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Bostons Goalies Tim Thomas und Tuuka Rask bereiten sich auf das Winter Classic vor © getty

Das Freiluft-Spiel der Eishockey-Profis lockt 35.000 Zuschauer. In diesem Jahr ist auch ein Deutscher mit von der Partie.

Boston - Ein einziges von mehr als 1200 Saisonspielen elektrisiert die Fans auf dem nordamerikanischen Kontinent seit zwei Jahren. Es handelt sich nicht etwa um das alljährliche All Star Game mit den Superstars der Gegenwart wie Sidney Crosby oder Alexander Owetschkin.

Es ist ein Freiluft-Spiel, die sogenannte Winter Classic am Neujahrstag. Bei der dritten Auflage am Freitag (19.00 MEZ) ist das legendäre Baseball-Stadion Fenway Park in Boston der Spielort, Gegner sind die Bruins mit dem deutschen Star Marco Sturm und die Philadelphia Flyers. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

"The game was born outside. Now it returns" (Das Spiel wurde im Freien geboren. Dorthin kehrt es nun zurück) lautet der Slogan des Werbespots, der seit Wochen das Spektakel bewirbt.

Freiluft-Hockey ist derzeit das Aushängeschild der schnellsten Mannschaftssportart der Welt, die seit Jahren um ihre Existenz kämpft. Sinkende TV-Einnahmen, Einführung der Gehaltsobergrenzen und Arbeitskampf haben dem Sport schwer zugesetzt.

"Woodstock des Hockey"

Hits, Fights und Saves im Schneegestöber haben Eishockey wieder etwas Leben eingehaucht.

Und wenn die Werbetrommel sich ohnehin gerade dreht, greift man gerne zu Superlativen. "Es ist wie das Woodstock des Hockey. Man könnte es auch Icestock nennen", erklärte der Kurator des Bostoner Sport Museum, Richard Johnson, in Anspielung auf das geschichtsträchtige Open-Air-Festival 1969.

Nun, 500.000 Menschen wie seinerzeit auf die Farm in Bethel im US-Bundesstaat New York passen nicht in den Fenway Park, sondern nur etwas mehr als 35.000. Aber das Ereignis an sich zieht die Menschen in seinen Bann und da kann man getrost mit Superlativen aufwarten.

Rund 75.000 Liter Wasser wurden zum Aufbau der Eisfläche benötigt, die im Schatten des "Green Monsters" steht. Diese gewaltige 11,3 m hohe Mauer ist im US-Baseball berühmt, wer einen Homerun über das Green Monster schlägt, hat das Hohe C getroffen.

Sturm und Boston favorisiert

1300 Liter Farbe wurden zur Erstellung der Logos unter dem Eis verwendet, ein 300 Tonnen schwerer Kühltruck zirkuliert 11.300 Liter Kühlflüssigkeit, um die optimale Eistemperatur von Minus 5,5 Grad gleichbleibend zu gewährleisten. Schließlich ist Open-Air-Hockey genauso von äußeren Bedingungen beeinflusst wie Fußball.

Für den Neujahrstag sind die Prognosen nicht so positiv. In Beantown soll es bei Temperaturen von bis zu 4 Grad Celsius Schneeregen geben. Im vergangenen Jahr waren im Wrigley Field in Chicago die Bedingungen nahezu ideal, Stanley-Cup-Sieger Detroit Red Wings und die Blackhawks hatten beim 6:4 echte Werbung betrieben.

Nachdem der fünfmalige Grammy-Award-Gewinner James Taylor die US-Nationalhymne geschmettert hat, geht es dann nur noch um den Sport. Auch in diesem Duell, das von 75 TV-Kameras aus allen erdenklichen Perspektiven eingefangen wird, ereignet sich nach Meinung der Chronisten Historisches.

Es ist das größte Spiel zwischen den Kontrahenten seit der Stanley-Cup-Finalserie 1974, die die Flyers seinerzeit in sechs Spielen gewann. Davon ist Philly derzeit weit entfernt, man ist außerhalb der Play-off-Plätze. Boston und Sturm gehen als Favoriten in den Open-Air-Ring.

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