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Colin Kaepernick wurde 2009 im MLB-Draft von den Chicago Cubs ausgewählt © getty

Ein Star auf Entzug, der Quarterback als "One Hit Wonder" verspottet: Die 49ers brauchen in St. Louis ein Erfolgserlebnis.

Von Eric Böhm

München - Ein Abwehr-Star auf Entzug, drei angeschlagene Starter und der Quarterback wird über Twitter mit Hass-Tiraden eingedeckt: Die San Francisco 49ers sind derzeit nicht zu beneiden.

Nach zwei Niederlagen in Folge steht der Titelverteidiger der NFC im Gastspiel bei den St. Louis Rams (ab 2.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM) unter Zugzwang.

"Es ist erst der 4. Spieltag. Wir müssen auf dem Teppich bleiben. Football ist nicht leicht. Da gibt es immer schlechte Phasen", betont Head Coach Jim Harbaugh und versucht damit Gelassenheit vorzuleben.

Bangen um Führungsspieler

Doch die erste Mini-Krise seiner Amtszeit nimmt aber vor allem außerhalb des Feldes allmählich dramatische Formen an.

Dabei sind die auch für St. Louis fraglichen Stammspieler Nnamdi Asomugha (Beinverletzung), Vernon Davis (Oberschenkelprobleme) und Patrick Willis (Leistenzerrung) die geringste Sorge. (So spricht die NFL: Die wichtigsten Begriffe)

Im Mittelpunkt steht Linebacker Aldon Smith, der am vergangenen Freitag wegen Fahrens unter Alkohol- und Drogeneinfluss verhaftet worden war, am Sonntag gegen Björn Werners Indianapolis Colts noch spielte, sich aber seit Montag in einer Rehaklinik befindet.

Abwehr sehr löchrig

Zunächst steht der beste Quarterback-Jäger der vergangenen Saison (19,5 Sacks) auf der sogenannten Nicht-Football-Verletztenliste und könnte jederzeit zurückkehren.

Harbaugh und das Team "werden Aldon unterstützen", für die nächsten Partien muss der frühere NFL-Quarterback aber ohne Smith seine Abwehr wieder stabilisieren.

In der vergangenen Saison stand in nahezu jeder Kategorie eine Top-Drei-Platzierung zu Buche, aktuell geben nur sechs Mannschaften im Schnitt mehr Punkte (28,0) pro Spiel ab.

Böse Beschimpfungen

Für die Pleiten machen große Teile der Fans jedoch den Shooting-Star von 2012 verantwortlich. Nach einem tollen Auftritt zum Start fiel Spielmacher Colin Kaepernick zuletzt in ein tiefes Loch.

In Seattle und gegen die Colts gelangen nur zehn Punkte, Kaepernick schaffte keinen einzigen Touchdown und warf vier Interceptions. (780204DIASHOW: Die Bilder des 3. Spieltages)

Entsprechend harsch wurde er über Twitter angegangen: "One-Hit-Wonder", "Loser" oder "Müll" waren noch die vorzeigbarsten Beschimpfungen.

Einige trauern Smith hinterher

Erschwerend kam bei Kaepernick hinzu, dass der sehr beliebte - und von ihm aus der Startformation verdrängte - Alex Smith nach Kansas City geschickt wurde und noch dort noch ungeschlagen ist.

"Ich nehme diese Dinge als Motivation", sagt der 25-Jährige, den auch die Kritik an fehlender Weiterentwicklung als Passer "nicht kümmert. Ich arbeite hart an mir."

Als Signal an seine Kritiker darf auch Kaepernicks virtuelle Reaktion auf die Hass-Tweets gelten: Anstatt auf sie zu antworten, nimmt er sie schlicht mit einem Sternchen in seine Favoritenliste auf.

[tweet url="//twitter.com/Kaepernick7"]

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Schon vergangene Saison trotzte er Kritikern, die ihm seinen Hang zu Körperkunst zum Vorwurf machten offensiv - indem er seine Tattoos beim Tochdown-Jubel auch noch küsste.

Rams als kleiner Angstgegner

Derzeit leidet Kaepernick - wie andere laufstarke Quarterbacks - am besonderen Fokus der ligaweiten Abwehrreihen auf die 2012 so erfolgreiche Angriffsvariante mit Lauf-Pass-Option. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Die Rams unter Defensiv-Guru Jeff Fisher kamen schon in den Partien der vergangenen Saison gut mit Kaepernick klar. Neben einem seltenen Remis - damals ersetzte Kaepernick den verletzten Smith - gelang sogar ein 16:13-Erfolg.

"Dafür können wir uns jetzt aber auch nichts mehr kaufen. Wir stehen nach den beiden Pleiten selbst unter Druck. Es wird niemand kommen, wir müssen uns selbst helfen", fordert Defensive End Chris Long.

Bradford selbstbewusst

Der Auftritt in Dallas schreit tatsächlich nach Wiedergutmachung. Ganze 18 Yards gelangen St. Louis bei dem 7:31-Debakel in der ersten Hälfte.

Quarterback Sam Bradford wurde gleich sechsmal gesackt, weißt aber gegen die "Niners" ausgezeichnete Zahlen auf. In vier Duellen mit dem Divisionsrivalen ist er noch ohne Interception.

"Es steht für beide Teams viel auf dem Spiel, aber wir gehen sehr selbstbewusst ran. Wir haben nichts zu verlieren", sagt Bradford. Ein "Must-Win" ist es nur für San Francisco.

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