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Peter Forsberg (M.) und Eric Lindros (r.) sind in den Neunziger Jahren große Rivalen © getty

Vor 17 Jahren wurden Lindros und Forsberg getradet. Deren Ruf ist höchst unterschiedlich, doch statistisch stehen sie sich nahe.

Von Robert Gherda

München - Statistiken genießen bei NHL-Fans einen hohen Stellenwert. An den erzielten Scorerpunkten kann der Zuschauer oft erkennen, wie gut ein Spieler wirklich ist.

Peter Forsberg bestritt in seiner Karriere 697 Spiele und erzielte dabei 248 Tore und 623 Assists für 871 Scorerpunkte, Eric Lindros kam auf 760 Partien und 372 Treffer und 493 Vorlagen für 865 Zähler.

Doch bei den beiden ehemaligen NHL-Stars könnte die öffentliche Meinung trotz der vergleichbaren Statistiken nicht unterschiedlicher sein. Forsberg wird in seinem Heimatland verehrt wie kein anderer Sportler, Lindros als der ultimative Verräter der NHL angesehen.

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Der Schwede gilt als wahrscheinlich bester Spieler seiner Generation und hat in seinem Heimatland eine eigene Briefmarke, die abgebildet, wie er im olympischen Finale von Lillehammer 1994 den entscheidenden Penalty gegen Kanada verwandelt.

Der Kanadier Lindros weigerte sich im Jahr 1991, für die heimischen Quebec Nordiques zu spielen, und erzwang einen Trade.

Lindros' Wunsch wurde erfüllt, und in einem der wohl berühmtesten Draft-Trades der NHL-Geschichte tauschte Quebec ihn 1992 gegen Peter Forsberg (zusammen mit fünf weiteren Spielern, zwei weiteren Erstrundenpicks und etwa zehn Millionen Dollar) nach Philadelphia zu den Flyers. (124366DIASHOW: Die NHL-Wechselbörse)

Die Karrieren der beiden Stars waren also eng miteinander verbunden, bevor sie auch nur ein Spiel in der NHL bestritten.

Forsberg gewinnt zwei Titel

Heute ist klar, dass die Nordiques als Gewinner des Trades hervorgingen, denn während "Foppa" der Franchise, die kurz darauf nach Denver zog und zu den Colorado Avalanche wurde, zwei Stanley-Cup-Siege bescherte, warten die Flyers seit 1975 auf den Titel in der NHL.

Lediglich eine Finals-Teilnahme 1997 steht aus der Lindros-Ära, die 2001 mit dem Trade zu den New York Rangers endete, zu Buche.

"Peter der Große" hat in seiner Karriere aber weit mehr gewonnen als "nur" zwei Stanley Cups.

Mit zwei olympischen Goldmedaillen (1994 und 2006) und zwei Weltmeistertiteln mit Schweden ist Forsberg einer von lediglich drei Spielern in der Geschichte des Eishockeys, die die drei wichtigsten Trophäen mehr als einmal gewinnen können. Die Russen Wjatscheslaw Fetisow und Igor Larionow sind die beiden anderen.

Forsberg wird MVP 2003

Auch individuelle Auszeichnungen hat der Spielmacher mit der Nummer 21 zu Genüge in seiner Vitrine stehen. 117780(Die Awards: Owetschkin räumt ab)

Die Calder Trophy für den besten Rookie gewann Forsberg 1995, und im Jahr 2003 holte sich der sechsfache All-Star auch noch die Art-Ross-Trophy für den besten Scorer und die Hart-Trophy des MVP.

Viele mehr hätten es sein können, wenn sich der Schwede nicht ständig nach diversen Verletzungen zurückkämpfen müsste. Andrew Podnieks schrieb in seinem Hockey-Buch "The Top 60 Since 1967" über Forsberg: "Forsberg war ein Spieler mit unglaublichen Fähigkeiten ? ein Spieler dessen Körper verwundert werden konnte, aber niemals sein Herz."

Und genau aus diesem Grund liebten ihn die Fans.

"The next one"

Eric Lindros wurde zunächst die größere Karriere von beiden vorausgesagt. Schon als Jugendlicher galt der 1,93 Meter große Center als designierter Nachfolger von Wayne Gretzky.

Doch obwohl auch Lindros sechsmal ins All-Star Team gewählt und einmal zum MVP gekürt (1995) wurde, war er in Kanada mehr geduldet als geliebt.

Auch die Goldmedaille in Salt Lake City 2002 kann daran nichts ändern. Zu tief saß bei vielen Kanadiern der Stachel der Enttäuschung, dass "The Big-E" seine NHL-Karriere lieber in den USA beginnen wollte als bei den geliebten Nordiques.

Kein Titel in der NHL

Und natürlich fehlt Lindros der Stanley Cup. Aus diesem Grund verteufeln viele Flyers-Fans selbst 17 Jahre später noch den Trade, der ihnen den kanadischen Jugendstar bescherte.

Auch Lindros wird natürlich durch zahlreiche Verletzungen (vor allem sechs Gehirnerschütterungen) aus der Bahn geworfen, aber im Gegensatz zu Forsberg, der in den Playoffs immer noch eine Schippe drauflegte, konnte Lindros in der "Crunch-Time" meistens keine Akzente setzen.

Auf der anderen Seite sahen ihn einige Experten auch als einen dominanten Spieler an, der die NHL über fast eine Dekade prägte.

Sein langjähriger Team-Kollege in Philadelphia John LeClair sagte über Lindros: "Er hatte alles: Die Größe, die Kraft und die Technik. Es ist bedauerlich, dass Verletzungen seine Zeit in der NHL verkürzt haben, aber er hatte eine großartige Karriere und hat dem Sport seinen Stempel aufgedruckt."

Ruft die Hall of Fame?

Im Jahr 2009 haben beide Spieler mittlerweile ihre Karriere schon beendet (Lindros) oder stehen kurz davor (Forsberg) und in nicht allzu ferner Zukunft ruft die Hall of Fame.

Und obwohl Forsberg und Lindros rein statistisch nicht viel trennt, ist unklar, ob beide Spieler aufgenommen werden.

Denn in der öffentlichen Wahrnehmung liegen gefühlte Welten zwischen den Centern.

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