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Dimitri Patterson (r.) kam 2012 aus Cleveland zu den Dolphins © getty

Miamis Traumstarter wollen bei den Saints die Zweifler belehren. Der Zauberer aus "Titletown" und Lokalheld Wallace sind Trümpfe.

Von Eric Böhm

München/New Orleans - Sie haben dunkle Zeiten hinter sich: Die Miami Dolphins tauchen erst jetzt nach Jahren am dunklen Grund des NFL-Ozeans wieder auf.

Das Überraschungsteam der noch jungen Saison schickt sich an, in erfolgreiche Sphären der Doplphins-Legende Dan Marino zurückzukehren. Erstmals seit 1995 winkt ein Start mit vier Siegen in Folge.

Das Monday Night Game des 4. Spieltages bei den ebenfalls noch ungeschlagenen New Orleans Saints (ab 2.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM) wird deshalb in Südflorida bereits als "Spiel des Jahrzehnts" betitelt.

"Das ist sicherlich etwas übertrieben, aber wir freuen uns natürlich, wieder relevant zu sein. Darauf haben die Fans lange gewartet", sagt Quarterback Ryan Tannehill.

Philbin als "Gottesgeschenk"

Seit 2000 gelangen dem einst so stolzen Team, das 1972 die bis heute einzige perfekte Saison der NFL-Geschichte lieferte, nur zwei Playoff-Teilnahmen und kein einziger Erfolg in der K.o.-Runde.

Marinos Schatten war einfach zu groß. Nach dem Flop mit dem derzeit besten College-Coach Nick Saban folgte 2007 der Tiefpunkt mit nur einem Sieg und 15 Niederlagen. (So spricht die NFL: Die wichtigsten Begriffe)

Der Umschwung begann im Januar 2012 mit der Verpflichtung von Green Bays Offensiv-Guru Joe Philbin als neuem Cheftrainer, der sich nicht nur für Manager Jeff Ireland zum "Gottesgeschenk" entwickelte.

Tannehill tritt aus dem Schatten

Als Volltreffer entpuppt sich nun auch Philbins zum damaligen Zeitpunkt durchaus kritisch betrachteter erster Draftpick Tannehill.

Der am College vom Receiver zum Spielmacher umgeschulte Texaner wurde 2012 im Hype um Andrew Luck und Robert Griffin III kaum wahrgenommen - ähnlich wie Marino im Vergleich zu John Elway 29 Jahre zuvor. (783070DIASHOW: Die Bilder des 4. Spieltages)

"Ich hatte nie einen Zweifel an Ryan. Er bringt unglaubliche Qualitäten mit und hat den eisernen Willen, sich immer weiter zu verbessern", schwärmt Philbin.

Angriff gut verstärkt

Nach seiner ordentlichen Debütspielzeit ging Miami im Frühjahr 2013 Risiko und lockte teure Free Agents angeführt von Receiver Mike Wallace an die Südspitze der USA, um dem Jungstar das Leben leichter zu machen.

Zudem wurde ganz bewusst auf charakterlich passende Akteure geachtet. Passfänger Brian Hartline bezeichnet die verschworene Gemeinschaft schon als "besonderes Team".

Aktuell geht die Rechnung auf. Von Rang 27 im Jahr 2012 verbesserte sich Philbins Angriff mit durchschnittlich 24,7 Punkten pro Spiel schon auf Rang elf.

Wallace will "zwei Touchdowns"

Vor allem die Nervenstärke in knappen Spielen hat der Coach aus "Titletown" mitgebracht. Zuletzt wurden die höher eingeschätzten Falcons und Colts mit jeweils vier Zählern Unterschied bezwungen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Die Saints stellen im traditionell extrem lauten Superdome aber die bisher höchste Hürde dar. Vor allem weil die jungen Dolphins beim Monday Night Football auch mit ihrer Nervosität kämpfen werden.

"Wir werden sicher ein flaues Gefühl im Magen haben - ich auf jeden Fall. Es ist aber auch eine große Chance, der Welt zu zeigen, wie gut wir wirklich sind. Ich will zwei Touchdowns", erklärt der in New Orleans geborene Wallace der "Palm Beach Post".

Saints wieder da

Einfach wird es nicht. Denn die Saints erleben aktuell ihre eigene Auferstehungsgeschichte. Nach der durch "Bounty-Gate" verkorksten vergangenen Saison sind sie wieder da.

Mit dem nach seiner einjährigen Sperre zurückgekehrten Coach Sean Payton wirft Spielmacher Drew Brees die Bälle wie eh und je durch die Gegend.

Plötzlich ist aber auch die Verteidigung erstklassig. Nur drei Mannschaften ließen bisher weniger Passyards zu. "Sie haben einen Riesenanteil am Erfolg. Nur mit dieser Balance bist du wirklich eine Spitzenmannschaft", schwärmt Brees. Lediglich Safety Roman Harper fehlt gegen Miami.

Der Super Bowl ist im Gegensatz zu New Orleans für die Dolphins eher ein mittelfristiges Ziel, aber das Potenzial für den Titel scheint allmählich zu erwachsen - das hat nicht einmal Marino geschafft.

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