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Dennis Seidenberg gab sein Debüt in der NHL bei den Philadelphia Flyers © getty

Bei Sport1.de spricht Nationalspieler Dennis Seidenberg über seinen Wechsel von Florida nach Boston und seine Zukunft bei den Bruins.

Von Rainer Nachtwey

München/Boston - Als sich Dennis Seidenberg nach den Olympischen Spielen von der Nationalmannschaft wieder Richtung Miami verabschiedete, dachte er sicherlich nicht daran, nur wenige Tage später wieder mit Marco Sturm gemeinsam auf dem Eis zu stehen.

Am Mittwoch tradete ihn sein Klub Florida Pathers gemeinsam mit Nachwuchsspieler Matthew Bartkowski für Byron Bitz, Craig Weller und einen Zweitrunden-Pick für den Draft 2010 zu den Sturms Boston Bruins.

Nach seinem Debüt für die Bruins, einem 3:2-Sieg im Penaltyschießen über die Toronto Maple Leafs, sprach der Nationalverteidiger mit Sport1.de über seinen Wechsel nach Boston.

Sport1.de: Herr Seidenberg, Sie hatten am Donnerstag Ihr erstes Spiel für die Boston Bruins. Gegen Toronto gab es einen 3:2-Sieg nach Penaltyschießen. Wie war der Einstand für Sie persönlich?

Dennis Seidenberg: Für mich persönlich war es ganz gut. Ich habe viel Eiszeit erhalten und mit Zdeno Chara zusammengespielt. Mehr kann ich mir eigentlich nicht wünschen.

Sport1.de: Sie standen mit 25:35 Minuten die längste Zeit auf dem Eis. Wie ist das Spielverständnis mit den neuen Kollegen?

Seidenberg: Das läuft noch nicht optimal. Aber sobald ich die Spieler und ihre Laufwege ein bisschen besser kenne, werde ich mich schon dran gewöhnen.

Sport1.de: Hatten Sie vorher bereits die Möglichkeit, mit der Mannschaft zu trainieren?

Seidenberg: Nein, wir hatten am Freitagmorgen ein freiwillige Vorbereitung, da waren aber nur fünf bis sechs Leute auf dem Eis. Das war kein richtiges Training.

Sport1.de: Wie verlief das erste Gespräch mit Trainer Claude Julien?

Seidenberg: Er hat sich gefreut, dass ich jetzt für ihn spiele und mir viel Glück gewünscht. Dann hat er mir das System und die Spielweise der Mannschaft erklärt.

Sport1.de: Haben Sie bereits mit dem Management darüber gesprochen, welche Pläne sie mit Ihnen haben?

Seidenberg: Das übernimmt mein Agent für mich. Ich gehe davon aus, dass sie über die Zukunft des Vereins reden und wie es mit mir im Sommer weitergeht.

Sport1.de: In welche Richtung soll es denn im Sommer gehen?

Seidenberg: Ich werde nicht ewig Eishockeyspielen, deshalb muss ich jetzt so viel Geld verdienen wie möglich. Also werde ich dort hingehen, wo ich das meiste Geld verdienen kann.

Sport1.de: Wie sind Ihre ersten Eindrücke von Boston und den Bruins? Können Sie sich vorstellen, dort länger zu bleiben? Ihr Vertrag läuft nach der Saison aus.

Seidenberg: Auf jeden Fall. Boston ist eine große Eishockey-Stadt und ein guter Markt. Deshalb kann ich mir auch durchaus vorstellen, hier zu verlängern.

Sport1.de: Mit Florida waren die Chancen auf die Playoffs geringer als jetzt mit den Bruins. Was bedeutet der Wechsel sportlich für Sie?

Seidenberg: Boston ist ein viel größerer Markt als Florida. Deswegen ist es gut für mich, dass ich jetzt hier spiele und dass wir hoffentlich weit kommen.

Sport1.de: Was können denn die Bruins in diesem Jahr erreichen?

Seidenberg: Die Mannschaft hat auf jeden Fall Potenzial. Sie hat in der letzten Saison gezeigt, was sie kann. Und das Team ist größtenteils zusammengeblieben. Deswegen können wir bestimmt zwei drei Runden packen - vielleicht auch mehr.

Sport1.de: Sie haben im letzten Jahr mit den Hurricanes gegen Boston gespielt. Was ist Ihnen aus der Serie noch in Erinnerung?

Seidenberg: Es war hart umkämpft. Die Bruins hatten im letzten Jahr eine sehr explosive Offensive. Und wir hatten, auch wenn wir uns in sieben Spielen durchgesetzt haben, ziemliche Probleme, den Puck aufs Tor zu bekommen. Spiele in Boston waren immer schwer, weil die ein tolles Publikum haben. Aber es hat Spaß gemacht.

Sport1.de: Die Bruins sind bereits Ihr fünftes Team in der NHL. Gab es eine Stadt, in der es Ihnen besonders gut gefallen hat?

Seidenberg: Vom Wohnen hat es mir eigentlich überall gefallen. In Phoenix ist es vom Eishockeystandpunkt nicht so gut für mich gelaufen.

Sport1.de: Sie haben die Wohnsituation angesprochen. Sie wohnen derzeit im Hotel. Werden Sie sich noch etwas suchen?

Seidenberg: Ich habe schon mit Marco Sturm darüber gesprochen. Ich werde wahrscheinlich für ein bis zwei Monate in einem Appartement wohnen, wo ich dann auch schnell wieder raus kann.

Sport1.de: Haben Sie mit Marco Sturm telefoniert, als Sie von dem Trade informiert wurden?

Seidenberg: Er hat mich direkt danach angerufen, aber ich habe nicht abgenommen, weil es zu dem Zeitpunkt alles viel zu hektisch war. Ich habe am Abend zurückgerufen und wir haben ein bisschen geredet.

Sport1.de: Was hat er Ihnen über die Bruins erzählt?

Seidenberg: Er hat mich gefragt, ob ich spielen kann und wie es mir geht, aber wir haben weniger über das Team geredet.

Sport1.de: Wann haben Sie von dem Trade erfahren?

Seidenberg: Es war eigentlich noch recht früh, so um 11 Uhr morgens. Die meisten Trades haben ja erst abends stattgefunden. Mein Flug ging um 19 Uhr. Deswegen hatte ich noch genügend Zeit, meine Sachen zu packen.

Sport1.de: Was bedeut ein Trade für einen Spieler? Sie wurden einfach aus Ihrem Zuhause rausgerissen. Wie haben Sie sich gefühlt?

Seidenberg: Am Anfang überwiegt der Stress, aber das legt sich schnell. Dann freut man sich auf die neue Aufgabe. Ich habe mich in Florida eigentlich ziemlich wohl gefühlt. Aber Boston ist natürlich die bessere Adresse. Deswegen hoffe ich auch, dass wir viel Erfolg haben werden.

Sport1.de: In Boston hat Eishockey eine sehr große Tradition. Hall-of-Fame-Spieler wie Bobby Orr oder Ray Bourque haben das Trikot der Bruins getragen. Haben Sie schon erste Eindrücke gewonnen?

Seidenberg: Das sind natürlich großartige Spieler, die hier gespielt haben. Es gibt hier eine große Eishockey-Geschichte. Deswegen ist es eine Ehre, das Trikot zu tragen.

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