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Marcel Goc wechselte 2003 von den Adler Mannheim zu den San Jose Sharks © getty

Nach dem Wechsel von San Jose ist Marcel Goc in Nashville auf der Suche nach seiner Rolle. Bei Sport1.de spricht er über seine Ziele.

Von Rainer Nachtwey

München/Nashville - Für Marcel Goc kam es nicht überraschend, dass die San Jose Sharks nach dem Scheitern in der ersten Playoffrunde seinen Vertrag nicht verlängerten 124366(DIASHOW: NHL-Wechselbörse).

In Nashville hat er nun ein neues Zuhause gefunden. Mit durschnittlich 15 Minuten Eiszeit in der dritten Sturmformation und in Unterzahl gehört der 26-Jährige bei den Predators zu den festen Größen.

In Tennessee will Goc nun beweisen, dass er mehr als nur ein guter Defensivstürmer ist (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Das war meine Rolle in San Jose", sagt der deutsche Nationalspieler bei Sport1.de. "Ich habe aber in der Offensive mehr zu bieten, als man in San Jose von mir gesehen hat."

Im Interview mit Sport1.de spricht Goc über seine Ziele mit den Predators, die Olympischen Winterspiele in Vancouver und sein Verhältnis zu den Deutschen in der NHL.

Sport1.de: Herr Goc, wie sind Ihre ersten Eindrücke von Nashville?

Marcel Goc: Bisher sehr gut. Der Klub macht einen guten Eindruck auf mich. Die Mannschaft besteht aus großartigen Spielern und die Stadt selbst gefällt mir ebenfalls sehr gut.

Sport1.de: Wie sind Sie in der Mannschaft aufgenommen worden?

Goc: Einwandfrei. Es ist nicht immer leicht, wenn man in eine neue Mannschaft kommt, in der man niemanden kennt. Aber hier war das kein Problem. Wichtig ist, dass man sich schnell zurechtfindet.

Sport1.de: Mit Alexander Sulzer und Robert Dietrich sind bereits zwei Deutsche in Nashville unter Vertrag. Haben Sie mit den beiden vor der Unterschrift gesprochen?

Goc: Ja, mit Alex habe ich Kontakt aufgenommen. Wir haben auch den gleichen Agenten. Und im Trainingslager sind wir dann zusammen essengegangen und haben uns mittags getroffen.

Sport1.de: Was sprach letztendlich für die Predators?

Goc: Ich habe hier die beste Ausgangsposition gesehen. Es gab noch ein, zwei offene Plätze in der Aufstellung und von daher hab ich mich für die Predators entschieden.

Sport1.de: Wie verstehen Sie sich mit dem neuen Trainer Barry Trotz?

Goc: Eigentlich recht gut. Es gab noch keine Zwischenfälle (lacht).

Sport1.de: Bisher der einzige Trainer der Franchise. Was ist er für ein Typ?

Goc: Er geht gut mit den Spielern um. Er spricht nicht nur die negativen Dinge an und hackt nicht auf den Spielern rum, sondern er lobt einen auch. Er versucht, dass zwischen Mannschaft und Trainer ein gutes Verhältnis ist. Er ist immer positiv gestimmt, auch wenn es mal ein Drittel schlecht läuft.

Sport1.de: Trotz hat Sie sehr gelobt, meinte, dass Sie ein hervorragender Penalty Killer sind, der mehr Offensivqualitäten mitbringt, als die Predators erwartet haben. Sehen Sie sich selbst als Defensivstürmer?

Goc: Das war meine Rolle in San Jose. Bei den Sharks habe ich nie die Chance bekommen, Überzahl zu spielen - so kam ich zur Rolle des Defensivstürmers. Ich habe aber in der Offensive mehr zu bieten, als man in San Jose von mir gesehen hat. Ich bin froh, dass der Verein auch dieser Meinung ist und ich jetzt meine Chance bekomme.

Sport1.de: Sie sehen ihre Rolle in Nashville also nicht als reiner Defensivstürmer?

