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Andy Reid (M.) begann seine Karriere 1982 als Assistent bei den BYU Cougars © imago

Mit den überraschend starken Chiefs tritt der Coach zum Wiedersehen in Philadelphia an. Quarterback Smith ist der Trumpf.

Von Eric Böhm

München/Philadelphia - Diese Geschichten schreibt nur der Sport: Andy Reid kehrt schon im dritten Spiel als Cheftrainer seines neuen Teams an die alte Wirkungsstätte zurück.

Nach 14 meist erfolgreichen Jahren entließen ihn die Philadelphia Eagles, vier Tage später übernahm der 55-Jährige die Kansas City Chiefs, die am 3. Spieltag in der "Stadt der brüderlichen Liebe" antreten (ab 2.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

"Ich hatte in Philadelphia eine fantastische Zeit und habe mich immer sehr wohlgefühlt. Es wird sicher ein ungewohntes Gefühl, schenken werden wir den Eagles trotzdem nichts", sagt Reid.

Lob für schnellen Aufbau

Bei der Planung des Spielplans stand offenbar das Schicksal Pate, schließlich treffen die beiden Teams aus verschiedenen Conferences nur alle vier Jahre aufeinander.

Während die Eagles unter dem neuen Coach Chip Kelly - trotz des vielen Hypes um das neue Hochgeschwindigkeitssystem - in San Diego erstmals Federn ließen, hat Reid gut lachen. (So spricht die NFL: Die wichtigsten Begriffe)

In Rekordzeit hat er ein "mehr als konkurrenzfähiges Team gebaut, dass noch viele Leute überraschen wird", meint der frühere Spieler und heutige TV-Experte Chris Collinsworth.

Scherbenhaufen beseitigt

Das Lob der Experten ist verdient, immerhin haben die Chiefs bereits nach zwei Spielen so viele Siege auf dem Konto wie in der kompletten vergangenen Saison.

Nach katastrophalen Leistungen, diversen Negativrekorden und dem Mord/Selbstmord-Drama um Linebacker Jovan Belcher fand Reid bei seinem Amtsantritt einen Scherbenhaufen vor.

Entsprechend musste er "vor allem mental ansetzen und den Hebel umlegen". Beim knappen Erfolg über Dallas zeigte das Team seit Jahren vermissten Killerinstinkt. (776285DIASHOW: Die Bilder des 2. Spieltages)

Smith als Glücksgriff

Den durchaus vorhandenen Klasseleuten im Kader impfte der Mormone, der 2008 und 2012 die erfolglosen Präsidentschaftskampagnen von Mitt Romney unterstützte, neues Selbstvertrauen ein.

Als wichtigste Maßnahme entpuppte sich jedoch die Verpflichtung des Quarterbacks Alex Smith. Nach zwei Topleistungen feierte ihn eine Lokalzeitung in Kansas City schon als "neuen Montana".

Wie die NFL-Legende 20 Jahre zuvor fand Smith von der Bank der San Francisco 49ers per Trade den Weg in den mittleren Westen.

Sieger-Gen im Gepäck

Die durch Top-Draftpick Eric Fisher verstärkte Offensive Line und eine Reihe von Playmakern wie Receiver Dwayne Bowe oder Running Back Jamaal Charles lassen Smith seine Stärken voll entfalten.

"Wir haben eine richtig gute Truppe, die nur das Gewinnen wieder lernen muss. Wir sind auf einem guten Weg", betont Smith. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Das vielzitierte Sieger-Gen wurde dem 29-Jährigen von Jim Harbaugh bei den 49ers eingeimpft - auch wenn er beim Einzug in den Super Bowl im Februar nur Ersatz war.

Neue Erfolgsära?

Nicht nur seine coole Art erinnert an Joe Montana. Auch Smith ist nicht der wurfstärkste Quarterback, platziert aber speziell die kurzen Pässe in Reids System extrem präzise.

Gegen eine Wiederholung der Geschichte hätten die Fans nichts einzuwenden, Montana führte die "Häuptlinge" 1993 ins bis dato einzige AFC-Finale. Von Smith und Reid erhoffen sie sich mittelfristig noch einen Schritt mehr.

Dass Reid dazu in der Lage ist, bewies er vor neun Jahren. Damals erreichten die Eagles unter seiner Regie zum zweiten und bis heute letzten Mal den Super Bowl.

McCoy ist heiß

Auch daran werden sich die Fans beim Wiedersehen erinnern. Ein warmer Empfang dürfte Reid sicher sein.

Sportlich erwartet den bisher so starken Eagles-Angriff um den wiedererstarkten Quarterback Michael Vick die bisher härteste Prüfung. Die Chiefs gehören nach zwei Partien in fast allen Kategorien zu den besten drei Abwehrreihen.

"Coach Reid hat hier viel erreicht und wird immer Teil der Eagles-Geschichte sein. Darauf werden wir nach dem Kickoff aber keine Rücksicht mehr nehmen", verspricht LeSean McCoy.

Zu viel "brüderliche Liebe" passt auch nicht zu Football.

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