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Giovani Bernard (M.) erzielt gegen Pittsburgh seine ersten NFL-Touchdowns © getty

Ein Bengals-Rookie schenkt Pittsburgh im Monday Night Game zwei Touchdowns ein. Big Ben macht den historischen Fehlstart perfekt.

Von Eric Böhm

München/Cincinnati - Vor der Saison hatte der Optimismus noch überwogen, aber nun brennt bei den Pittsburgh Steelers bereits der Baum.

Bei den Cincinnati Bengals kasssierte der Rekordgewinner des Super Bowls im Monday Night Game des 2. Spieltages eine 10:20 (3:7, 7:3, 0:7, 0:3)-Niederlage. Erstmals seit 2002 gelang in den ersten beiden Partien kein Sieg.

Nach den verpassten Playoffs 2012 und einer sieglosen Preseason sind die Steelers auf dem besten Weg, ins Mittelmaß der NFL abzustürzen. (Die NFL-Saison LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM)

Dabei hatte Linebacker LaMarr Woodley unlängst im SPORT1-Interview noch vollmundig angekündigt: "Die Pittsburgh Steelers schlagen zurück." (EXKLUSIV: Woodley im Interview)

Roethlisberger als Alleinunterhalter

Davon ist aktuell nur wenig zu sehen. Wie schon zum Auftakt gegen Tennessee fand vor allem die Offensive um Ben Roethlisberger auch beim Divisionsrivalen in Cincinnati nie einen Rhythmus.

Bei sieben von insgesamt zwölf Angriffsserien gelang kein First Down. Das Laufspiel blieb auch mit dem nachverpflichteten Ex-Cowboy Felix Jones erschreckend harmlos.

Deshalb lastete die Verantwortung erneut ausschließlich auf "Big Bens" Arm, der hinter der löchrigen Offensive Line ständig unter Druck geriet. (So spricht die NFL: Die wichtigsten Begriffe)

Harrison spielt keine Rolle

Dabei war der langjährige Steeler James Harrison in der Abwehr der Bengals nicht einmal ein Faktor.

Nach einem Fumble von Pittsburghs David Paulson wenige Yards vor der Endzone übernahmen die Gastgeber das Kommando. (776285DIASHOW: Die Bilder des 2. Spieltages)

Mit seinem ersten NFL-Touchdown sorgte Running Back Giovani Bernard für die 7:3-Führung der Bengals, die im Dezember bereits das Endspiel um einen Playoff-Platz in Pittsburgh gewonnen hatten.

"Gio hat einen guten Job gemacht. Wir haben ihn gedraftet, weil er sehr vielseitig ist und Big Plays liefern kann. Das hat er heute gezeigt", lobte Cincinnatis Quarterback Andy Dalton (280 Yards, ein Touchdown).

Bis zur Pause noch im Geschäft

Trotz klarer Unterlegenheit schafften es die Steelers mit einem 10:10-Remis in die Halbzeitpause.

Auch weil sich die Gastgeber viele Strafen leisteten und Topreceiver A.J. Green (41 Yards) nicht wie gewohnt in Szene setzen konnten.

"Momentan gibt es bei uns nicht viele positive Ansätze. Alle sind niedergeschlagen, aber wir dürfen jetzt nicht an uns zweifeln", meinte Roethlisberger, der den abgewanderten Star-Receiver Mike Wallace (Miami) erneut schmerzlich vermisste.

Das Zweifeln werden ohnehin Fans und Öffentlichkeit übernehmen, denn in der zweiten Hälfte war kaum etwas von dem alten Kampfgeist und Emotionen zu sehen.

"Habe grünes Gras gesehen"

Exemplarisch dafür stand Bernards zweiter Tochdown zum 17:10. Aus einem kurzen Pass machte er einen 27-Yard-Slalomlauf bis in die Endzone. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

"Ich habe grünes Gras gesehen. So eine Chance bekommst du in dieser Liga nicht oft, dann musst du zuschlagen", sagte Bernard.

Insgesamt gab Coach Mike Tomlins einst so gefürchtete Verteidigung über 400 Yards ab und wirkte bis auf wenige Ausnahmen - vor allem Cornerback Ike Taylor - alt und kraftlos.

Interception besiegelt die Pleite

Den Star-Safetys Troy Polamalu und Ryan Clark fehlt ebenso die letzte Spritzigkeit wie Linebacker Woodley, der Dalton nur selten auf die Pelle rücken konnte.

Dazu kommt: Weil die Offensive den Ball nicht hält, sind sie im Dauereinsatz und werden schneller müde.

Nach einem weiteren Field Goal der Bengals zum 20:10 vergab Roethlisberger (20 von 37 für 251 Yards) fünf Minuten vor Schluss mit einer unglücklichen Interception die letzte Comeback-Chance.

Einen etwas zu hohen Pass fälschte Anlaufstelle Jerricho Cotchery nur ab. Bengals-Safety Reggie Nelson schnappte sich den Abpraller. Danach spielte Running Back BenJarvus Green-Ellis (75 Yards) die Uhr mit seinen kraftvollen Läufen fast völlig herunter.

Heimfluch beendet

Nach der Pleite in Chicago konnte Cincinnati aufatmen, ob "es der Umschwung war, wird sich erst am Ende der Saison zeigen", orakelte Coach Marvin Lewis.

Der beendete Heimfluch - zehn der vergangenen elf Duelle im Paul Brown Stadium hatte Pittsburgh gewonnen - dürfte in jedem Fall neue Kräfte freisetzen.

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