vergrößernverkleinern
Philipp Grubauer wechselte mit 16 Jahren nach Nordamerika © SPORT1

U-20-Goalie Philipp Grubauer spricht bei SPORT1 über seine Ziele, den deutschen Nachwuchs und Nummer-1-Pick Taylor Hall.

Von Rainer Nachtwey

München/Rosenheim - Während Tom Kühnhackl im Staples Center von Los Angeles zwischen den anderen Kandidaten saß, fieberte Philipp Grubauer in Rosenheim vor dem PC mit.

Der Keeper der U-20-Nationalmannschaft musste am zweiten Tag des 255194NHL-Drafts bis zur vierten Runde warten, ehe die Washington Capitals seinen Namen aufriefen.

"Manche Experten haben gemeint dritte Runde, manche sogar Ende zweite, aber mir ist es egal, welche Runde es ist", sagt der Rosenheimer im Gespräch mit SPORT1.

Für den 18 Jahre alten Nachwuchstorwart ist es der perfekte Abschluss einer grandiosen Saison:

Aufstieg mit der U-20-Nationalmannschaft in die Top Division, Memorial-Cup-Sieger mit den Windsor Spitfires und nun von Washington gedraftet worden.

Im Interview der Woche spricht Grubauer über die Capitals, Nummer-Eins-Draft-Pick und Windsor-Teamkollege Taylor Hall, seine Ziele und den deutschen Eishockey-Nachwuchs.

SPORT1: Herr Grubauer, es gab unterschiedliche Einschätzungen, wann Sie gedraftet werden. Sind Sie mit dem 112. Pick zufrieden?

Philipp Grubauer: Ich bin sehr zufrieden. Mit Washington ist es für mich perfekt gelaufen.

SPORT1: Die Capitals gehören zu den besten Mannschaften der Liga, werden auch in den nächsten Jahren zu den Titelfavoriten gehören. War es auch ein Wunsch, nach Washington zu gehen?

Grubauer: Ich habe mit den Capitals gar nicht gerechnet, weil sie nie ihr Interesse signalisiert hatten. Colorado und St. Louis waren interessiert.

SPORT1: Wie war die Zeit des Wartens für Sie?

Grubauer: Ich war recht nervös, als nach der dritten Runde mein Name noch nicht genannt worden war. Als ich dann gedraftet wurde, war ich sehr erlöst. Wobei es mir eigentlich egal war, in welcher Runde, Hauptsache ein Klub entscheidet sich für mich.

SPORT1: Wieso haben Sie den Draft von zu Hause aus verfolgt und nicht im Staples Center von Los Angeles wie Tom Kühnhackl?

Grubauer: Ich wollte es einfach zu Hause mit meiner Familie anschauen. Sie steht immer hinter mir. Und da wir nicht alle rüberfliegen konnten, habe ich es daheim verfolgt.

SPORT1: Olaf Kölzig war lange Jahre Torwart in Washington. Glauben Sie, dass das bei den Capitals eine Rolle gespielt haben könnte?

Grubauer: Das kann schon sein, aber ich glaube ehrlich gesagt, dass sie sich darüber keine Gedanken gemacht haben.

SPORT1: Wie sehen nun Ihre Planungen für die nächste Zeit aus?

Grubauer: Ich habe mit den Leuten aus Washington kurz telefoniert. Am 10. Juli fliege ich ins Prospect Camp der Capitals und dann sehe ich, wie es weitergeht.

SPORT1: Wie könnte es weiter gehen?

Grubauer: Es kommt darauf an, ob ich in den erweiterten Kreis des Teams eingeladen werde. Wenn nicht, gehe ich nach Kingston, denn ich bin am Montag (innerhalb der OHL) von Windsor nach Kingston getradet worden. Dort werde ich dann die Saison spielen und in der nächsten Saison hoffentlich in der AHL spielen.

SPORT1: Die Capitals loben Ihre Fanghand und ihr Athletik. Wo sehen Sie Ihre Stärken?

Grubauer: Meine Schnelligkeit ist sicherlich eine meiner Stärken. Sowohl bei der Fanghand als auch bei der Beinarbeit. Durch die schnellen Beine bin ich zumeist in der richtigen Position bei den Rebounds. Wobei ich immer versuche, die Schüsse in die Ecken abzuwehren.

SPORT1: Wo sehen Sie noch Schwächen?

Grubauer: Ich muss etwas mehr am Spiel teilnehmen, öfter die Scheibe hinter dem Tor spielen.

SPORT1: Bei den Spitfires haben Sie zusammen mit Taylor Hall gespielt, der an Nummer Eins gedraftet wurde. Wie würden Sie Hall beschreiben?

Grubauer: Er ist ein sehr netter, lustiger Kerl. Jeder aus dem Team hat sich sehr gut mit ihm verstanden. Auf dem Eis war er ein brutal wichtiger Spieler für uns. Sehr schnell, hat die Tore im richtigen Moment gemacht, und ist in meinen Augen auch verdient an Nummer eins gewählt worden.

SPORT1: War er bei den Spitfires der Führungsspieler schlechthin?

Grubauer: Auf alle Fälle. Es war sehr wichtig, dass wir einen Spieler wie Taylor Hall bei uns hatten. Er ist MVP geworden, hat zweimal den Memorial Cup gewonnen, ist dabei zweimal zum MVP gewählt worden. Das sagt alles. Ein super Typ einfach.

SPORT1: Wie sehen Ihre persönlichen Ziele für die Saison aus? Anfang des Jahres 2011 steht die U-20-WM in Buffalo an.

Grubauer: Zu Beginn gilt die Konzentration auf meinen neuen Klub. Kingston hat mich geholt, um Meister zu werden. Der Kader ist sehr stark, wir haben eine gute Chance, den Memorial Cup zu gewinnen. Dann ist natürlich auch die U-20-WM ein großer Bestandteil der Saison.

SPORT1: Wie sind die Aussichten für das WM-Turnier in Buffalo? Das Team ist erst letzte Saison in die Top Division aufgestiegen.

Grubauer: Das Ziel ist natürlich der Klassenerhalt. Wir haben einige Spieler, die gedraftet wurden und vorher auch in den USA oder Kanada spielen werden. Unsere Chancen sind ganz gut.

SPORT1: Ist der deutsche Eishockey-Nachwuchs im Aufwind?

Grubauer: Auf alle Fälle. Es freut mich, dass so viele junge Spieler wieder rüber gehen. Ich glaube es gab schon lange nicht mehr so viele Spieler, die in der CHL gespielt haben. Das ist schon ein gutes Zeichen für den Nachwuchs. Die Teams werden dadurch, dass die Spieler rübergehen, noch stärker. Sie profitieren von den Erfahrungen der Nordamerika-Spieler. Und es gibt jüngeren Spielern den Anreiz, den Sprung in die nordamerikanischen Nachwuchsligen zu versuchen.

SPORT1: Was haben Sie von der WM in Deutschland mitbekommen?

Grubauer: Ich habe versucht, sie zu verfolgen, war aber durch den Memorial Cup so eingespannt, dass ich nicht viel mitbekommen habe. Aber meine Eltern waren auf Schalke und haben mir von der Atmosphäre vorgeschwärmt.

SPORT1: Ist die Nationalmannschaft für Sie in naher Zukunft ein Ziel?

Grubauer: Auf alle Fälle. Dieses oder nächstes Jahr will ich das in Angriff nehmen. Es wäre cool, in den A-Kader hoch zu rutschen, mal im Camp mit zu trainieren. Und vielleicht auch mal das eine oder andere Spielchen von der Bank aus verfolgen. Das ist ein Traum.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel