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James Harrison (r.) und Ben Roethlisberger gewannen 2009 gemeinsam den Super Bowl mit Pittsburgh © getty

Im Monday Night Game kommt es für den entlassen Star-Verteidiger zum Wiedersehen mit Pittsburgh. Roethlisberger gerät unter Druck.

Von Rainer Nachtwey

München/Cincinnati - Es war das Bild von Super Bowl XLIII. James Harrison sitzt auf der Bank, hält sich eine Maske vor Mund und Nase und saugt reinen Sauerstoff ein.

Kurz zuvor hatte das Abwehrschwergewicht eine Interception über 100 Yards in die Endzone der Arizona Cardinals getragen und damit einen Rekord aufgestellt.

Das Gesicht des Steel Curtains

Harrison galt jahrelang als das Aushängeschild des Steel Curtains. Der Linebacker prägte das Gesicht Pittsburghs harter Verteidigung.

Nachdem sich Harrison und die Steelers im Sommer nicht auf einen neuen Vertrag einigen konnten - Pittsburgh wollte dem 125-Kilogramm-Brocken weniger Gehalt zahlen -, setzte der sechsmalige Champion den 35-Jährigen kurzer Hand vor die Tür.

Enttäuschung ja, Hass nein

Nun kommt es zum Wiedersehen zwischen Harrison und den Steelers. Mit seinem neuen Team, den Cincinnati Bengals, empfängt er die Steelers im Monday Night Game des 2. Spieltags (2.35 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

"Bin ich enttäuscht von den Steelers? Sicherlich", gibt der Abwehrspieler des Jahres 2008 einen Einblick in sein Seelenleben. Enttäuscht ja, aber dennoch hegt er gegen seinen Ex-Klub keinen Groll.

"Ich hasse die Steelers nicht. Alles, was zu diesem Thema gesagt wird, wird doch von den Medien aufgebauscht", meint Harrison.

Nicht mehr der reine Quarterback-Jäger

Allerdings wird er nicht darauf verzichten, seine neuen Mitspieler mit Tipps gegen die Steelers-Verteidigung zu füttern. Und auch das Sack-Monster (64 in 131 Ligaspielen) wird keinen Halt vor seinen ehemaligen Teamkollegen machen, mit denen er 2009 den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert hatte.

(So spricht die NFL: Die wichtigsten Begriffe)

Dies dürfte insbesondere Ben Roethlisberger zu spüren bekommen. Der Spielmacher ist für Harrison die Zielscheibe, auch wenn sich seine Rolle bei den Bengals von der des reinen Quarterback-Jägers verändert hat.

Lob für Big Ben

Auf seinen einstigen Mitspieler hält der 1,83 Meter große Muskelberg große Stücke (776285DIASHOW: Die Bilder des 2. Spieltages).

"Er ist schwer zu fassen, ein großer Kerl. Und es scheint, als hätte er ein drittes Auge. Er weiß, wann und wohin er einen Schritt machen muss, um dem Druck der Verteidigung zu entgehen", schwärmt Harrison von "Big Ben".

Respekt vor Harrison

Trotz der Lobeshymnen erinnert Harrison gerne an seine College-Zeit, als er Roethlisberger im Spiel Miamis - dem in Ohio - gegen Harrisons Kent State gleich viermal zu Boden brachte.

"Ehrlich gesagt kann ich mich nur an die Zahlen erinnern. Aber Ben hat mich immer damit aufgezogen, dass er überhaupt nur der Grund ist, warum ich in der Liga bin", sagt Harrison.

Auch in der Stahlstadt ist der gegenseitige Respekt immer noch enorm. "James ist für die Bengals wohl eine Art Football-Moses. Er hat gezeigt, mit welcher Einstellung und Arbeitsauffassung man es vom ungedrafteten Free Agent ins gelobte Land und zum Abwehrspieler des Jahres schafft", sagt Safety Ryan Clark.

Elf-Punkte-Vorsprung verspielt

Gerade das Duell von Cincinnatis Abwehr mit Pittsburgher Angriff dürfte die Partie entscheiden, denn sowohl der Bengals-Angriff als auch die Steelers-Verteidigung hatten die Voraussetzungen für einen Sieg geschaffen.

Dennoch hatten beide Teams ihren Saisonauftakt verloren. Cincinnatis Defense hatte in Chicago eine Elf-Punkte-Führung aus der Hand gegeben, Pittsburghs Offense war gegen Tennessee erst 83 Sekunden vor Spielende zu mageren sieben Punkten, einem Touchdown, gekommen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Verletzungssorgen bei Pittsburgh

Zudem ist Pittsburghs einst gefürchteter Lauf-Angriff nur noch ein Schatten seiner selbst. Mickrige 27 Yards erzielten Isaac Redman und LaRod Stephen-Howlings, der sich zu allem Überfluss auch noch eine Kreuzbandverletzung einhandelte und für den Rest der Saison ausfällt.

Neben dem Running Back muss Chef-Coach Mike Tomlin auch noch auf Center Maurkice Pouncey verzichten, dessen Knieverletzung ebenfalls die Saison vorzeitig beendet.

"Mit ihm haben sie ihren besten Offensiv-Spieler verloren", bewertet Harrison den Ausfall seines ehemaligen Mitspielers.

Sein Job dürfte damit etwas leichter geworden sein. Eine Sauerstoff-Maske wird er am Montagabend im Paul Brown Stadium wohl nicht mehr brauchen.

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