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Jets-Spielmacher Mark Sanchez wird beim NFL-Start verletzt fehlen © getty

Die Jets wollen in der AFC East die blamable Saison vergessen machen, NFL-Champion Baltimore kämpft in AFC North um Respekt.

Von Florian Pertsch

München - Manche Spiele bleiben den NFL-Fans ewig in Erinnerung.

Zum Beispiel "The Catch": 10. Januar 1982 im Candlestick Park in San Francisco.

Joe Montana führt die 49ers in einem irren Drive über das Feld und dreht mit dem Pass auf Dwight Clark (The Catch) die Partie.

Auch Spiele der New York Jets gingen in die NFL-Geschichte der Liga ein. Auf jenes am 22. November 2012 hätten die Jets aber wahrscheinlich gut verzichten können. (Die NFL-Saison LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Erinnerung an eine große Peinlichkeit

Es firmiert unter dem Titel: Butt Fumble.

Quarterback Mark Sanchez rannte auf die Line of Scrimmage zu, sein Gesicht grub sich in das Hinterteil eines eigenen Spielers und das Lederei landete beim Gegner.

Es war der traurige Höhepunkt einer verkorksten, durch die Tebow-Mania aufgeladenen, Saison, die die Fans in tiefer Verstörung zurückließ.

Nach der schwachen Bilanz von sechs Siegen bei zehn Niederlagen wurde vor der Spielzeit mit John Idzik ein neuer General Manager installiert.

Rookie Milliner als Hoffnungsträger

Elf Starter der vergangenen Saison mussten gehen, darunter auch Star-Cornerback Darelle Revis. Ersetzt wurde Revis aber durch den 9. Pick des Draft Dee Milliner.

Hinzu kommt der vielversprechende Frischlinge Sheldon Richardson (Defensive Tackle, 13. Pick).

Auch auf der Quarterback-Position gibt es zur Freude der verärgerten Jets-Fans eine kleine Überraschung.

Smith verdrängt Sanchez

Rookie Geno Smith wird im ersten Spiel gegen die Tampa Bay Buccaneers das Zepter schwingen. Eine Entscheidung die ohnehin ernsthaft ins Auge gefasst wurde und durch eine leichte Schulterverletzung von "Butt Fumble" Sanchez noch begünstigt wird.

Ob die Saison besser wird als die letzte, ist eine absolute Wundertüte.

Das Potenzial wäre gegeben, aber ob Rookie Smith das Zeug zum NFL-Quarterback hat und Coach Rex Ryan die Neuen rechtzeitig ins Team integrieren kann, ist die große Preisfrage.

Vor dem Saisonstart der NFL blickt SPORT1 auf die Divisionen AFC East und AFC North.

AFC East

Die New England Patriots haben einen turbulenten Sommer hinter sich.

Die gesamte Vorbereitung wurde vom Mordprozess gegen Tight End Aaron Hernandez überschattet, der anschließend von den Patriots entlassen wurde.

Auch der andere Star-Tight-End Rob Gronkowski steht zu Saisonbeginn noch nicht zur Verfügung (DIASHOW: Die Stars der NFL).

Offense muss ins Rollen kommen

"Gronk" musste sich nach diversen Unterarm-Operation im Sommer auch noch am Rücken behandeln lassen und befindet sich in der Reha. Ein Comeback in Woche zwei wäre mit viel Glück möglich.

Ansonsten geht es für Coach Bill Belichick und Star-Quarterback Tom Brady darum, die Offense zum Laufen zu bringen.

Brady, nicht gerade als geduldiger Mensch bekannt, muss mit drei Rookies arbeiten, ist sich seiner neuen Rolle aber bewusst.

"Es wird definitiv eine Lernkurve geben. Für manche Spieler wird es viele neue Erfahrungen geben. Auch für mich ist manches neu. Ich war mehr in Teammeetings und muss mehr als Lehrer auftreten", erklärte der dreimalige NFL-Champion.

Dolphins haben Spendierhosen an

Die Miami Dolphins verpassten vergangene Saison mit einer Bilanz von sieben Siegen bei neun Niederlagen die Playoffs (VORSCHAU: AFC South und AFC West).

Die Erwartungen waren vor der Saison 2012 hoffnungsvoll, wurden aber erneut enttäuscht. Die Lücke zu den Patriots war groß, und sie wird es auch bleiben.