Goc: Ich werde hier viel in Unterzahl eingesetzt, aber davon bin ich ausgegangen. Jetzt versuche ich, mich in die ersten beiden Sturmreihen vorzuarbeiten. Wenn ich meine Chance bekomme, will ich sie nutzen.

Sport1.de: Bei den Predators haben nur Jason Arnott und J.P. Dumont mehr Playoff-Erfahrung. Barry Trotz sieht das als einen wichtigen Faktor. In wie weit können Sie mit Ihrer Erfahrung weiterhelfen?

Goc: Die Playoffspiele sind etwas anderes als Regular-Season-Spiele. Man weiß nie, welcher Pass oder welche Szene vielleicht die Entscheidung bringt. Jeder Spielzug und jeder Wechsel kann das Spiel entscheiden. Man darf sich keine Aussetzer leisten. Das macht es in den Playoffs noch härter, Spiele zu gewinnen. Man muss mental immer voll da sein und wissen, was seine Aufgabe ist. Diese Einstellung versuche ich den unerfahrenen Spieler nahe zu bringen.

Sport1.de: Wie sehen Sie die Playoff-Chancen in der starken Central Division? Letzte Saison haben Detroit, Chicago, St, Louis und Columbus den Sprung in die K.o.-Runde geschafft, nur nicht Nashville.

Goc: Die Gruppe ist sehr schwierig. Letztes Jahr haben den Predators drei Punkte gefehlt. Sie hatten letztes Jahr einen schlechten Start in die Saison. Sie haben am Anfang der Saison Punkte leichtfertig verspielt. Dann wird es am Ende umso schwerer. Deswegen ist es wichtig jetzt gleich voll da zu sein. Aber die Chancen sind gegeben.

Sport1.de: Was ist Ihr persönliches Ziel mit den Predators?

Goc: Mein Hauptziel ist, mit Nashville die Playoffs zu erreichen. Für mich persönlich: Ich will mich hier etablieren, mich für den Trainer unverzichtbar machen.

Sport1.de: Die Verteidigung der Predators um Shea Weber und Ryan Suter gehört zu den besten der Liga. Wie sehen Sie die Chancen, dass Alexander Sulzer und Robert Dietrich den Sprung in den Kader schaffen?

Goc: Robert hat diese Saison sein erstes Vorbereitungsspiel gemacht. Aber er hat bei den Trainern einen guten Eindruck hinterlassen. Jetzt muss er weiter an sich arbeiten und auf seine Chance warten. Beim Alex war es sehr knapp, er war unter den letzten Drei, die in die AHL zurückgeschickt wurden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er seine Chance erhält.

Sport1.de: Wie wichtig ist ein Stammplatz im Hinblick auf Olympia?

Goc: Ich will auf jeden Fall dabei sein und wenn man in der NHL einen Stammplatz hat, ist das auf jeden Fall eine gute Voraussetzung. Für mich war es durch den Vereinswechsel natürlich sehr schwer, weil nicht genau wusste, wie ich hier in der Mannschaft stehe. Aber jetzt mit dem Stammplatz und dem, was ich vom Trainer höre, gibt mir das natürlich viel Selbstvertrauen.

Sport1.de: Sie haben zuletzt gegen Jochen Hecht und die Buffalo Sabres gespielt. Wie ist das Verhältnis unter den deutschen Spielern in der NHL?

Goc: Beim Spiel gegen die Sabres sind wir erst spät angekommen. Aber nach dem Spiel hatten wir ein wenig Zeit miteinander zu reden. Aber wenn es die Zeit zulässt, gehen wir normalerweise am Tag vor dem Spiel zusammen zum Abendessen. Die Mannschaften kommen ja bei den Auswärtsspielen meistens einen Tag vorher an. Diesmal hat es leider nicht gereicht.

Sport1.de: Hat man zu den deutschen Spielern einen besonderen Draht?

Goc: Klar, wir reden viel miteinander. Vor allem wenn dann die Spiele gegeneinander anstehen, telefoniert man vorher und redet natürlich ein bisschen mehr. Viel Zeit hat man nicht, aber nach dem Spiel nimmt man sich immer welche.

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