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Björn Werner wurde 2013 als erster Deutscher in der ersten Rundes des NFL-Drafts ausgewählt © getty

Björn Werner trainiert mit den Colts wieder und kommt für zwei Events nach Deutschland. Bei SPORT1 spricht er über hohe Ziele.

Von Eric Böhm

München - In 96 Tagen könnte seine große Stunde schlagen.

Zum Auftakt der NFL-Saison 2014 winkt dem deutschen Supertalent Björn Werner ein Startplatz bei den Indianapolis Colts - auch weil sein Mentor Robert Mathis die ersten vier Spiele gesperrt ist (Die NFL LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Nach einer langen Offseason stehen Werner und die Colts erstmals wieder auf dem Feld, ehe am 23.Juli das Traning Camp und die heiße Phase der Vorbereitung beginnen.

Vorher kümmert sich der 23-Jährige aber auch um seine deutschen Fans.

Am 22. Juni in Berlin und am 28. Juni in Jena veranstaltet der Linebacker und Quarterback-Jäger zwei Meet Greets - inklusive Autogrammstunde.

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Mit SPORT1 spricht Werner unter anderem über die Events, seine Fitness sowie die hohen Erwartungen an sich und die Colts. Außerdem zollt er dem homosexuellen Michael Sam Respekt (SHOP: Jetzt Football-Artikel kaufen).

SPORT1: Herr Werner, die Vorbereitung auf Ihre zweite NFL-Saison beginnt. Manager Ryan Grigson hatte Ihnen mitgegeben, körperlich zuzulegen. Wie fit sind Sie schon?

Björn Werner: Das passt. Ich war in der Offseason ständig im Fitnessstudio. Mit körperlich zulegen meinen sie, dass du im zweiten Jahr noch schnellkräftiger werden und dich weiterentwickeln sollst. Meine Werte sind alle hoch gegangen. Ich fühle mich super schnell, stark und frisch.

SPORT1: Die Offseason nach dem Rookie-Jahr verheißt im Allgemeinen den größten Leistungssprung. Können Sie das bestätigen?

Werner (lacht): Hoffen wir es! Ich habe große Erwartungen an mich selbst. Das Pensum fällt mir jetzt leichter. Als Rookie hast du keine Ahnung, was dich erwartet. Jetzt weiß ich genau, was ich zu tun habe. Das macht auch viel lockerer. Was ich noch nicht kenne, ist das Gefühl, im Super Bowl zu stehen?

SPORT1: Woran wird in den Organized Team Activities (OTA) gearbeitet und wie geht es jetzt bis zu den Preseason-Spielen im August weiter?

Werner: Die OTAs sind die erste Chance, wieder als Team zusammenzukommen. Sie sind eigentlich freiwillig, aber bei uns sind bis auf die Verletzten alle da. Du willst dich einfach wieder an die Schinderei gewöhnen. Es wird nicht getackelt, aber du hast das erste Mal wieder den Helm auf und frischst die Spielzüge auf. Vom 17. bis 20. Juni haben wir dann das Mini-Camp. Das ist Pflicht. Danach sind noch einmal vier Wochen Erholungspause, ehe am 23. Juli die Vorbereitung mit dem Training Camp richtig losgeht (So spricht die NFL: Die wichtigsten Begriffe).

SPORT1: Vorher kommen Sie Ende Juni für zwei Fantermine nach Deutschland. Freuen Sie sich schon drauf?

Werner: Auf jeden Fall. Ich war genau vor einem Jahr zum letzten Mal in Berlin. In Indianapolis ist es so ruhig und klein, das ist eine andere Welt. Ich mache es hauptsächlich für die Kids, die den gleichen Traum haben. Ich will ihnen zeigen, dass es möglich ist. Sie können mich fragen, was ich für eine Meise hatte rüberzugehen, und haben hoffentlich viel Spaß.

SPORT1: Berlin ist ja als Heimatstadt klar, aber was hat für Jena gesprochen?

Werner: Jörg Hofmann, der Head Coach in Jena, ist mein ehemaliger Jugendtrainer. Er hat mir sehr geholfen, eine Chance in den USA zu bekommen.

SPORT1: Kommen wir zurück zu den Colts. Quarterback Andrew Luck hat Sie bei SPORT1 sehr gelobt. Möchten Sie das Kompliment zurückgeben?

Werner: Ach, jeder weiß, wie gut er ist. Dazu kommt aber, dass es keinen NFL-Superstar gibt, der bodenständiger ist. Das siehst du allein schon daran, dass er trotz Millionen von Dollar noch so ein ganz altes Klapp-Handy hat. So einen Typ triffst du nicht oft.

SPORT1: Luck sagte, eine große Stärke der Colts ist die Teamchemie. Tatsächlich hört man im Vergleich zu anderen NFL-Teams nie etwas über Zoff untereinander. Woran liegt das?

Werner: Ich war davon auch überrascht. Als ich noch am College war, hieß es immer, in der NFL geht es ums Geld, jeder macht sein eigenes Ding. Die Colts sind aber eine krasse Familie. Wir haben auch die richtigen Coaches und Spieler wie Robert Mathis oder Reggie Wayne, die den Laden zusammenhalten.

SPORT1: Sie sprechen Star-Verteidiger Robert Mathis an. Er wurde für die ersten vier Saisonspiele wegen der Einnahme von Fruchtbarkeitspillen gesperrt. War das im Team ein Thema?

Werner: Natürlich, unser bester Abwehrspieler fällt aus und wir spielen gleich gegen die Denver Broncos. So ist das Leben in der NFL. Jetzt muss der Nächste seine Chance nutzen.

SPORT1: Das ist Ihr Job, oder?

Werner: Genau! Ich kann mich beweisen. Lieber wäre mir aber, ich könnte mit ihm spielen. Er sagt jetzt immer, ich soll ihn in Rente schicken. Ich werde alles tun, um die Chance zu nutzen und mir einen Namen zu machen.

SPORT1: Abgesehen von Hakeem Nicks haben die Colts kaum namhafte Verstärkungen geholt. Reicht das, um nach zwei Playoff-Teilnahmen den Super Bowl ins Visier zu nehmen?

Werner: Für uns war wichtig, das Team zusammenzuhalten. Glaubt mir, wir werden es dieses Jahr packen.

SPORT1: Zuletzt stand der NFL-Draft im Mittelpunkt, haben Sie sich noch einmal an ihren Moment auf der Bühne zurückerinnert?

Werner: Ich dachte nur, wie schnell ist dieses Jahre vorbei gegangen? In der NFL rast die Zeit, das sagen auch die Jungs, die schon zwölf Jahre dabei sind.

SPORT1: Nach seinem Outing wurde Michael Sam erst in der siebten Runde ausgewählt. Wie haben Sie den Rummel um seinen Kuss im TV erlebt?

Werner: Wenn du aus Europa kommst, ist das keine so große Sache. Wir sind da vielleicht auch etwas toleranter als einige Amerikaner. Ich bin mir sicher, dass es bei den Rams deswegen keine Probleme geben wird. Ich habe sehr viel Respekt vor ihm. Er wusste, dass er nach dem Outing im Draft abrutschen und viel Geld verlieren würde. Er hat es trotzdem durchgezogen, davor habe ich große Achtung.

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