Zwar gaben die Dolphins im Sommer mehr als 200 Millionen Dollar aus, doch auch die Verpflichtungen von Receiver Mike Wallace, den Linebakern Dannell Ellerbe und Philip Wheeler sowie Nummer drei Pick Dion Jordan (Defensive End) werden wohl nicht für die Playoffs reichen.

Himmelfahrtskommando in Buffalo

Am Ende der AFC East treiben die Buffalo Bills ihr Unwesen und bereiten sich auf ein Himmelfahrtskommando vor.

Die Bills starten ohne erfahrenen Quarterback mit nur zwei Rookies, Jeff Tuel und EJ Manuel in die Saison, ein Novum seit die NFL und die AFL 1970 zusammengelegt wurden (DATENCENTER: Der NFL-Spieplan).

Als Starter beim Saisonauftakt gegen die New England Patriots hat sich Head Coach Doug Marrone auf Manuel festgelegt, dessen Frau Mama psychologische Unterstützung von der Tribüne geben wird.

Ohne Erfahrung in der Schaltzentrale dürfte es auch diese Saison nicht für die Playoffs reichen.

AFC North

Im Norden wird der NFL-Champion aus Baltimore auf eine harte Probe gestellt.

Der Super-Bowl-Triumph im Februar ist Geschichte, der Kader wurde mit der großen Heckenschere zurechtgestutzt.

Star-Linebaker Ray Lewis trat zurück, Ed Reed, Bernard Pollard, Paul Kruger und Anquan Boldin wurden ebenfalls abgegeben.

Super-Bowl-MVP Joe Flacco hingegen wurde mit einem Mega-Vertrag ausgestattet. Der Quarterback bekommt in den nächsten sechs Jahren 120,6 Millionen Dollar.

Head Coach John Harbaugh muss sechs Starter aus dem Finale gegen San Francisco ersetzen - darunter drei von vier Passverteidigern. Dazu kommen noch vier weggebrochene Offensiv-Starter.

Eine anspruchsvolle Aufgabe, aber wie heißt es immer so schön: Unterschätze niemals das Herz eines Champions.

Bengals haben Blut geleckt

In Cincinnati sollen die Erfolge der letzten beiden Jahre konsequent fortgesetzt werden.

Der starke Schlussspurt mit sieben Siegen aus den letzten acht Spielen in der Saison 2012 fand im Wildcard Game gegen die Houston Texans ein jähes Ende.

Ravens-Rookie Arthur Brown warnt bei SPORT1 dementsprechend vor den Bengals: "Sie waren jetzt zweimal in den Playoffs und haben in Abwehr und Angriff absolute Toptalente. Wir haben sie auf jeden Fall auf der Rechnung. Sie sind ein gefährlicher Gegner."

Eine Playoff-Teilnahme sollte für Cincinnati auch diese Saison auf jeden Fall drin sein.

"Steel Curtain" soll wieder glänzen

Etwas weiter im Nordwesten soll dem stählernen Vorhang zu neuem Glanz verholfen werden.

Star-Linebacker LaMarr Woodley ist wild entschlossen, die Schmach der verpassten Playoffs 2012 vergessen zu machen.

"Für mich war die vergangene Saison eine bittere Enttäuschung. Ich bin als Fan der Steelers aufgewachsen und habe dieses Team im Blut. Bei uns ist allen klar: Hier zählt nur der Super Bowl", kündigte Woodley bei SPORT1 an.

Sollten die Steelers 2013 von Verletzungen verschont bleiben, sollte der Kampf um die Playoffs auch über das Team von Head Coach Mike Tomlin gehen.

Browns kämpfen gegen Ausswärtsschwäche

Last but not least: Die Cleveland Browns

Nach der enttäuschenden Bilanz von fünf Siegen bei elf Niederlagen geht der Neuaufbau in Ohio weiter.

Baltimores Defense-Frischling weiß um die Situation der Browns, will das Team von Head Coach Rob Chudzinski aber nicht auf die leichte Schulter nehmen: "Im direkten Duell sind sie nicht zu unterschätzen. Trent Richardson ist ein kommender Star. Auf der Quarterback-Position haben sie Probleme."

Ein weiteres Problem ist der happige Spielplan. Letzte Saison gewannen die Browns nur ein Spiel auf fremdem Platz, 2013 stehen unter anderem Duelle in Pittsburgh, Baltimore, Green Bay, Minnesota und New England an.

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