten Testspiele beginnen erst im August. Was steht bis dahin auf dem Programm?

Werner: Am Freitag kommen die Rookies zusammen. Wir haben ein Drei-Tages-Camp und trainieren gemeinsam. Da werden wir auch das erste Mal mit den Trainern zu tun haben. Darauf folgt das Off-Field-Programm. Das ganze Team kommt zusammen, wir trainieren Fitness, Kondition und haben Meetings. Auch ein bisschen Football steht auf dem Programm, aber noch ohne Schulter-Pads. Das geht dann bis Ende Juni. Dann hat man bis Anfang August, wenn das Trainingscamp beginnt, frei. Natürlich trainiert man individuell weiter, um in Form zu bleiben und die Kondition zu halten. Im Trainingscamp wird es dann richtig hart und krass. Im August geht es schon mit den Pre-Season Games los, im September startet dann die Regular Season. Für Langeweile ist keine Zeit ? aber das ist gut so. Ich kann die NFL kaum erwarten.

SPORT1: Der Sprung dorthin war Ihr großes Ziel. Das haben sie erreicht. Ihnen wird von vielen Experten Pro-Bowl-Potenzial attestiert. Wie sieht Ihre weitere Karriereplanung aus?

Werner: Als ich angefangen habe, Football zu spielen, war mein großes Ziel, es in die NFL zu schaffen. Jetzt habe ich mir wieder neue individuelle Ziele gesetzt. Langfristig möchte ich einer der besten Spieler sein. Die Leute sollen sich nach meiner Karriere an meinen Namen erinnern. Vielleicht in den Pro-Bowl zu kommen oder "Defensive Player of the Year" zu werden, das wäre ein Traum. Aber zunächst ist es mein erstes Ziel, Spielminuten zu bekommen, um dann im nächsten Schritt auch Starter zu werden. Über allem steht aber der Teamerfolg und es ist für jeden NFL-Spieler ein Traum, den Super Bowl zu gewinnen. Wie viele Spieler haben die Chance dazu? Das ist jedes Jahr ein großes Ziel.

SPORT1: Wie gefällt Ihnen eigentlich der Spitzname "Germanator"?

Werner: (lacht) Das ist cool. Jeder Deutsche, der rüberkommt ist der "Germanator". Constantin Ritzmann, der auch bei den Berlin Adlern war und zum ersten deutschen Feldspieler in der NFL wurde, wurde an Universität in Tennessee auch "Germanator" genannt. Das ist lustig.

SPORT1: Nach vielen Jahren ohne einen deutschen Spieler in der NFL gibt es jetzt mit Ihnen, Sebastian Vollmer und Markus Kuhn plötzlich drei. Ist das Zufall oder ein Trend?

Werner: Das ist ein Trend. Die NFL und Football werden immer größer und hoffentlich bald ein weltweiter Sport wie die NBA. Ich hoffe, dass die NFL auch immer mehr in andere Länder geht und dort Talente entdecken kann.

SPORT1: Die NFL hat durch Todesfälle, schwere Kopfverletzungen, Klagen von Ex-Spielern und juristischen Schwierigkeiten vieler Spieler trotz aller Beliebtheit einige Probleme. Wie bewerten Sie das als junger Spieler?

Werner: Ich habe mich dafür entschieden, diesen Sport zu machen. Und wenn ich eine Sache mache, dann auch mit hundertprozentigem Einsatz. Das harte Spiel gehört eben zum American Football dazu und zeichnet den Sport eben auch aus.