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Björn Werner wurde 2013 in der ersten Rundes des NFL-Drafts von den Colts ausgewählt
Björn Werner wurde im NFL-Draft 2013 an der 24. Stelle ausgewählt © imago

Björn Werner fiebert dem Debüt entgegen. Mit SPORT1 spricht er über Hingabe, das Fällen von Quarterbacks und Rookie-Pflichten.

Von Eric Böhm

München - Am Sonntag ist es soweit: Der am höchsten eingeschätzte Deutsche aller Zeiten gibt sein lang ersehntes NFL-Debüt.

Mit den Indianapolis Colts trifft der Björn Werner auf die Oakland Raiders. Die Erwartungen sind dies- und jenseits des "großen Teiches" groß, immerhin ist der Outside Linebacker aus Berlin der erste Deutsche, der jemals in der ersten Runde des Drafts ausgewählt wurde. (NFL-Start am Fr., ab 2.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM)

Nach dem überraschenden Playoff-Einzug des jungen Teams von Coach Chuck Pagano in der vergangenen Saison ist nicht nur für Werner der Super Bowl das Ziel.

Im SPORT1-Interview spricht der Quarterback-Jäger unter anderem über die harte Vorbereitung, das Gefühl, Quarterbacks niederzustrecken, Streiche der Kollegen und die besondere Hingabe der Deutschen.

SPORT1: Björn, in wenigen Tagen startet die NFL-Saison. Steigt bei Ihnen die Nervosität?

Björn Werner: Ja, natürlich. Die Preseason hat schon viel Spaß gemacht, aber jetzt wird es ernst. Die Stadien werden voll sein und erstmals zählt das Ergebnis. Es ist wirklich cool, ich kann es kaum noch erwarten.

SPORT1: Sie haben Ihre erste Vorbereitung samt Testspielen hinter sich. Vom College waren Sie auch Profibedingungen gewohnt. Ist das NFL-Camp wirklich so ein Drill?

Werner: Es ist definitiv harter Drill. Der ganze Tag ist verplant. Es ist ja auch nicht nur das Training, du bist auch mental gefordert. Du musst ein ganz neues Playbook lernen und hast lange Videositzungen. Eigentlich ist der Kopf sogar früher müde als der Körper. Die Knochen tun auch gut weh, aber das stundenlange Lernen ist krass und schlaucht noch mehr. Alles ist noch einmal einen Schritt schärfer.

SPORT1: Ihr erstes offizielles Spiel für die Colts war der Test gegen die New York Giants. Was war es für ein Gefühl, erstmals einen NFL-Helm zu tragen?

Werner: Das war unglaublich. Allein das Gefühl, es in die NFL geschafft zu haben und gegen die besten Spieler der Welt anzutreten, ist fantastisch.

SPORT1: Beim Duell gegen die Giants hätten Sie auf Markus Kuhn treffen können, der aber noch im Aufbautraining steht. Er hat SPORT1 schon verraten, dass Sie sich ganz gut kennen. Gab es bei dem Spiel Kontakt?

Werner: Ja, klar. Wir haben uns kurz gegenseitig auf Stand gebracht. Wie geht es der Familie? Wann kannst du wieder spielen? Wir haben wie zwei Freunde einfach über das Leben gequatscht.

SPORT1: In der NFL gehören Rookie-Rituale traditionell dazu. Was haben Sie bisher erlebt?

Werner: Gleich zu Beginn des Camps musste ich für die erfahrenen Spieler alle Snacks und Süßigkeiten kaufen. Da kommen bei NFL-Spielern schnell ein paar hundert Dollar zusammen. Dann gibt es noch Kleinigkeiten, wie Wasser für alle holen. Nach dem Training musst du die Helme und Schoner der anderen Jungs tragen. Einmal haben mir Mitspieler während eines TV-Interviews eiskaltes Wasser über den Kopf gekippt. Das wurde dann sogar im Fernsehen ausgestrahlt. Alle haben gelacht, aber ich fand es auch total witzig. Diese Aktionen sind einfach gut für die Stimmung.

SPORT1: Die Umstellung auf das NFL-Niveau ist eigentlich schon schwer genug, Sie wechseln auch noch die Position von Defensive End auf Outside Linebacker. Wie geht es voran?

Werner: Jeden Tag läuft es besser. Die Spielpraxis ist entscheidend. Es macht sehr viel Spaß, letztendlich musst du ja nur Football spielen. (DATENCENTER: Der NFL-Spieplan)

SPORT1: Quarterback Andrew Luck hat deutsche Vorfahren und lebte einst auch in Frankfurt. Sprechen Sie mit ihm eigentlich Deutsch?

Werner (lacht): Ja, klar. Wir sprechen die ganze Zeit über Deutsch, aber im Team natürlich Englisch. Wir sind hier eine richtige Familie.

SPORT1: Die Colts sind ein junges Team mit viel Potenzial. Was ist in dieser Saison drin?

Werner: Das Ziel ist der Super Bowl. Wenn du daran nicht glaubst, wird es auch nicht passieren.

SPORT1: Und bei Ihnen persönlich? Die Quarterback-Sacks sind schließlich Ihre Spezialität.

Werner: Im ersten Testspiel hätte ich ja schon fast Eli Manning erwischt. Ich bin heiß. Wenn ich allein schon an die großen Quarterback-Stars denke? . Sacks sind aber sehr schwer zu kriegen und deshalb extrem wertvoll. Für mich ist es jedes Mal das beste Gefühl.

SPORT1: Aktuell gibt es gleich drei deutsche Feldspieler in der Liga. Das ist kein Zufall, oder?

Werner: Nein, es werden noch viel mehr kommen! Ich glaube, wenn du aus Europa hier rüberkommst, willst du es unbedingt schaffen und investierst jede freie Minute. In den Staaten gibt es viele Talente, die ihre Chancen wegwerfen. Wir Deutschen kommen her, weil wir den Traum haben, in der NFL zu spielen. Dafür tun wir alles.

SPORT1: Dass NFL-Stars keine Stubenhocker sind, ist bekannt. Was macht man eigentlich in Indianapolis mit seiner Freizeit?

Werner: So viel konnte ich ja bisher noch nicht unternehmen. Es ist eine kleine, coole Stadt, die zusammenhält. Im Mai war ich beim Indy 500 vor dem Start sogar auf der Strecke. Das war ein cooles Erlebnis. Jeder feuert hier die Colts an, deshalb wollen wir ihnen während der Saison unbedingt etwas zurückgeben.

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